Wunsch oder Alptraum - Wo könnte Rossi landen?

Wunsch oder Alptraum - Wo könnte Rossi landen? Foto: © GEPA
 

Der NHL-Draft steht kurz bevor, auch für Österreichs Draft-Hoffnung Marco Rossi wird es langsam spannend.

Der 19-jährige Center aus Feldkirch wird in der ersten Runde schon früh seine NHL-Zukunft kennen. LAOLA1-Scout Bernd Freimüller weiß, wo der Vorarlberger am besten hinpasst, welche Organistionen herausstechen und beleuchtet den Konkurrenzkampf an der potenziellen NHL-Adresse.

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4. Los Angeles Kings (Pick #2)

Allgemeine Situation

Seit dem zweiten Stanley-Cup-Sieg 2014 drifteten die Los Angeles Kings arg ab, die Kombination "groß und langsam" zieht heutzutage nicht mehr. Aber am Ende des Tunnels zeichnet sich durch mehrere gute Prospects doch etwas Licht ab.

Die Center-Position in der NHL

Anze Kopitar (33) – zuletzt ein Schatten seiner selbst – hat noch vier Jahre Vertrag, Jeff Carter (35) noch zwei und gerade eine Hüftoperation hinter sich. Diese sechs Vertragsjahre nehmen 50 Millionen Cap-Space weg, eine entsprechende Gegenleistung kann nicht erwartet werden.

Carter könnte auf den Flügel wechseln, was zuletzt schon Platz für Blake Lizotte (22) und Gabriel Vilardi (21) schaffte. Beide sind noch kostengünstige Entry-Level-Spieler, waren allerdings für das Farmteam in Ontario vorgesehen und könnten dort noch etwas Reifeprozess vertragen. Vilardi muss vor allem noch beweisen, dass er gesund bleiben kann. Lizotte war trotz seiner knapp 1,70 Meter eine positive Überraschung, könnte aber wieder weiter nach hinten rücken.

Center Prospects

Da ist vor allem Alex Turcotte (20) zu nennen - ein immens smarter, spielstarker Mann mit einem nie absterbenden Motor. Ein weiteres Jahr im College in Wisconsin würde ihm auch nicht schaden, aber er ist von allen LA-Center-Prospects wohl die größte Hoffnung. Dazu gehören noch: der Finne Rasmus Kupari (mit 20 Jahren bereits in der AHL, bevor er sich bei der Junioren-WM verletzte) – gute Hände und Beine. Tyler Madden (21, von den Canucks gekommen und noch im College) sowie Akil Thomas (20, wie Turcotte gerade bei den Eisbären Berlin im Training). Genug Namen also, nur: Wie wird ihr Impakt in der NHL ausfallen?

Ein Fit für Rossi?

Zwei ältere Herren in Kopitar und Carter, dahinter viele Jungspunde mit etwas NHL-Erfahrung über die AHL bis ins College und zum Junioren-Bereich. Die Center-Position ist nicht die größte Baustelle für die Kings, trotzdem würde es nicht überraschen, wenn sie Byfield oder Stützle als Nr. 2 draften. Könnte Stützles jet-artige Beinarbeit den Ausschlag geben? Für beide gilt dasselbe wie für Rossi: Die Center-Positionen hinter Kopitar sind ab nächster Saison frei zu vergeben und sie würden sich sicher mit Freude dem Konkurrenzkampf an der Westküste stellen. Die Kings könnten ihre Durchtauchphase bald überwunden haben...

3. Detroit Red Wings (Pick #4)

Allgemeine Situation

Die Zeiten, als die Red Wings der Goldstandard der NHL waren, sind längst vorbei. Zu lange klammerte man sich am Erreichen der Playoff-Plätze fest. Als auch das nicht mehr gelang, fiel die Organisation in ein Loch, aus dem ein Entkommen noch nicht in Sicht ist. GM Steve Yzermans Truppe des Vorjahres war eines der übelsten Teams der NHL-Geschichte und dann purzelten sie in der Draftlotterie noch von Nr. 1 auf Nr. 4.

Die Center-Position in der NHL

Dylan Larkin ist unbestritten, er hätte sich ein besseres Umfeld verdient. Sein Vertrag läuft noch drei Jahre, da wird er in Detroit auch als Top-Center gesetzt sein. Dahinter sah es aber zappenduster aus: Valterri Filppula und Frans Nielsen sind mittlerweile 36 Jahre alt, Luke Glendeling (31) nicht mehr als ein Mann für die Tiefe. Sie stehen alle (beklagenswerterweise) noch unter Vertrag, dazu kommt noch der offensiv limitierte Schwede Christoffer Ehn.

Center Prospects

Joe Veleno (20) hatte eine solide erste Pro-Season in Grand Rapids, aber die Fragen bleiben: Wie viel Offensive kann er wann auf NHL-Niveau bereitstellen? Michael Rasmussen (21) ist gerade bei den Graz99ers zu begutachten. Er könnte auch auf NHL-Niveau um das Tor herum dominieren, doch ein gewisser Mangel an Speed und Top-End-Händen könnte ihn zu einem Shut-Down-Center (oder Flügel) prädestinieren. Beide könnten in der nächsten Saison schon (oder wieder wie bei Rasmussen) in der NHL auflaufen, doch der Gap zu Larkin dürfte weiter groß sein.

