Red Wings: Folgen des Zetterberg-Rücktritts

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Henrik Zetterbergs Karriere ist nach mehr als 1000 NHL-Spielen aufgrund von Rückenbeschwerden zu Ende. Grund genug für LAOLA1-Experte Bernd Freimüller einen kleinen Blick zurück auf die außergewöhnliche Karriere des Schweden zu werfen und aufzuzeigen, welche Folgen sein Rücktritt für die Detroit Red Wings und Thomas Vanek hat:

Zetterberg wurde 1999 von den Red Wings gedraftet – an 210. Stelle in der siebten Runde! Hakan Andersson gründete mit diesem und Pavel Datsyuks Pick seinen Ruf als Detroits europäischer Super-Scout.

Doch natürlich war bei diesem Pick (wie bei jedem spätem, der im Laufe der Jahre aufgeht) auch viel Glück dabei, sonst hätte Andersson wohl kaum bis in die siebte Runde gewartet. Das ist keineswegs kritisch gegenüber Andersson gemeint, aber auch ich hätte vier Jahre später bei Tobias Enström nicht bis zur achten Runde zugewartet, wenn ich seine spätere Karriere (über 700 Spiele für Atlanta/Winnipeg) so vorausgesehen hätte.

Hier nur eine Reihe von späteren EBEL-Spielern, die im äußerst dünnen Draft von 1999 VOR Zetterberg gedraftet wurden: Kris Beech, Jamie Lundmark (beide in der ersten Runde), Zdenek Blatny, Kyle Wanvig, Andre Lakos und Gregor Baumgartner (!), Yorick Treille und Layne Ulmer, der von den Ottawa Senators einen Platz vor Zetterberg gezogen wurde.

Obwohl Zetterberg nie der körperlich stärkste oder schnellste Spieler war, dominierte er über Jahre aufgrund seiner Spielintelligenz und Puckabdeckung und war in der Saison 07/08 als Playoff-MVP auch der Schlüsselspieler beim Stanley-Cup-Sieg der Red Wings. Mit den Olympia- und WM-Goldmedaillen 2006 sowie dem Stanley-Cup-Sieg ein Jahr später zog er schon im Alter von 27 Jahren in den Triple-Crown-Club ein.

Rückenprobleme

Zetterbergs Probleme mit dem Rücken, die erstmals 2006 auftraten, wurden bei den Olympischen Spielen 2014 in Sochi so akut, dass er vor Schmerzen nicht einmal mehr sitzen oder liegen konnte. Eine Operation brachte Linderung, aber keine Heilung. In der zweiten Hälfte der letzten Saison konnte er gar nicht mehr trainieren. Trotzdem reichte das in einer weiteren miserablen Spielzeit für die Red Wings mit 68 Punkten noch zum zweiten Platz in der internen Scorerwertung. Er bestritt auch wie in der Saison zuvor alle 82 Spiele. Der mittlerweile 37-jährige verlässt die NHL-Bühne also keineswegs als Mitläufer, hätte den Red Wings auch in der nächsten Saison noch gut getan.

Zurückgetreten oder nicht?

Henrik Zetterberg wird nie mehr professionell Eishockey spielen, das wird auch von niemandem in Frage gestellt. Doch im NHL-Sprachduktus ist und bleibt er noch aktiv, wenngleich auch bis auf weiteres verletzt. Der Grund dafür? Natürlich das liebe Geld und die Regeln des Rahmentarifvertrags CBA…

Zetterberg bekommt nächste Saison noch 3,35 Mio. Dollar ausgezahlt, danach stehen ihm noch zweimal jeweils eine Million für die letzten drei Jahre seines Vertrags zu. Das könnten sich die Red Wings bei einem offiziellen und bei der Liga gemeldeten Rücktritt ersparen, müssten sich dann aber mit einem weit größeren Probleme herumschlagen – dem sogenannten "Cap Recapture".

"Backdiving" soll vermieden werden

Nach heutigen, nach dem Lockout 2012 und dem daraus resultierenden neuen CBA festgelegten Maßstäben, wäre Zetterbergs Vertrag nicht zulässig. 2009 unterschrieben, war er auf 12 Jahre angelegt, würde also im Alter von 41 Jahren enden. Die ersten neun Jahre waren hochdotiert (mindestens sieben Millionen), die letzten drei Jahre eben mit einem abrupten und erheblichen Gehaltsrückgang versehen. "Backdiving" nennt man diese Praktik. Der Grund für diesen inzwischen verbotenen Trick: Der Durchschnittswert, der sogenannte "AAV" ("Average Annual Value"), der ja zur Berechnung des Cap Hits für das jeweilige Team relevant ist, wird damit gedrückt. Sollte ein Spieler dann in einem hohen Alter zurücktreten (wie Zetterberg heuer mit 38), müsste er zwar auf sein Restgehalt verzichten, doch das machte er ja mit entsprechend höheren Zahlungen in den früheren Jahren wett und das war auch Teil des Plans. Das Team hätte sich durch den so erschwindelt niedrigen AAV jährlich einiges an Cap Space erspart.

