Marco Rossi: Farm-Team statt NHL?

Marco Rossi: Farm-Team statt NHL? Foto: © GEPA
 

Noch neun Tage bis zum NHL-Auftakt für die Minnesota Wild – wird es auch der Start von Marco Rossis NHL-Karriere? Oder hat der ÖEHV-Star zunächst gar keinen Platz im Kader seines Teams?

Ein Blick auf die Wild-Sturmlinien und die Chancen des Österreichers auf sein Debüt:

Personell tat sich über den Sommer nicht viel im Angriff der Wild. Natürlich machte die Ausbootung von Zach Parise die meisten Schlagzeilen, aber der war zuletzt nur in der vierten Linie angesiedelt. Marcus Johansson, der in St. Paul nie so recht angekommen ist, unterschrieb für ein Jahr beim Liga-Neuling Seattle Kraken. Nick Bonino bekam in San Jose einen Zwei-Jahres-Vertrag.

Nur zwei Neuzugänge

Diesen drei Abgängen stehen lediglich zwei externe Zugänge gegenüber. Frederick Gaudreau kam von den Pittsburgh Penguins. Mit 28 Jahren hat er erst 103 NHL-Partien in seiner Vita stehen, aber einen Vorteil: Coach Dean Evason kennt und schätzt ihn aus ihrer gemeinsamen Zeit beim AHL-Team Milwaukee. Am Dienstag holten die Wild noch Center Rem Pitlick via Waivers von den Nashville Predators, er sollte aber vorerst kein Kandidat für einen Stammplatz sein.

Klubintern sind als Nicht-NHL-Stammkräfte derzeit noch dabei: AHL-Veteran Kyle Rau, ebenfalls vom Farmteam Iowa Adam Beckman, Brandon Duhaime und Connor Dewar. Dazu kommen die beiden Top-Prospects Matthew Boldy und Marco Rossi.

Das macht 17 Forwards für 12 Spots im Lineup sowie 13 oder 14 im Opening Night Roster. Evason scheint seine Linien schon gefunden zu haben, lediglich ein Platz ist noch etwas offen:

Kaprizov/Eriksson-Ek/Zuccarello

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Die Paradelinie, Eriksson-Ek darf diese zu Saisonbeginn centern. Der Schwede spielte in einer körperlich starken Linie mit Greenway und Foligno eine Top-Saison, soll nun den Verkehr zwischen den Offensivleadern Kaprizov (überstand seine Quarantäne nach der verspäteten Vertragsunterschrift gut) und Vorbereiter Zuccarello regeln.

Vor allem als guter Faceoff-Guy und Mann vor dem Tor sollte Eriksson-Ek endgültig zum Nummer-Eins-Center werden, auch wenn er nicht die feinsten Hände hat.

Greenway/Hartman/Foligno

Anstelle von Eriksson-Ek rückt Ryan Hartman zwischen Greenway und Foligno.

Eine Linie, die jederzeit als Shutdown-Formation gegen Toplinien des Gegners spielen, aber auch selbst scoren kann. Es bleibt abzuwarten, wie Hartman, der erst letzte Saison wieder in die Mitte rückte, Eriksson-Ek ersetzen kann.

Fiala/Gaudreau/Rask

Einige interne Positionswechsel: Rask wechselt von der Mitte auf den Flügel, er hatte letzte Saison zwischen Kaprizov und Zuccarello das große Los gezogen, ohne richtig zu überzeugen.

Kevin Fiala muss den Flügel wechseln, war aber in der Pre-Season gut drauf und gelobt auch, die defensive Seite seiner Position besser auszufüllen. Wenn er das tut, könnte der nächste Sommer zu seinem großen Zahltag werden, denn dann läuft sein neuer Ein-Jahres-Vertrag aus. Der Schweizer zeigte schon in der letzten Saison trotz häufig wechselnder Nebenleute groß auf.

Gaudreau hat eben den Vorteil, dass ihn Coach Evason wegen seiner läuferischen und technischen Fertigkeiten schätzt und dass er Nebenmann Fiala auch schon in Milwaukee und Nashville centerte.

x/Sturm/Bjugstad

Ein offener Stürmerplatz in den Top-12 – Nico Sturm zeigte schon gegen Ende der letzten Saison auf, Bjugstad ist aufgrund seiner physischen Präsenz gesetzt.

