Interview

ÖEHV-Spielerin Matzka: "Manchmal explodiert einem der Kopf"

Antonia Matzka erklärt vor der historischen Eishockey-WM, wie anspruchsvoll der Spagat zwischen Beruf, Alltag und Eishockey sein kann.

ÖEHV-Spielerin Matzka: "Manchmal explodiert einem der Kopf" Foto: © GEPA

Aufstehen, Krafttraining, Arbeit, Zugfahrt zum Training, Training, Zugfahrt heim, Schlafen gehen - so sieht der gewöhnliche Alltag einer Eishockey-Spielerin in Österreich aus.

Antonia Matzka durchlebt ihn mehrmals die Woche. 16-Stunden-Tage sind eher die Norm, als eine Seltenheit. Nur vom Eishockey kann die 27-Jährige nicht leben. Obwohl sie mit 13 Jahren bereits Erwachsenen-Eishockey gespielt hat. Obwohl sie über 140 Länderspiele für Österreich bestritten hat.

Gefühlt ihr ganzes Leben hat die gebürtige Mödlingerin damit verbracht, Eishockey und Ausbildung bzw. Beruf unter einen Hut zu bringen. "ich fühle mich mental oft ausgelaugt. Manchmal hat man das Gefühl, der Kopf explodiert einem gleich, weil man so viele Dinge gleichzeitig am Laufen halten und organisieren muss", sagt sie im Gespräch mit LAOLA1.

Doch die Leidenschaft und der Spaß am Eishockey, der damit einhergeht, überwiegt beim Spagat zwischen Beruf, Alltag und Eishockey. Besonders dann, wenn Österreichs Frauen ab Freitag zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft der Top-Division teilnehmen.

Davor spricht Matzka ausführlich über die WM, die Unterschiede als Eishockeyspielerin in Österreich und in den USA, wo sie über neun Jahre verbracht hat und wie es um das Verhältnis zwischen dem Nationalteam und dem Verband steht.

LAOLA1: Österreich startet am Freitag gegen Tschechien erstmals in der Verbandsgeschichte in die Frauen-WM der Top-Division. Wie sehr kribbelt es bereits bei dir und im Team?

Antonia Matzka: Die Aufregung und die Vorfreude sind mittlerweile sehr groß. Wir hatten ein super Vorbereitungscamp in Villach, haben diese Tage auch sicher gebraucht. Es war auch angenehm, noch in Österreich zu sein. Doch jetzt sind wir alle bereit, wir fühlen uns gut vorbereitet.

LAOLA1: Ihr habt das Trainingscamp im neuen Bundesleistungszentrum für Frauen-Eishockey in Villach absolviert. Welchen Eindruck habt ihr davon gewonnen?

Matzka: Es ist toll. Die Infrastruktur ist erstklassig, es fehlt uns an gar nichts. Wir haben auch ein Riesenglück, im ersten Stock waren der gesamte Kabinengang und alle Umkleiden nur für uns. Es ist also mehr als genug Platz. Die Kraftkammer ist super, darauf legen wir auch viel Wert, damit wir uns auf jedes Training, Match und jede Krafteinheit, die wir bei so einem Vorbereitungscamp haben, bestmöglich vorbereiten können. Das ist alles gegeben. Als erstes Team mehrere Räumlichkeiten nutzen zu dürfen, ist eine große Ehre und fühlt sich besonders an. Eine bessere Vorbereitungsstätte hätte es für uns nicht geben können.

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Wie bei allen Frauen geht es auch bei Matzka nicht ohne Gitter.
Foto: ©GEPA

LAOLA1: Am Montag wurde ein Testspiel gegen die U18- bzw. U20-Mannschaft des VSV bestritten. Wie wichtig war es, doch noch ein Testspiel vor der WM bestreiten zu können, und welche Erkenntnisse habt ihr daraus gezogen?

