Interview

NHL-Star Marco Kasper: "Ich will nicht nach Ausreden suchen"

Knieprobleme haben ihn die vergangene Saison über begleitet. Heute ist der Kärntner wieder fit, spricht über die Unruhen in Detroit und sein letztes Vertragsjahr.

NHL-Star Marco Kasper: "Ich will nicht nach Ausreden suchen" Foto: © IMAGO / UPI Photo

Das zweite Jahr ist das schwierigste, heißt es gerne im Sportjargon.

In Nordamerika gibt es dafür sogar einen eigenen Begriff: den "Sophomore Slump", also ein Leistungstief im zweiten Jahr der Profi-Karriere. Auch Marco Kasper blieb davon nicht verschont.

Nach 37 Punkten in seiner NHL-Debütsaison war der ÖEHV-Star in der vergangenen Spielzeit nur noch an 19 Toren der Detroit Red Wings beteiligt.

Dass ihn jene Knieprobleme, die letztlich auch seine WM-Teilnahme verhinderten, die gesamte Saison über begleitet haben, will der ehrgeizige Klagenfurter allerdings nicht als Ausrede gelten lassen.

Mit umso mehr Tatendrang geht der 22-Jährige in seine dritte NHL-Saison. Dabei geht es für ihn auch um einen neuen Vertrag: Sein Entry-Level-Contract läuft im kommenden Sommer aus.

Vor dem Saisonstart in der Nacht auf Samstag gegen die New York Rangers spricht Kasper im LAOLA1-Interview über seinen Fitnesszustand, die Unruhen in Detroit, sein letztes Vertragsjahr und seine Rolle bei den Red Wings.

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LAOLA1: Du musstest deine Teilnahme an der Eishockey-WM wegen Knieproblemen absagen. Kannst du kurz erläutern, was genau das Problem war und wie lange du dich damit bereits herumgeplagt hast?

Marco Kasper: Ich hatte die gesamte Saison über Knieprobleme, eigentlich schon seit letzten Sommer. Deswegen war es an der Zeit, das auszukurieren und daran zu arbeiten, damit die Schmerzen gelindert werden. Danach musste ich die Muskulatur rundherum wieder aufbauen. Es war sehr schade, die WM zu verpassen, aber gut, dass ich eine Pause gemacht habe.

LAOLA1: Was hat dagegen gesprochen, diese Probleme bereits während der Saison auszukurieren?

Kasper: Es war eher ein chronisches Problem, das wirklich viel Zeit braucht. Am Eis war es trotzdem gut, sonst hätte ich nicht spielen können. Doch vor allem abseits des Eises hat es, etwa bei Übungen in der Kraftkammer, teilweise einfach wehgetan. Es hat ungefähr zwei Monate gedauert, bis es angefangen hat, etwas besser zu werden.

Ich will nicht nach Ausreden suchen, warum es einmal nicht so gut gelaufen ist.

Marco Kasper will die letzte Saison wegen der Knieprobleme nicht anders einordnen.

LAOLA1: Weißt du, wodurch diese Probleme entstanden sind?

Kasper: Nein, das weiß ich nicht. Natürlich kann man darüber spekulieren, aber es ist nicht so wichtig zu wissen, warum die Probleme entstanden sind, sondern damit umgehen und meine beste Leistung abrufen zu können.

LAOLA1: Wie geht es dem Knie aktuell?

Kasper: Es fühlt sich gut an, ich hatte einen guten Sommer und bin fit für die Saison.

LAOLA1: Lässt sich die vergangene Saison mit dem Wissen, dass du das ganze Jahr über mit Knieproblemen zu kämpfen hattest, anders einordnen?

Kasper: Nein, ich will keine Ausreden finden. Die letzte Saison war teilweise schwierig, aber auch lehrreich, mit vielen Höhen und Tiefen. Ich will nicht nach Ausreden suchen, warum es einmal nicht so gut gelaufen ist. Ich konzentriere mich auf mein Spiel. Ich konnte ja trotzdem am Eis stehen. Ich schaue nach vorne, will nicht mehr so viel auf die letzte Saison zurückblicken und fokussiere mich auf die neue Spielzeit.

LAOLA1: Dann lass mich die nächste Frage folgendermaßen formulieren: Was konntest du aus diesem lehrreichen Jahr für die nächste Saison mitnehmen?

Kasper: Es gibt immer Dinge, die man verbessern kann – egal ob am Eis oder mental. Wenn es nicht so gut läuft, ist das Mentale ein sehr wichtiger Bereich. Ich konnte mich darin weiterentwickeln und versuche, das Beste daraus mitzunehmen.

Man lernt, dass es nicht immer nur bergauf geht, sondern auch schwierige Zeiten gibt.

Marco Kasper über das lehrreiche letzte Jahr

LAOLA1: Inwiefern konntest du dich mental weiterentwickeln?