Das wurde wie erwähnt 2012 unmöglich gemacht, danach abgeschlossene Verträge sind in Länge (höchstens acht Jahre) und Schwankungsbreite (Maximum- und Minimum-Gehalt können sich nie um mehr als 50 % unterscheiden/Keine Schwankungen von Jahr zu Jahr um mehr als 35 %) genau geregelt.

"Cap Recapture" als Folge eines eventuellen Rücktritts

Bei Verträgen wie dem von Zetterberg, die länger als sechs Jahre dauern, bleibt der AAV auch bei vorzeitigem Rücktritt aufrecht. Der Unterschied zwischen dem höheren Cap Hit und AAV wird quasi zuerst auf ein Konto eingezahlt und wird mit den Jahren, wo der Cap Hit dann unter dem AAV liegt, gegenverrechnet. Am Vertragsende ergäbe das eine glatte Null, nicht so aber bei vorzeitigem Rücktritt, wo es zur sogenannten "Cap Recapture" käme. Den Red Wings würde also die Differenz zwischen der Vertragsgesamtsumme und dem AAV auf die von Zetterberg nicht mehr erfüllten Vertragsjahre angerechnet.

Bei einem Rücktritt in diesem Sommer würde der gesamte Cap-Recapture-Betrag knapp 12,9 Millionen betragen. Auf die drei noch offenen Vertragsjahre würden dann jeweils 4,3 Mio. auf Detroits Cap Space aufgeschlagen werden.

Das ist für die Red Wings, die immer am oberen Cap Limit daherrodeln, natürlich keine Option. Ebenfalls durch den CBA ausgeschlossen: Diese Cap Recapture durch einen Trade an ein anderes Team weiterzugeben. Die Arizona Coyotes oder andere Teams ohne Cap-Probleme wären sonst für ein solches Konstrukt sicher ein williger Abnehmer gewesen, hätten sich dieses Entgegenkommen durch junge Spieler oder Draftpicks entlohnen lassen.

"LTIR" als Alternative

Für Zetterbergs Restgehalt gilt jetzt das gleiche Konstrukt wie bei Johan Franzen, der auch nie mehr spielen wird, aber ebenfalls nicht zurückgetreten ist: Die sogenannte "LTIR" ("Long-Term Injured Reserve"), eine Cap-Erleichterung für langzeitverletzte Spieler.

Ohne die – noch viel kompliziertere – Berechnungsweise hier detailliert anführen zu wollen: Teams können das Upper Cap Limit überschreiten, wenn das durch die Gehälter von verletzten Spielern passiert und genau das ist ja bei den Red Wings durch Franzen und Zetterberg gegeben. Der genaue Spielraum, mit dem Red-Wings-GM Ken Holland operieren kann, wird erst mit dem Tag festgelegt, an dem Zetterberg und Franzen auf LTIR gestellt werden. Mit knapp 82,8 Mio. liegen die Red Wings derzeit knapp 3,3 Mio. über dem Upper Cap Limit von 79,5 Mio. – dank LTIR aber eben nur auf dem Papier…

Was bedeutet Henrik Zetterbergs Karriereende für die Red Wings und Thomas Vanek?

Die Red Wings werden vielleicht etwas zu ihrem Glück gezwungen, dem Team endlich etwas frisches Fleisch zuzuführen, auch wenn der Tryout für Journeyman Jussi Jokinen schon wieder Schlimmes erahnen lässt. Im Stürmerbereich sollte sich Evgeny Svechnikov endgültig festsetzen können, nachdem mit Zetterberg ein Center fehlt, könnte der 19-jährige Michael Rasmussen bereits jetzt nachrücken. Dazu kommen noch Tyler Bertuzzi, Dennis Cholowski und Filip Zadina, der am heurigen Drafttag anderen Teams geschworen hat, dass sein Status als Nr.-6-Overall-Pick viel zu niedrig war.

Dylan Larkin sollte als Topcenter gesetzt sein, hinter ihm könnten sich Frans Nielsen und Andreas Athanasiou die Eiszeit in der Mitte aufteilen. Athanasiou gilt auch als wahrscheinlichster Center für Thomas Vanek, die beiden harmonierten schon vor zwei Saisonen sehr gut. Die beiden begannen das Trainingscamp auch in einer Linie. Athanasiou, der sein Talent bis jetzt immer nur aufblitzen ließ, will den Move vom Flügel zum Center mit guter Eiszeit jetzt finalisieren. Mit seinem Speed könnte er Vaneks Geschwindigkeitsdefizite auffangen. Als Dritter im Bunde trainiert derzeit Zadina mit, dessen Sniperqualitäten von Vaneks Pässen natürlich profitieren könnten. Ob diese Linie aber auch defensiv dicht hält?

Für Holland könnte dies auch die letzte Off-Season als Detroit-GM sein. Klublegende Steve Yzerman zog sich gerade als Tampa-Bay-GM zurück, um mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können. Und diese lebt immer noch in und um Detroit


Textquelle: © LAOLA1.at

EBEL: So sah LAOLA1-Scout Bernd Freimüller den Auftakt

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