Ein Fit für Rossi?

Auf jeden Fall, hinter Larkin tut sich sowohl kurz- als auch langfristig ein Loch auf. Die Red Wings könnten einen Center wie Byfield, Stützle, Cole Perfetti oder eben Rossi sofort benötigen, zumindest Nielsen könnte auch getradet werden. Mit Larkin, Rossi, Veleno und Rasmussen sähe die Zukunft schon etwas besser aus, allerdings haben die Red Wings vorne und hinten Löcher und mit dem deutschen Defender Moritz Seider nur einen Top-Prospect in der Pipeline.

2. Winnipeg Jets (Pick #10)

Allgemeine Situation

Noch vor Jahren galten die Jets als angehender Stanley-Cup-Sieger mit einer Unzahl von tollen Prospects im Lineup. Nach zwei schwachen Saisonen gibt es nun weniger Gläubige als zuvor, auch die Talente-Pipeline stellt sich nicht mehr so eindrucksvoll dar. Allerdings: Mit dem einen oder anderen guten Free Agency Signing könnte GM Kevin Cheveldayoff sein Team wieder ganz nach oben bringen.

Die Center Position in der NHL

Mark Scheifele (27) gehört zu den dominanten Centern der Liga, ist noch vier Jahre (kostengünstig mit knapp 6 Mio. Cap Hit) unter Vertrag. Adam Lowry (27) und Andrew Copp (26) sind beides körperlich starke Defensiv-Center, die ideal als Nummer 3 und 4 in der Depth Chart sind. Alles was höher geht, überfordert ihr spielerisches Potential.

Cheveldayoff sucht schon seit Jahren einen idealen Nummer-2-Center. Bryan Little (32) nahm diese Rolle lange Zeit ein, wurde aber über die Jahre zur Trading Deadline von Leuten wie Paul Stastny oder Cody Eakin abgelöst. Stastny konnte nicht gehalten werden, Eakin war ein Flop und Little könnte nach einem Puck ans Ohr sein letztes Spiel gespielt haben. Die Rolle des zweiten Centers steht weiter zur Vergabe parat.

Center Prospects

Der Schwede David Gustafsson (19) durfte sich letzte Saison schon vorstellen, ist aber ein Spielertyp wie Lowry oder Copp und eher ein designierter Viertlinien-Center. Jansen Harkins (22) spielte sich in den Playoffs in die Herzen der Coaches und wird auch sicher nächste Saison wieder seine Chance bekommen. Aber nach Offensiv-Centern sucht man auf der Reserve List der Jets vergebens.

Ein Fit für Rossi?

Sollte Rossi bis zur 10 fallen (sehr unwahrscheinlich), würde Cheveldayoff wohl mit zittrigen Händen vor dem Bildschirm sitzen und Rossis Namen ausrufen. Er wäre perfekt für die seit Jahren vakante zweite Center-Position.

1. Minnesota Wild (Pick #9)

Allgemeine Situation

Schon seit Jahren kommen die Wild nicht von der Stelle: Nie ein Faktor in den Playoffs, aber auch nie schlecht genug für hohe Draftpicks. Ein endloses Dasein der Mittelmäßigkeit, das GM Bill Guerin in seinem zweiten Amtsjahr durchbrechen soll. Weder der aktuelle Kader noch die Reserve List gibt allerdings Anlass zu großem Optimismus.

Die Center Position

Guerins großer Trade bis jetzt: Eric Staal (35) wurde im Tausch für Marcus Johansson nach Buffalo geschickt. Johansson ist zwar fünf Jahre jünger, aber eigentlich ein Flügel, der letzte Saison bei den Sabres auf der Center-Postion nicht gut aussah, in Minnesota aber wieder dort spielen soll. Nach Staal hat auch Vereinslegende Mikko Koivu nach 16 Jahren in der Organisation sein letztes Spiel gespielt.

Damit bleiben als Center Joel Eriksson Ek (kam in drei Jahren nie auf eine zweistellige Torausbeute), Alex Galchenyuk (nach desaströser Vorsaison eher nicht zu verlängern) und eventuell der bullige Nick Bjugstad, der aber auch am Flügel besser ist, übrig. Victor Rask ist seit seinem Trade aus Carolina zu einem fürchterlicher Flop mutiert. Luke Kunin könnte aus Not am Mann ebenfalls in die Mitte rücken.

Center Prospects

Nico Sturm (24), dessen Übergang vom College zum Farmteam Iowa gut abging, könnte in der kommenden Saison zum Fulltime-NHLer werden. Alex Khovanov dominierte zuletzt in der QMJHL und bringt Offensiv-Hoffnung mit, braucht aber sicher noch Reifezeit in der AHL.

Ein Fit für Rossi?

Wenn nicht hier, wo dann? Minnesota hat derzeit (vor der Free Agency) wohl die fragwürdigste Mittelachse der Liga. Die Frage für Rossi (bzw. andere Center) wäre nicht ob, sondern wie hoch sie gleich spielen...

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Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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