Kasper: Man lernt, dass es nicht immer nur bergauf geht, sondern auch schwierige Zeiten gibt, in denen man vielleicht nicht so viel spielt. Man muss sich trotzdem darauf konzentrieren, sein Bestes zu geben und stets weiter an sich zu arbeiten.

LAOLA1: Im Sommer blieb demnach genügend Zeit für Selbstreflexion und die Arbeit an der mentalen Komponente des Spiels.

Kasper: Ja, gerade da hat man dafür immer viel Zeit, aber auch zum Trainieren. Ich habe versucht, die Zeit zu nutzen, viel auszuprobieren, darauf aufzubauen und mich für das kommende Jahr vorzubereiten.

LAOLA1: Bei einem Training im Sommer ist mir aufgefallen, dass du ziemlich selbstkritisch mit dir warst. Entsteht das aus dem Druck, den man sich selbst macht, und dem Verlangen, die Dinge stets noch besser zu machen, als sie schon sind?

Kasper: Gerade im Sommer trainiert man spezielle Dinge, da ärgert man sich auch kurz, wenn es nicht sofort klappt. Ich denke, das ist ganz normal. Wenn ich aufs Eis gehe, möchte ich Spaß haben. Natürlich erwartet man von sich selbst auch viel. Aber ich versuche, mir selbst keinen Druck zu machen.

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Marco Kasper ist im Sommer wieder in der Sunshine Hockey League aufgelaufen.
Foto: ©GEPA

LAOLA1: Würdest du behaupten, dass sich an deiner Trainingseinstellung in den letzten Jahren etwas verändert hat? Der Sommer kann als NHL-Spieler doch sehr lange sein.

Kasper: Nein, auf keinen Fall. Ich trainiere sehr gerne, auch im Sommer. Ich konnte wieder viel beim KAC und dessen Alps-Mannschaft mittrainieren, wo viele meiner Freunde spielen. Man kann dort wirklich hart trainieren, sich mit seinen Freunden messen, das macht auch Spaß. Dass der Sommer zu lange ist? Man freut sich natürlich auf die Saison, trotzdem ist der Sommer eine feine Zeit. Man trainiert am Vormittag und den Nachmittag kann man dann genießen. Mit der Familie und Freunden abschalten, vielleicht Golfen gehen oder zum See fahren. Das ist sehr angenehm.

LAOLA1: Den Sommer in der Heimat zu verbringen, ist vermutlich auch eine willkommene Abwechslung zum Alltag in der NHL. Während einer Saison gibt es doch kaum Pausen, steht ihr fast ausschließlich am Eis oder sitzt im Flieger.

Kasper: Deswegen ist es im Sommer auch wichtig, dass man sich die Zeit nimmt und etwas abschaltet, den Reset-Button drückt. Man braucht diese Zeit mit Freunden und Familie.

LAOLA1: Dein Sommer war vergleichsweise ruhig, wenn man auf deine Franchise blickt. Steve Yzerman wurde als General Manager der Detroit Red Wings abgesetzt, Kapitän Dylan Larkin hat seinen Trade-Wunsch hinterlegt und mit Defensiv-Leistungsträger Simon Edvinsson konnte bislang kein neuer Vertrag ausgehandelt werden.

Kasper: Sicher kriegt man das meiste mit, doch als Team fokussieren wir uns jetzt nur auf uns selbst. Wir hatten ein gutes Trainingscamp, sind als Gruppe eng zusammengewachsen und haben Spaß, wenn wir aufs Eis gehen. Nur das zählt.

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Kapitän Dylan Larkin hat im Sommer seinen Trade-Wunsch hinterlegt.
Foto: ©IMAGO / UPI Photo

LAOLA1: Wie sehr hast du dich damit aus der Ferne auseinandergesetzt?

Kasper: Ich habe versucht, das auszublenden. Man kann diese Dinge nicht beeinflussen. Es geht darum, sich auf sich selbst und seine Teamkollegen zu fokussieren.

LAOLA1: Dylan Larkin hat die Vorbereitung offiziell wegen einer Oberkörperverletzung verpasst und wird auch für die ersten beiden Spiele in der Regular Season ausfallen. Hat sich durch sein Fehlen in der Kabine etwas verändert?

Kasper: Ich würde sagen, dass wir in der Kabine sehr gut miteinander umgehen. Wir supporten sowohl Dylan als auch Simon. Dylan hat in den letzten Tagen bei uns auch mittrainiert. Wir haben einen guten Mix aus älteren und jüngeren Spielern, generell viele junge Spieler im Kader. Wir machen das schon, intern ist alles super.

LAOLA1: Dein Einstiegsvertrag in Detroit läuft nach dieser Saison aus. Ändert sich dadurch etwas an deinem Mindset?