Matzka: Es war extrem wichtig, dass wir noch in echte Spielsituationen kommen. Obwohl wir nicht gegen eine andere Nation oder ein Frauen-Nationalteam gespielt haben, war der Test extrem wertvoll. Das waren U18- und U20-Spieler des VSV, da ist körperlich schon ein Unterschied zu uns vorhanden, den werden wir allerdings auch bei der WM wahrscheinlich spüren werden. In dieser Hinsicht war es ebenfalls eine sehr gute Vorbereitung für uns. Insgesamt hat uns das Spiel auch Selbstvertrauen gegeben.

LAOLA1: Warum?

Matzka: Weil man nicht weiß, womit man rechnen kann, wenn man gegen 18-, 19-jährige Burschen spielt. Ich habe das letzte Mal vor vielen Jahren gegen so eine Mannschaft gespielt, aber bei der WM wird es ähnlich sein. Es ist über acht Jahre her, dass wir gegen Tschechien gespielt haben. Gegen Deutschland haben wir die letzten Jahre schon ein paar Mal gespielt, aber sonst können wir uns nur vorstellen, was uns erwarten wird, wissen es aber nicht genau. Und so war es in dem Testspiel auch. Ich glaube, dass wir uns selbst überrschen und mit einem physisch betonten Spielstil mit schnellen Spielern bzw. Spielerinnen mithalten können. Wir konnten alle Selbstvertrauen in uns selbst, aber auch in die gesamte Mannschaft und in das System, das wir trainiert haben und spielen werden, gewinnen.

Wenn man auf die Weltrangliste schaut, ist Deutschland sicher das Team, das es zu schlagen gilt. Unserer Einschätzung nach sind wir an ihnen am nächsten dran und wollen in diesem Spiel definitiv Punkte holen.

Antonia Matzka

LAOLA1: Inwiefern könnt ihr euch selbst überraschen?

Matzka: Wir hatten die letzten eineinhalb Jahre Zeit, um über ein Duell gegen die USA, Tschechien oder die Schweiz nachzudenken. Ich will nicht sagen, dass wir Selbstzweifel haben, aber der Respekt ist so groß, dass man sich vielleicht selbst unterschätzt, den Gegner in den Vordergrund stellt und darauf vergisst, was wir eigentlich können. Wir konnten uns im Testspiel selbst nochmal beweisen, dass wir bei der WM nicht nur verteidigen müssen, sondern auch selbst etwas kreieren können, die Scheibe haben und zu unseren Chancen kommen werden.

LAOLA1: Olympiasieger und Weltmeister USA steht in der Gruppe über allen anderen Nationen. Darf man sich dafür gegen Deutschland, Tschechien oder die Schweiz etwas ausrechnen?

Matzka: Wenn man auf die Weltrangliste schaut, ist Deutschland sicher das Team, das es zu schlagen gilt. Unserer Einschätzung nach sind wir an ihnen am nächsten dran und wollen in diesem Spiel definitiv Punkte holen. Tschechien und die Schweiz waren in den letzten Jahren extrem stark. Die Schweiz hat bei Olympia Bronze gewonnen, Tschechien wurde bei Weltmeisterschaften in den letzten Jahren mehrmals Dritter. Trotzdem gehen wir in keines dieser Duelle und erwarten uns eine klare Niederlage. Wir gehen mit der Einstellung rein, dass wir Punkte holen könnten und wollen.

LAOLA1: Österreich ist der Underdog in dieser Gruppe. Ist es womöglich ein Vorteil, dass vor allem Tschechien und die Schweiz mitunter gar keine Referenzpunkte mit euch haben und dementsprechend unterschätzen könnten?

Matzka: Ich denke schon, dass wir als Underdog in die Spiele gehen können. Das ist auch eine Rolle, in der man sich gerne wähnt. Man weiß, dass man nichts zu verlieren hat und der Druck sowie die Erwartung zu gewinnen, liegt bei den Gegnerinnen. Der Papierform nach sollten uns die vier Teams schlagen. Wir glauben aber, dass es nicht so sein wird. Wir hoffen, überraschen zu können.

LAOLA1: Weißt du, deine wievielte WM es sein wird?

Matzka: Ich habe letztens nachgerechnet, es sollte meine zehnte WM sein.

