Youngsters rocken das A-Team

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ÖEHV: Youngsters rocken das A-Team

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Knapp zwei Monate nach dem schwachen Auftreten bei der Olympia-Quali in Riga kann sich Österreichs Eishockey-Nationalteam etwas rehabilitieren: Beim Turnier in Budapest vom 3. bis 6. November präsentiert sich allerdings auf und neben dem Eis eine fast neue Belegschaft.

Roger Bader folgte nach der verpassten Olympia-Quali auf Alpo Suhonen und hat nun das Schild des Interimscoaches umhängen. Zwei Turniere, zwei Trainer – selbst für Außenstehende, die Riga nicht verfolgt haben, deutet das schon auf keine gelungene Personalplanung hin. Neo-Präsident Gernot Mittendorfer muss sich sicher anlasten lassen, dass er die Suche nach einem Nachfolger für Dan Ratushny im Sommer in die Hände von Alpo Suhonen legte.

Das Hauptproblem dabei: Der Finne wollte im Alter von 68 Jahren noch einmal selbst coachen und präsentierte sich daher selbst als Ideallösung. Der Auftritt in Lettland und die Reaktionen aus Spielerkreisen schwappten dann nicht nur Suhonen wieder aus dem Traineramt, sondern ließen auch seine Chancen auf eine Weiterbeschäftigung als Sportdirektor im kommenden Sommer auf den Nullpunkt sinken.

Versäumnisse im Sommer

Was im Sommer versäumt wurde, gelang dem ÖEHV dann auch nach Riga nicht: Einen Teamchef zu finden, der die engen Parameter für diesen Job erfüllt – deutschsprachig, kennt die Liga und gibt wenigstens etwas Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Unter Zeitdruck verfiel man aufs Naheliegendste und eine Lösung, die wohl schon für Riga Sinn gemacht hätte: U20-Nationalcoach Roger Bader übernimmt vorerst einmal für Budapest.


Ob sich das Personalrad dann weiter dreht, Bader bleibt, ein weiterer Coach nur für heuer oder schon saisonübergreifend kommt, sollte spätestens bei der Präsidiumssitzung am 23. November entschieden werden. Aber auch hier könnte der ÖEHV erfahren, was Vereine schon lange wissen: Das im Sommer Versäumte ist während der Saison nur schwer nachzuholen.

Ein Ruhmesblatt für die neue ÖEHV-Führungsspitze war die bisherige Trainersuche sicher nicht, aber die Lösung mit Bader hat trotz dessen überschaubarer Vita im Seniorenbereich sicherlich ihren Charme. Der 52-jährige Schweizer kann auf gute Arbeit mit dem U20-Nationalteam zurückblicken, der zweite Platz bei der letztjährigen Heim-WM in Wien war das beste Ergebnis eines Nachwuchsteams seit langem.

Viele Youngsters im A-Team

Er profitierte hier natürlich von den beiden guten Jahrgängen 1996 und 1997. Nur konsequent, dass Bader mit Erik Kirchschläger (Linz), Mario Huber (Innsbruck), Daniel Jakubitzka (Salzburg, alle 1996), Bernd Wolf (Langenthal), Lukas Haudum (Malmö, alle 1997) gleich fünf Mitglieder des Silber-Teams von Wien nominierte. Christof Kromp (VSV, 1997) und Dominique Hackl (Capitals, 1996), wie Jakubitzka nachnominiert, versäumten damals die WM wegen einer Verletzung, Letzterer bekam zuletzt regelmäßige Eiszeit bei den Capitals.

Logische Konsequenz: Das Team ist mit einem Schnitt von knapp 23 Jahren so jung wie nie zuvor und sollte Baders Erwartungen daher mit Leben erfüllen können: „Die Spieler sollen frisch von der Leber weg spielen, schnell, frech und mit Leidenschaft auftreten.“ Mit Italien und Südkorea stehen einmal zwei alte Bekannte als Gegner an. Es wird interessant sein, wie sehr etwa talentierte Defender wie Wolf, Hackl und Jakubitzka schon Akzente setzen können oder ob ihre körperlichen Defizite hier schlagend werden. Nur: Jung ist im Spitzensport noch lange kein Synonym für Erfolg. Beweis dafür: Die Slowenen konnten im September mit all ihren alten Krachern die zweite Olympia-Qualifikation in Folge feiern.

Bader reist mit fünf Blöcken und drei Torhütern (teilen sich die Spiele auf) nach Budapest, alle Skater sollen auf mindestens zwei Spiele kommen. Ein Blick auf den Kader legt aber natürlich auch wieder die Frage nahe, wer denn für Österreich scoren soll. Bei der B-WM sowie vor und in Riga reichte es gerade für 18 Tore in elf Spielen.

Deshalb bleiben Routiniers zu Hause

Bader zeigt sich an solchen Zahlenspielen wenig interessiert: „Ich habe die Vergangenheit einmal ausgeklammert und den Spielern klargemacht, dass jeder seine Chance bekommt. Ich setze jedenfalls auf schnelles und druckvolles Eishockey“. Neben den Youngsters noch die interessanteste Personalie: Angreifer Patrick Obrist gibt nach Jahren sein Nationalteam-Comeback. Der ehemalige Salzburger gilt in Kloten allerdings als Tiefenspieler mit überschaubarer Offensive.

Nach zwei Eistrainings am Dienstag geht es für das ÖEHV-Team am Mittwoch nach Budapest. Von Donnerstag bis Sonntag können nicht nur die neuen Cracks, sondern auch Bader ein Bewerbungsschreiben für ein Wiederkommen 2017 abgeben. Vorläufig kehrt der Schweizer auf jeden Fall zu seiner ureigentlichen Aufgabe zurück, nämlich dem U20-Team bei der B-WM in Bremerhaven im Dezember. Wie sieht er danach seine weitere Zukunft? „Das liegt nicht in meinen Händen, ich konzentriere mich auf jeden Fall erst auf das Turnier in Budapest. Wäre ich nur um meine Person und die Ergebnisse dort besorgt, hätte ich sicher einige ältere Leistungsträger wie Thomas Raffl oder Brian Lebler nominiert.“

Dass die Troika Headcoach/Sportchef/Nachwuchskoordinator in der kommenden Saison auf zwei Posten zusammengekürzt wird, ist kein Geheimnis mehr – die Rotation hinter der Spielerbank muss aber schon weit zuvor beendet sein, um für die B-WM in Kiew Chancen auf den Wiederaufstieg zuzulassen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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