Kasper: Ich glaube nicht. Natürlich ist mir bewusst, dass es mein letztes Vertragsjahr ist. Ich versuche das allerdings auszublenden, nicht zu viel daran zu denken und von Spiel zu Spiel zu schauen. Der Rest kommt, wie er kommt.

LAOLA1: Machst du dir über das Thema Wertschätzung Gedanken, wenn du siehst, wie zäh die Vertragsverhandlungen bei Simon Edvinsson laufen?

Kasper: Wir wollen alle, dass er so schnell wie möglich wieder zurückkommt. Er hat die Vorbereitung (ohne Vertrag, Anm.) mitgemacht - wir hoffen, dass er bald einen Vertrag unterschreibt. Das ist das Einzige, woran ich denke. Den Rest kann man nicht beeinflussen.

Man sollte sich als Spieler darauf fokussieren, was innerhalb des Teams passiert – und nicht darauf, was irgendwo geschrieben wird.

Marco Kasper über Spekulationen unter Fans und Medien

LAOLA1: In der Preseason gibt es traditionell einige Gespräche zwischen Spielern und Trainern bzw. weiteren Verantwortlichen. Was erwartet sich Detroit heuer von dir?

Kasper: So, wie man sich das vorstellt, dass der Trainer oder der General Manager zu einem kommt und sagt: Wir haben die und die Rolle für dich, ist das nicht. Wir hatten ein paar Gespräche, in denen besprochen wurde, wie wir spielen sollen, aber nicht konkret, wo man spielt. Es geht darum, das Spiel durchzuziehen und nicht so viel über andere Sachen nachzudenken, die nicht in unserer Entscheidungsgewalt liegen.

LAOLA1: Welche Rolle willst du in deinem dritten NHL-Jahr im Team konkret einnehmen?

Kasper: Ich will ein Spieler sein, der Tempo reinbringt, viele Zweikämpfe gewinnt. So möchte ich gerne spielen - der Rest ergibt sich von selbst.

LAOLA1: Hast du - bezogen auf deine Rolle - das Gefühl, dass sich allmählich entscheidet, wo deine Zukunft in der NHL liegt?

Kasper: Nein, darum geht es nicht unbedingt – die Rolle kann sich ohnehin schnell ändern. In einem Spiel steht man am Flügel in einer Linie, im nächsten Spiel dann als Center in einer anderen Linie. Deswegen liegt mein Fokus in der Gegenwart und nicht in der Zukunft.

LAOLA1: Vor allem Fans und Medien interpretieren viel in die verschiedensten Linienkonstellationen und -partner hinein. Wenn man liest, dass Marco Kasper in der vierten Linie steht: Wie viel Aussagekraft hat das und wie sehr beschäftigst du dich selbst damit?

Kasper: Ich beschäftige mich nicht damit. Das ist viel externes Gerede. Ich habe nicht einmal Twitter. Die Dinge, die dort geschrieben oder interpretiert werden, wenn ich in der zweiten oder vierten Linie spiele, bekomme ich gar nicht mit. Wir wissen als Team, was wir erreichen und wie wir taktisch und linienmäßig spielen wollen. Das meiste bleibt trotzdem in der Kabine. Man sollte sich als Spieler darauf fokussieren, was innerhalb des Teams passiert – und nicht darauf, was irgendwo geschrieben wird.

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Marco Kasper will mit Detroit endlich die Playoffs erreichen
Foto: ©IMAGO / UPI Photo

LAOLA1: Was man als Mannschaft erreichen will: Was ist das Ziel in dieser Saison? Die Atlantic Division ist extrem ausgeglichen, vergangene Saison sind lediglich 31 Punkte zwischen dem Ersten (Buffalo Sabres, Anm.) und dem Letzten (Toronto Maple Leafs, Anm.) gelegen.

Kasper: Ich erwarte mir, dass wir sehr gutes Eishockey spielen. Natürlich wollen auch wir in die Playoffs kommen, doch gerade in der Atlantic Division versucht jedes Team, noch mehr zu pushen. Das ist auch cool. Es gibt jeden Tag sehr hochwertige Spiele, das ist gut für die Liga und das Eishockey allgemein.

LAOLA1: Wie realistisch sind die Playoffs tatsächlich?

Kasper: Ich glaube an unser Team. Da kommen wir auch wieder zum externen Gerede: Man bekommt natürlich mit, dass viele Leute behaupten, wir hätten gar keine Chance auf die Playoffs. Doch wir glauben daran, die Playoffs endlich zu erreichen.

LAOLA1: Was muss passieren, dass du nach der Saison persönlich eine zufriedene Bilanz ziehen kannst?

Kasper: Wenn ich mein Bestes gebe und zeige, was ich draufhabe, und so spiele, wie ich es mir vornehme, dann bin ich zufrieden. Eine gewisse Anzahl an Scorerpunkten setze ich mir nicht als Ziel.

LAOLA1: Viel Glück für diese Saison - und danke für das Gespräch!

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