LAOLA1: Genau! Gibt es etwas Schöneres, als das Jubiläum auf der größtmöglichen WM-Bühne feiern zu dürfen?

Matzka: Nein, das ist sehr cool!

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Antonia Matzka bei einem Länderspiel im Dezember 2015 - damals war sie 16 Jahre alt.
Foto: ©GEPA

LAOLA1: Schon mit 13 Jahren hast du bei den Sabres Wien Erwachsenen-Eishockey gespielt. Deine Teamkolleginnen waren damals u.a. Esther Väärälä, Anna Meixner und Janine Weber. Warst du dir der Strahlkraft dieser Spielerinnen damals überhaupt bewusst?

Matzka: Es war total prägend, in so einem jungen Alter mit solchen Namen im österreichischen Frauen-Eishockey zusammenspielen zu dürfen. Ich rede immer wieder darüber: Ich hatte so ein Glück, wie ich von diesen Spielerinnen aufgenommen und gefördert wurde. Ich denke echt oft daran zurück, dass es für mich das Allergrößte und Tollste war, zu den Trainings gehen zu dürfen. Das war unvergleichlich. Wenn ich über Eishockey nachdenke, wie viel Spaß mir dieser Sport macht und wie viel Leidenschaft dahinter steckt, denke ich gerne an diese Zeit zurück. Ich hätte mir keine besseren Vorbilder wünschen können. Sie sind so tolle Spielerinnen, aber auch Persönlichkeiten, wo man gemerkt hat, dass sie Talent erkennen und fördern wollen. Ich hatte ein großes Glück, in diesem Umfeld groß geworden zu sein.

LAOLA1: Wie haben deine Eltern darauf reagiert, dass du in diesem jungen Alter schon bei Erwachsenen spielen durftest?

Matzka: Sie haben ganz gut darauf reagiert. Sie waren stets sehr unterstützend, haben sich aber nie groß involviert und die Entscheidungen mir überlassen, ob es das Richtige für mich ist oder nicht. Sie haben aber gesehen, dass es das absolut Richtige für mich ist, ich mich auf jedes Training sehr freue und strahlend nach Hause komme. Das einzig Schwierige war, dass die Trainings oft um 21 Uhr abends waren, ich erst nach 23 Uhr heimgekommen bin und am nächsten Tag wieder in die Schule gehen musste.

LAOLA1: War es schwierig, das Sportlerinnen-Leben mit der Schule zu vereinen?

Matzka: Definitiv! Deshalb habe ich mit 15 die Entscheidung getroffen, in die USA zu gehen. Ich bin auf eine Boarding School mit Internat und Eishockeyhalle am Campus gewechselt. Einerseits mit dem Ziel, ein Stipendium auf einem College zu bekommen und von Trainer:innen gesehen zu werden, um einen Platz zu bekommen. Andererseits auch, weil die Trainings- und Rahmenbedingungen in Österreich nicht förderlich für die Vereinbarkeit von Training und Ausbildung sind. Es ist schon oft passiert, dass ich zu müde war, um für die erste Stunde in die Schule zu gehen. Meine Eltern haben mich dann auch eine Stunde länger schlafen gelassen. Doch es ist auch nicht richtig, dass man die Ausbildung und Schule schleifen lässt. Das war auf jeden Fall ein Faktor in meinem Werdegang und bei meiner Entscheidung, in die USA zu gehen.

Den Vergleich, den ich den USA bekommen habe, wie man Sport und Studium bzw. Schule vereinen kann - da ist Österreich noch sehr weit hinterher. Österreich ist aber auch kein Sportland.

Antonia Matzka

LAOLA1: Würdest du sagen, dass es heute immer noch so schwierig ist?

