Auch wenn die Red Wings erst am Freitag (Heimspiel vs. New York Rangers) in die Saison einsteigen: Bringen die letzten Tage wirklich noch positive Änderungen, wenn diese über den ganzen Sommer ausblieben?
Eines der größten Fragezeichen: Wer soll heuer die Tore schießen? Von den Neuzugängen kann lediglich Winger Viktor Arvidsson bei seinen bisherigen vier NHL-Stationen auf soliden Offensiv-Output zurückblicken. Lucas Raymond und Alex DeBrincat sind noch die größten altbewährten Hoffnungsträger. Es droht die elfte Saison in Folge ohne Playoffs für die einst so stolze Organisation...
Die Rolle von Marco Kasper
Ohne Dylan Larkin (meldete sich im Camp verletzt ab) bzw. einem eventuellen Ersatz ist sie nur sehr schwer vorauszusagen.
Klar ist: Die derzeitige Centerachse mit eben Kasper, Andrew Copp, J. T. Compher und dem aufrückenden Nate Danielson gehört sicher zu den schwächsten der Liga.
Bei Kasper gilt es eines zu berücksichtigen: In seiner erfolgreichen Rookie-Saison scorte er 19 Tore dank eines Shooting Percentages von 13,1 Prozent. Dieser halbierte sich in der letzten Spielzeit auf 6,9 Prozent, seine Torausbeute ebenfalls auf 9.
Welchen Marco Kasper gibt es heuer zu sehen? An seiner Einstellung gibt es nie etwas zu zweifeln, aber kann er sich zahlenmäßig in einer Scoringlinie etablieren?
Großartige Konkurrenz auf der Centerposition hat der Klagenfurter jedenfalls keine zu befürchten, daher sollte er auch in der Mitte und nicht am Flügel bleiben. Er könnte die Saison mit Emmitt Finnie und Arvidsson an seinen Flanken beginnen.
Vancouver Canucks
Das neue GM/Headcoach-Duo – mit Ryan Johnson und Manny Malhotra zwei interne Lösungen – soll den endlich eingestandenen Rebuild fortsetzen. In anderen Worten: Die absehebare Zukunft wird weiter viele Niederlagen und damit verbunden hohe Draft Picks mit sich bringen.
Johnson holte im Sommer mit den Defendern Jamie Oleksiak und Luke Schenn sowie Angreifer Brendan Gallagher drei charakterlich hoch angesehene Routiniers, die am Eis ihre besten Zeiten aber schon hinter sich haben.
Vor allem im Tor (Thatcher Demko beginnt die Saison wieder einmal auf der Injury List) und in der Offensive sieht es zappenduster aus.
Die Rolle von Marco Rossi
Erdrückende Konkurrenz braucht der Vorarlberger nicht zu fürchten, niemand wird ihm im Wege stehen. Elias Pettersson zeigte auch im Camp keine Anzeichen, aus seinem schon lang anhaltenden Leistungstief aufzutauchen.
Er wird zwar weiter als Nr. 1-Center geführt werden, doch Rossi wird vor, neben und hinter ihm genug Chancen bekommen, sein persönliches Punktekonto anzufüttern. Das würde ihm auch in seinem Vertragsjahr (27/28) sehr helfen.
Weitere Center: Max Sasson, Paul Cotter, Aatu Räty und Filip Chytil, der es in der Vorbereitung geschafft hat, sich seine x-te Verletzung in einer Kollision mit einem Referee zuzuziehen. Hinter Pettersson und Rossi herrscht also gähnende Leere nach NHL-Maßstäben.
Mögliche Linemates für Rossi im Auftaktspiel in der Nacht auf Mittwoch gegen die Edmonton Oilers: Brock Boeser, mit dem er schon letzte Saison gute Chemie entwickelte und Liam Öhgren, dem der Wechsel aus Minnesota gutgetan hat.
Montreal Canadiens
Da sieht's natürlich ganz anders aus als für die Red Wings und Canucks.
Das Ziel muss sein, auf der letzten bockstarken Saison aufzubauen (Ende erst im Conference Final), wobei eine Reihe von Weltklasse-Youngstern (Lane Hutson, Cole Caufield, Ivan Demidov, Juraj Slafkovsky) noch viel Potential nach oben hat.
Das geht nicht immer linear von einem Jahr zum anderen, trotzdem verzichtete GM Kent Hughes fast völlig auf Verstärkungen von außen. Einzig Winger Chris Kreider kam von den Anaheim Ducks wegen derer Cap-Probleme. Der einstige Staatsfeind in Montreal (verletzte Stargoalie Carey Price) wird der einzige Neuzugang im Lineup am heutigen Opening Day in Toronto sein.
Ein Fragezeichen: Wer setzt sich im Goalie-Trio um Jakub Dobes, Sam Montembeault und dem aufstrebenden Jacob Fowler durch?
Die Rolle von David Reinbacher
Nachdem Vinzenz Rohrer auf eine Rückkehr nach Laval verzichtete, bleibt David Reinbacher der einzige Österreicher in der Canadiens-Organisation.
Nach der Verletzung von Kaiden Guhle (sollte aber bald wieder fit sein) und einem guten und vor allem verletzungsfreien Camp konnte er sich Chancen ausrechnen, zum Saisonstart zum Kader zu gehören.
Doch die Canadiens-Führung entschloss sich für Adam Engström als siebten Defender, Reinbacher soll den Leader in einer sehr jungen Laval-Defensive geben, ein Recall kann natürlich jederzeit erfolgen. Mit Noah Dobson und Alexandre Carrier stehen nur zwei Rechtsschützen im NHL-Kader, diesen Vorteil hätte er.
Reinbacher, der in knapp einem Monat 22 wird, geht in sein vorletztes Vertragsjahr in Montreal, die heurige Saison ist auch die letzte, in der er ohne Waivers in die AHL geschickt werden kann.
Durch seine zahlreichen Verletzungen kam er bis jetzt nur auf 95 AHL- und 2 NHL-Spiele, weitere Spielpraxis tut ihm sicher besser als der siebte Defender-Spot in der NHL. Gesund in die Saison zu gehen, ist immerhin etwas, was er zuletzt nicht kannte...