Hintergrund

Vinzenz Rohrer: Wie ihn der Wechsel nach Zug verändert hat

Sein Transfer sorgte für viele Schlagzeilen, die ihn nicht kaltgelassen haben. Warum die Entscheidung trotzdem goldrichtig war und ob der NHL-Traum noch lebt.

Vinzenz Rohrer: Wie ihn der Wechsel nach Zug verändert hat Foto: © IMAGO / Maximilian Koch

Im Sommer hat Vinzenz Rohrer mit seinem Wechsel zum EV Zug für viel Aufsehen gesorgt.

Einerseits hat der 22-jährige Vorarlberger bewusst auf die Camps in Montreal verzichtet. Andererseits kehrte der Rankweiler nicht nach Zürich zurück, wo er mehrere Jahre seine Nachwuchsausbildung absolviert und seine ersten Profijahre verbracht hatte.

Bislang scheinen seine Entscheidungen goldrichtig gewesen zu sein. 16 Scorerpunkte, je acht Tore und Assists, in 13 Spielen machen ihn zum Zuger Topscorer, noch vor den ehemaligen NHL-Spielern Gregory Hofmann, Dominik Kubalik und Tomas Tatar.

"Ich fühle mich mega wohl in der Mannschaft, das war mir von Anfang an sehr wichtig. Am Eis läuft es gut, ich bin sehr happy dort zu sein", sagt Rohrer im LAOLA1-Interview.

Schwierige Saison in Zürich

Im rund zehnminütigen Gespräch in Düsseldorf, dort nimmt er mit Österreich aktuell am Deutschland-Cup teil, wirkt der ÖEHV-Stürmer aufgeräumter als je zuvor. In der vergangenen Saison hatte der Vorarlberger deutlich mehr mit sich und seiner Rolle zu kämpfen.

Ende September 2025 nahm er am Training Camp der Canadiens teil und hinterließ einen guten Eindruck, musste aber überraschend früh nach Zürich zurückkehren.

Zwar sagte Rohrer damals, nicht "übermäßig traurig" über seine Rückkehr zu den Lions zu sein, doch hatte er in den folgenden Monaten viel zu hadern. Der 22-Jährige konnte nicht annähernd an die Saison 2024/25 anknüpfen, scorte nur mehr 13 statt 32 Mal.

Das, was ich dort (in Zug, Anm.) spielen darf, ist nicht selbstverständlich und war in Zürich nicht der Fall.

Vinzenz Rohrer

Auch seine Rolle in der Mannschaft hatte sich verändert. Im Powerplay kam er kaum noch zum Einsatz, seine Eiszeit in Unterzahl ging ebenfalls zurück. Und die Aussichten auf einen Top-6-Platz im Angriff waren kaum gegeben.

Größere Rolle in Zug

Ein Wechsel war nötig. Dass er sich für Zug entschied, hat sich bislang voll ausgezahlt.

Rohrer steht pro Spiel über 17 Minuten am Eis, ist ein elementarer Teil der Offensive und erhält sowohl in den Special Teams als auch in sämtlichen Spielsituationen Verantwortung.

Das Vertrauen zeigt sich nicht nur in den Zahlen. Auch sein Spiel wirkt leichtfüßiger und effizienter. "Es ist sicher eine andere Rolle in Zug", führt Rohrer es darauf zurück. "Das, was ich dort spielen darf, ist nicht selbstverständlich und war in Zürich nicht der Fall."

Eishockey sei ein Spiel des Kopfes. "Wenn man Selbstvertrauen kriegt, dann gehen viele Sachen auf. Ich kann es sehr schätzen, dass ich in Zug bin", ist der Nationalteam-Stürmer sichtlich glücklich.

Warum Zug die bessere Perspektive bot

Warum es in Zürich schwierig war, diese Chancen zu erhalten, ist schnell erklärt: "Weil sie u.a. mit Andrighetto und Malgin immer sehr stark besetzt sind."

test
Vinzenz Rohrer hat in Zug voll eingeschlagen.
Foto: ©IMAGO / Just Pictures

Auch Zug verfügt über prominente Namen. Beim dreifachen Schweizer Meister war die Chance auf mehr Eiszeit für Rohrer aber größer, sofern er seine Leistung bringt. Und das tut er.