Matzka: Auf jeden Fall. Meine Mitspielerinnen und alle Frauen, die noch in die Schule gehen, studieren und Eishockey auf diesem Level spielen, kriegen das gut hin, weil sie gelernt haben, selbst so gut organisiert zu sein und den Tag durchzutakten. Manchmal blickt man darauf zurück und denkt sich: Ich kann nicht glauben, dass ich das heute alles gemacht und unter einen Hut gebracht habe. Den Vergleich, den ich den USA bekommen habe, wie man Sport und Studium bzw. Schule vereinen kann - da ist Österreich noch sehr weit hinterher. Österreich ist aber auch kein Sportland. Wenn ich zu meinem Uni-Professor in Wien hingehe und sage, dass ich jetzt drei Wochen nicht bei den Vorlesungen bin und Prüfungen verschieben muss, weil ich mit dem österreichischen Eishockey-Nationalteam bei der WM spiele, weiß ich nicht, auf wie viel Verständnis ich stoße. In den USA war es selbstverständlich, dass das eine große Chance ist und es eine andere, wirklich wichtige Sache in deinem Leben gibt. Dort sind sie einem entgegengekommen, damit man beides so gut wie möglich machen kann. Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich das in den USA durchziehen konnte.

LAOLA1: In den USA zu sehen, dass Sport und Schule bzw. Studium sehr wohl miteinander vereinbar ist, war also ein Kulturschock der positiven Art.

Matzka: Absolut! Ich war sehr positiv gestimmt, als ich gesehen habe, dass man am Vormittag in die Schule gehen und fünf Minuten weiter zum Training in der Eishalle sein kann. Ich bin in Österreich bis zur ersten Klasse Oberstufe in ein Sportgymnasium gegangen, doch der Name war eigentlich irreführend. Es hat mir immer nur Probleme gemacht, wenn ich fürs Eishockey Sportstunden oder den Nachmittagsunterricht verpasst habe. Es war definitiv keine Schule für Leistungssportlerinnen. Mir wurde einmal gesagt, dass ich ins Freifach Geräteturnen statt zum Eishockey gehen solle, weil Geräteturnen nicht meine Stärke war. Da hat Österreich definitiv noch Aufholbedarf.

LAOLA1: Du hast insgesamt neun Jahre in den USA verbracht. Für das College of the Holy Cross und die University of Vermont bist du fünf Jahre aufgelaufen, am Schluss deiner Zeit hast du sogar ein Jahr in der PHF, dem Vorgänger der aktuellen PWHL, für Buffalo gespielt. Wie hat dich diese Zeit geprägt?

Matzka: Sie hat mich extrem geprägt. Ich bin selbstständig und unabhängig geworden. Nicht nur von meinen Eltern, sondern auch in den Entscheidungen, die ich treffe. In meiner Selbstsicherheit und den Weg, den ich gehe. Ich habe dort gelernt, früh für mich selbst Verantwortung zu übernehmen. Diese Selbstentwicklung habe ich von dort extrem mitgenommen, ich habe überhaupt ganz tolle Erfahrungen gemacht. Egal ob auf der Highschool, auf den beiden Colleges oder in meinem letzten Jahr in den USA in der PHF. Überall hatte ich ein tolles Support-Netzwerk, wurde wirklich gut aufgenommen. Nicht nur von den Eishockey-Mannschaften sondern auch bei meinen Mitmenschen außerhalb des Eishockeys habe ich mich sofort wohl gefühlt. Diese Willkommenskultur in den USA schätze ich noch immer. Die Erfahrung war sehr positiv, und ich fliege nach wie vor jeden Sommer in die USA, um diese Beziehungen zu erhalten, weil sie wirklich wertvoll waren.

Ich bin aufgewacht und hatte keinen Job, keinen Lebensmittelpunkt mehr, der zu diesem Zeitpunkt die USA war.

Über Nacht wurde die PHF aufgelöst, damit war Matzkas neuer Vertrag in Buffalo nichtig.

LAOLA1: 2023 ist es für dich nach Österreich zurückgegangen. Warum hast du dich für die Rückkehr in die Heimat entschieden und bist nicht weiter im Ausland geblieben?

