Wenn ich nicht spiele, würde ich niemanden lieber im Tor haben als meine eigene Schwester. Ich vergönne ihr jeden Erfolg, den sie hat.
Magdalena betont: "Wir wollen beide jedes Spiel spielen, das ist klar. Wir sind sehr ehrgeizig, sonst wären wir nicht da, wo wir gerade sind." Doch eine der Schwestern wird stets zurückstecken müssen. Gerade bei der A-WM-Premiere ist das nicht leicht.
Die 21-Jährige sagt aber: "Wenn ich nicht spiele, würde ich niemanden lieber im Tor haben als meine eigene Schwester. Ich vergönne ihr jeden Erfolg, den sie hat. Da geht mein Herz genauso sehr auf, wie wenn ich selbst spielen würde."
"Bedingungsloser Support" der Eltern
Das gute Verhältnis kommt nicht von ungefähr. Selma und Magdalena sind miteinander aufgewachsen, waren stets gemeinsam unterwegs. Privat ist Eishockey allerdings kein großes Thema, halten beide fest.
Das liegt auch am Elternhaus: "Sie haben keine Ahnung vom Eishockey, kennen die Regeln immer noch nicht", grinst Selma. "Das ist für uns auch ganz angenehm gewesen, dass es zu Hause nicht ums Eishockey geht." Sie schätzen den "bedingungslosen Support", den sie nichtsdestotrotz erfahren haben.
Ihre Eltern hätten damals wohl gar nicht realisiert, wie weit der Eishockeysport ihre Kinder bringen würde. "Ich glaube nicht, dass sie jemals gedacht hätten, dass wir jetzt bei einer Weltmeisterschaft der Top-Division spielen werden", glaubt Magdalena.
Sie fügt schmunzelnd hinzu: "Sonst hätten sie auch versucht, uns ein wenig davon abzubringen, dass wir beide Goalies werden."
Wie beide zu Torfrauen wurden
Die ersten Schritte am Eis machten die Schwestern beim Kleinfeld-Eishockey als Feldspielerinnen. "Auf jeden Fall nicht in der Verteidigung, das merkt man auch, wenn wir den Puck spielen", lacht Magdalena.
Vorreiterin für den Weg ins Tor war dann die ältere Schwester. "Ich bin ins Tor gegangen, weil mein bester Freund auch im Tor war. Das hat mir gefallen, und ich bin dabei geblieben", sagt Selma und fragt "Leni": "Du wolltest dann einfach machen, was ich mache?"
Die US-Legionärin antwortet: "Ich habe es ihr dann einfach nachgemacht, so wie überall im Leben. Irgendwann war es zu spät und ich bin im Tor geblieben."
Zum Eishockey kamen sie durch ihren älteren Bruder Florian, der auch im Nachwuchs der Vienna Capitals gespielt hat. "Er war aber Feldspieler", sagt Magdalena. "Gott sei Dank, unsere Eltern wären bei drei Goalies sonst wohl insolvent geworden."
Gemeinsame Leidenschaft fürs Eishockey
Dass sie den Sport gemeinsam ausüben konnten, war für die Schwestern ein großer Antrieb. "Wir haben es gemeinsam durchgezogen. Meine alte Ausrüstung war daheim, die musstest du dann tragen. Da gab es keine Wahl für die 'Leni'", sagt Selma mit einem Augenzwinkern.
Und wenn der Bruder entschied, dass er eine der Schwestern für ein Training benötigte, dann musste Magdalena in den sauren Apfel beißen. Der Schmäh rennt jedenfalls in der Familie, das ist offensichtlich.
Das hat auch damit zu tun, dass Eishockey ihre Leidenschaft ist. "Es war dann einfach ein Teil des Lebens. Es war immer klar, dass wir nach der Schule zum Training fahren, das war ein Pflichtpunkt. Es hat jeden Tag Spaß gemacht, das machen zu dürfen", so Magdalena.
Durch den Sport wurden Freundschaften fürs Leben geschlossen, Eishockey "mit meinen besten Freundinnen spielen zu können", hat Selma immer schon genossen. "Unsere Eltern haben uns auch an jenen Tagen, an denen es uns nicht so sehr gefreut hat, ins Auto gesetzt", sagt sie.
Es gibt ein Frauen-Nationalteam?
Trotzdem war lange nicht klar, dass aus dem Hobby einmal mehr werden könnte. Das offenbaren die Geschwister in folgendem Dialog:
Selma: "Ich habe nicht gecheckt, dass es ein Frauen-Nationalteam gibt."
Magdalena: "Lange nicht, oder?"
Selma: "Für die längste Zeit nicht."
Magdalena: "Irgendwann sind wir zu einem Nachwuchs-Nationalteam-Camp einberufen worden."
Wenn man eine Frau oder ein Mädchen im Eishockey ist, muss man eine harte Schale und Durchhaltevermögen haben, denn einfach ist es nicht.
Mit 13 Jahren nahm Magdalena an einem Camp teil, bei dem ausgerechnet Nationalteam-Keeper David Kickert einer der Trainer war. Er habe sie gefragt, was ihr Ziel sei. "Ich habe gesagt, ich will so gut sein wie die Selma."
Das sei kein gutes Ziel, erwiderte Kickert, sie müsse sich ein anderes setzen. "Damals dachte ich noch, dass ich in die NHL gehen kann. Als er gesagt hat, das geht nicht, hat er mir das College nahegelegt. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mir noch mehr Mühe gegeben."
Eine harte Schale ist gefragt
Die harte Arbeit hat sich ausgezahlt, doch der Weg ins Nationalteam war gewiss kein leichter und von vielen Vorurteilen geprägt. Vor allem im Nachwuchs, wo Selma und Magdalena oft bei den Burschen mittrainiert und gespielt haben.
Beide versuchten, diverse Vorurteile nicht an sich heranzulassen. "Die sind nicht in meinem Kopf angekommen", meint Selma, "wir haben von unseren Eltern vorgelebt bekommen, dass es keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern gibt."
Magdalena erinnert sich an die U12-Staatsmeisterschaften zurück. "Es haben sich Eltern im Publikum beschwert, weil ein Mädchen im Tor ist." Nicht etwa, weil sie so schlecht war, "sondern weil das gegnerische Team einfach kein Tor schießen konnte".
Selma betont deshalb: "Wenn man eine Frau oder ein Mädchen im Eishockey ist, muss man eine harte Schale und Durchhaltevermögen haben, denn einfach ist es nicht."
Selma und Magdalena Luggin haben sich ihren Platz im Nationalteam erarbeitet, trotz der Vorurteile, mit denen sie bereits im Nachwuchs konfrontiert waren. Dass sie nun gemeinsam bei einer A-WM stehen, ist für beide mehr als ein sportlicher Erfolg.