"Bis jetzt kann ich recht viel von dem, was ich habe, rüberbringen und mache einen guten Job. Das war einer der größten Gründe, warum ich nach Zug gegangen bin. Diese Positionen zu spielen und mich weiterzuentwickeln hat mich extrem gereizt", erklärt er.

Mit 22 das "A" auf der Brust

Zudem wurde der Flügelstürmer in die Leadership-Gruppe aufgenommen, gehört zu den Assistenzkapitänen.

"Das bedeutet mir viel", sagt er stolz und meint ehrlich: "Anfangs war es überraschend, etwas überwältigend. Ich bin doch erst 22, einer der jungen Spieler der Mannschaft, und dann bei den Leadership-Meetings dabei zu sein - das ist sicher auch ein Lernprozess."

Besonders wichtig sei die Kommunikation innerhalb des Teams gewesen, darüber, wie Rohrer diese Rolle ausüben würde. "Ich kann meinen Input geben, der auch geschätzt wird. Ich habe mittlerweile das Vertrauen zurückbekommen, dass es okay ist. Es ist eine coole Position."

Rohrer räumt mit Gerüchten auf

Doch der Transfer nach Zug hatte auch seine Schattenseiten.

Ein paar Sachen haben mich schon verwirrt, das tun sie noch immer.

Rohrer über die vielen Gerüchte im Sommer

Die Schweizer Medien machten daraus eine große Nummer, schrieben von einem "fürstlichen Gehalt", das Rohrer in Zug künftig beziehen sollte. Zuvor war von weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit dem HC Davos die Rede.

Der neue Zuger Sportchef Ted Suihkonen soll Rohrer zudem eigens in dessen Heimat besucht haben. "Nein, das stimmt nicht", dementiert er dieses Gerücht entschieden. "Das war, wie so Vieles im Sommer, eine Ente."

Berichte ließen Rohrer nicht kalt

Noch nie hatte Rohrer in der Schweiz derart viele Schlagzeilen produziert. "Damit richtig umzugehen, war sicher ein Lernprozess", gesteht er.

Die Berichte haben ihn nicht kaltgelassen. "Dann stellt man sich selbst die Frage: Wie gehe ich damit um? Viele Dinge kann man nicht kontrollieren. Ein paar Sachen haben mich schon verwirrt, das tun sie noch immer."

Der Flügelstürmer will daraus die richtigen Lehren ziehen. "Ich habe sicher neue Sachen dazugelernt. Das kann man natürlich auch positiv sehen."

Lebt der NHL-Traum noch?

Und dann wäre da noch das Thema NHL. Lebt der Traum noch?

"Darüber drehen sich viele Gedanken in meinem Kopf, vor allem über den Sommer. Jetzt spiele ich einmal eine Saison in Zug, dann schaue ich weiter", lässt sich der Vorarlberger nicht in die Karten blicken.

Ich bin neben dem Eis momentan echt gut drauf und habe eine große Neugier und Motivation, besser zu werden.

Vinzenz Rohrer

Der Kontakt nach Montreal besteht, immer wieder werden Telefonate geführt. Sein Einstiegsvertrag bei den Canadiens ist bis 2028 gültig, im Frühjahr absolvierte Rohrer beim AHL-Farmteam Laval Rocket seine ersten Einsätze in Nordamerika.

"Komplett abgehakt" sei der Traum nicht, lässt sich der Flügelstürmer dann doch entlocken.

Neugier, Motivation und ein Wunsch

Sein Fokus liegt aber längst im Hier und Jetzt. Dort, wo Rohrer die Dinge selbst kontrollieren kann und sich aktuell sehr wohl fühlt. "Ich bin neben dem Eis momentan echt gut drauf und habe eine große Neugier und Motivation, besser zu werden."

Er hofft, am Saisonende "immer noch so neugierig" zu sein. Dieses Gefühl ist ihm sehr wichtig. "Wenn ich das länger durchziehen kann, ist das sehr schön. Ich wünsche mir, dass das Gefühl am Ende der Saison immer noch anhält."

Der Rest wird sich zeigen.

Alle Österreicher, die im NHL-Draft gepickt wurden

Kommentare