Matzka: Das war eine wilde Story. In der PHF hatte ich im Frühjahr 2023 einen Vertrag für ein weiteres Jahr in Buffalo unterschrieben. Im Sommer war ich zuhause in Österreich, und irgendwann im Juni oder Juli ist in der Nacht rausgekommen, dass es die Liga nicht mehr geben wird und alle Verträge aufgelöst werden. Ich bin aufgewacht und hatte keinen Job, keinen Lebensmittelpunkt mehr, der zu diesem Zeitpunkt die USA war. Ich hatte dort eine Wohnung, wo auch meine ganzen Sachen waren, in die ich nach dem Sommer wieder zurückziehen wollte. Es hat dann geheißen, dass es eine neue Liga in den USA geben würde, aber es waren so wenige Informationen vorhanden. Es war bekannt, dass die Liga im Jänner 2024 starten, im November 2023 Tryouts geben wird. Das war mir ein zu langer Weg, der mit zu vielen Unsicherheiten verbunden war. Ich wollte mein Leben so schnell wie möglich auf die Reihe bekommen und eine Entscheidung treffen.

LAOLA1: Wie ging es dann weiter?

Matzka: Es ging dann recht schnell und schmerzlos, dass ich mich für Wien entschieden habe. Ich wohne und lebe extrem gerne in Wien, habe die Stadt im Sommer immer geliebt und war in den letzten Jahren in den USA schon hin und her gezogen. Ich hätte mir beides vorstellen können: Das Leben in den USA, aber auch das Leben in Wien. Ich habe auch gewusst, dass ich nicht in Schweden oder der Schweiz nach einem Platz suchen will, weil mir dieses ewige Leben aus dem Koffer auch zu viel war. Ich habe gewusst, dass ich meinen Lebensmittelpunkt wieder nach Wien übersiedeln will. Zu diesem Zeitpunkt sind auch die Sabres St. Pölten neu aufgebaut worden und habe das als Chance gesehen, ein Teil dieses Wiederaufbauprozesses zu sein und diesen Full-Circle-Moment, wieder zu den Sabres zurückzukommen, zu vollziehen.

"Guten Morgen, du bist arbeitslos."

Schrieb Matzkas beste Freundin

LAOLA1: Welches Gefühl hat dich, als du die Nachrichten von der Liga-Auflösung gelesen hast, zuerst beschlichen – war es Enttäuschung, Wut oder die Angst davor, dass die eigene Existenz bedroht ist?

Matzka: Diese Existenz-Ängste waren gleich mal da. Meine beste Freundin, mit der ich auch in Buffalo gespielt habe, hat mir dann geschrieben: "Guten Morgen, du bist arbeitslos." Man hat seinen Job verloren. Und das Erste, woran ich gedacht habe, war: Wie verdiene ich jetzt mein Geld? Dann kam recht schnell Traurigkeit dazu, weil ich gewusst habe, dass ich jetzt eine große Entscheidung treffen muss. Mein Leben in den USA, das ich sehr gern hatte, wird es in dieser Form nicht mehr geben. Es hat mich sehr traurig gemacht, dass ein nächstes Kapitel kommen wird. Ich war mir sicher, dass ich es gut hinbekommen werde und es passen wird. Ich habe mich auch auf ein Leben in Wien gefreut, doch ich vermisse die USA noch immer. Es war nicht einfach, dieses Leben hinter mir zu lassen.

LAOLA1: Wie glücklich warst du in diesem Moment trotzdem auch, dass du in den USA ein Studium abgeschlossen hast, dass dir die Jobsuche in Wien erleichtert hat, und du nicht völlig von Null anfangen musstest?

Matzka: Das ist extrem wichtig und gibt uns allen für exakt solche Fälle sehr viel Sicherheit und Vertrauen in uns selbst. Was ich außerdem ganz wichtig finde: Wir Frauen, die alle eine Ausbildung machen und sich auf das berufliche Leben vorbereiten, wissen bereits, was uns interessiert und was wir machen wollen. Ich glaube, dass es schwierig ist, wenn man nie in die Situation kommt, gleichzeitig Eishockey zu spielen und eine Ausbildung zu machen, weil man ab 18 Jahren Profi ist, die Matura macht und nur mehr Eishockey spielt. Man weiß dann vielleicht gar nicht, was einen überhaupt interessiert. Zu wissen, in welche Richtung ich gehen will, hat mir Sicherheit gegeben. Ich habe mir selbst zugetraut, dass ich ins Berufsleben einsteigen kann.