Für den letzten Platz dürfte es auf ein Rennen zwischen Adam Beckman und Brandon Duhaime hinauslaufen. Evason schätzt Beckmans Enthusiasmus und positive Einstellung, für Duhaime sprechen dessen Beinarbeit im Forecheck und physische Präsenz. Der Verlierer dieses Duells wird wohl als 13. Stürmer im Kader bleiben. Pitlick könnte der 14. Forward sein, da er sonst wieder durch die Waivers müsste.

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Was passiert mit Rossi?

Marco Rossi kommt in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in seinem zweiten Pre-Season-Game zum Einsatz, allerdings (wieder) in einer verwässerten Ausgabe der Wild, die noch einige Spieler aus Iowa hochholten. Im Gegensatz zum anderen Wild-Übertalent, Matthew Body, durfte der Österreicher weder in Trainings noch in Pre-Season-Games an der Seite von gestandenen NHL-Cracks auflaufen und das wird sich wohl auch in dieser Nacht nicht ändern.

Ob er dann noch eines der beiden ausstehenden Vorbereitungsspiele (Donnerstag/Samstag) bestreitet, ist auch fraglich, Evason wird vor allem Samstag schon mit seinen NHL-Linien beginnen wollen.

Es schaut also nicht nach einem NHL-Debüt von Marco Rossi in der nächsten Woche aus, gemeinsam mit Boldy dürfte er die Saison in Des Moines beim Farmteam Iowa Wild beginnen. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Sowohl Boldy als auch Rossi wären in einer Checking Line verschenkt, außerdem brauchen die beiden viel Eiszeit. Die Rollen als 13. oder 14. Stürmer sollten für die beiden ohnehin kein Thema sein, damit wäre niemand gedient. Rossi blickt auch aufgrund seiner Covid-Erkrankung auf eine Saison mit kaum Spielpraxis zurück, die er sicher bei Iowa aufholen könnte.

Interessanter wird es im Laufe der Saison, wobei ich gute Leistungen von Rossi im Farmteam voraussetze: Derzeit steht Minnesota ohne Verletzungen da, das kann nicht so bleiben. Würde GM Bill Guerin bei Verletzungen in Scorerlinien Boldy oder Rossi hochziehen oder lediglich intern rotieren? Den erhoffen Top-Linien-Center fand Guerin auch im Sommer nicht, malefizartige Barrikaden für Rossi auf dessen Stammposition sind in den nächsten Jahren nicht auszumachen.

Welche Rolle spielt Rossis Vertrag?

Eine Rolle könnte dabei auch Rossis Vertrag spielen: Der ist nämlich auch diese Saison wie in der letzten "slide-fähig". Was heißt das? Die Wild verbrennen erst ein Jahr seines Entry-Level-Deals, wenn sie ihn in zehn oder mehr NHL-Spielen einsetzen. Passiert das nicht, beginnt dieser Vertrag (dann aber endgültig) erst in der nächsten Saison und läuft dann drei Jahre. Das Enddatum wäre dann Sommer 2025, genau das Jahr, in dem die Cap Hits für die ausbezahlten Verträge für Parise und Ryan Suter von jeweils sieben Millionen auf ein knappes Zehntel davon absinken. Die Wild hätten dann also nach Jahren mit absehbaren Cap-Troubles für Rossi nach seinen ersten drei NHL-Saisonen wieder genügend Geld für einen guten Anschlussvertrag, den sich der Österreicher hoffentlich mit guten Leistungen erspielen sollte.

Ein Beispiel für ein ähnliches Schicksal: Jets-Center Mark Scheifele war in seinen ersten beiden NHL-Saisonen aufgrund körperlicher Mängel nur ein Teilzeitarbeiter, sein Entry-Level-Deal begann erst danach. Heute gehört er zu den Top-Pivots der NHL.

Das basiert aber alles natürlich auf Vermutungen und Zukunftsmusik, Rossi könnte genauso gut schon heuer zum Stammspieler in St. Paul werden. Von Anfang der Saison an aber eher nicht, auch Matt Boldy sah letzte Saison trotz guter Leistungen in Iowa kein NHL-Eis. Der 23-Mann-Kader für den Start am 15. Oktober gegen Anaheim muss spätestens am kommenden Montag bekanntgegeben werden, sieben Cuts sind zur Stunde noch offen…

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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