LAOLA1: Demnach hat diese negative Seite, dass man Beruf und Sport vereinen muss, genauso auch etwas Positives, weil man sich früh ein Standbein aufbauen und auch experimentieren kann, was einem überhaupt gefällt?

Matzka: Auf jeden Fall. Der Beruf ist für mich auch eine gute Ablenkung. Es ist auch angenehm, dass mein Selbstwert nicht nur vom Eishockey abhängig ist. Wenn es im Eishockey einmal nicht so gut läuft, dann haue ich in der Arbeit voll rein und kann dort Erfolgserlebnisse feiern. Es tut einem persönlich gut, wenn man zwei verschiedene Bereiche hat, in denen man sich messen kann. Die Vereinbarkeit von Beruf und Sport wird nur dann schwierig, wenn man mehrmals die Woche 16-Stunden-Tage hat, erschöpft ist und zu viel Arbeit in diese Vereinbarkeit reinstecken muss, damit man sein Leben managt. Prinzipiell bin ich aber nicht unfroh, dass ich gleichzeitig arbeite und Eishockey spiele.

LAOLA1: Ist es phasenweise schwierig, die Motivation aufrechtzuerhalten?

Matzka: Die Motivation ist schon da, weil ich extrem gerne Eishockey spiele und etwas mit den Leuten, mit denen ich es tun darf, mache. Das betrifft sowohl das Nationalteam als auch die Sabres. Ich schätze die Zeit mit meinen Teamkolleginnen extrem, und das motiviert mich auch. Doch ich fühle mich mental oft ausgelaugt. Gar nicht, weil ich körperlich so erschöpft bin, aber es fließt so viel Organisation und Logistik rein. Manchmal hat man das Gefühl, der Kopf explodiert einem gleich, weil man so viele Dinge gleichzeitig am Laufen halten und organisieren muss. Jetzt sind wir drei Wochen beim Nationalteam und freuen uns, dass wir nicht ums Essen kümmern müssen. Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, was ich für die Zugfahrt zum vierten Mal in dieser Woche als Abendessen im Tupperware mitnehme. Es dreht sich ständig darum, wie ich mein Leben bestmöglich organisieren kann. Es ist angenehm, davon einmal eine Auszeit zu haben.

Wir befinden uns definitiv in diesem Prozess, der auch noch seine Zeit dauern wird. Wir spüren den Willen von Verbandsseite.

Matzka über das Vertrauen des Nationalteams zum Verband

LAOLA1: Kommen wir abschließend noch auf den Streit zwischen dem Nationalteam und dem Verband zu sprechen. Du hast bei deinem Auftritt in der ZIB2 gesagt, dass das Vertrauen zum Verband wiederhergestellt werden müsse. Ist es dazu schon gekommen?

Matzka: Wir befinden uns definitiv in diesem Prozess, der auch noch seine Zeit dauern wird. Wir spüren den Willen von Verbandsseite. Die letzten beiden Camps zeigen, dass es in die richtige Richtung geht, wir gehört wurden und wirkliche Verbesserungen passiert sind - und noch passieren werden. Es fühlt sich jetzt an, als würde man zusammenarbeiten, wir Spielerinnen auch mit eingebunden werden, wie man das Frauen-Eishockey in Österreich verbessern kann.

LAOLA1: Du hast in einem Podcast erzählt, dass du vor deinem ZIB2-Auftritt eventuell noch ein Bier hattest. Stimmt das?

Matzka: (lacht) Ja, das eine Bier habe ich genossen und war auch ganz wichtig. Sobald ich dann im Studio war, hatte ich das aber schon wieder ganz vergessen. Dann war es nur mehr Aufregung und Nervosität.

LAOLA1: Danke für das Gespräch und viel Glück bei der Weltmeisterschaft!

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