"Falsche B-WM" als Generalprobe für den Ernstfall

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Fünf Länderspiele innerhalb von sieben Tagen: Das "Beat-Covid19"-Turnier in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana stellt für Österreichs Eishockey-Nationalteam den Jahresabschluss einer verkürzten Saison dar. Alle Österreich-Spiele sind LIVE bei LAOLA1 im Stream zu sehen>>>

Bevor Ende August mit der Olympia-Qualifikation auf das ÖEHV-Team wieder ein Programmpunkt wartet, der als "Ernstfall" betitelt werden kann, ist das Turnier mit sechs Ländern die große noch verbleibende Probe.

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller wirft einen Blick auf das Turnier und schätzt ein, was von Österreich zu erwarten ist:

Was ist das für ein Turnier?

Ein Ersatz für die abgesagte 1A-WM, allerdings mit einem veränderten Teilnehmerfeld: Zu den B-Gruppen-Nationen Frankreich, Slowenien, Österreich und Aufsteiger Rumänien kommen noch Polen und die Ukraine aus der C-Gruppe, die Ungarn und Korea ersetzen. Der Duft der großen Eishockey-Welt wird eher nicht durch die Tivoli-Halle von Ljubljana ziehen, aber das hat das rot-weiß-rote Team mit dem Abstieg aus der A-Gruppe vor zwei Jahren selbst verschuldet. Eine Chance zum Wiederaufstieg tut sich erst im April/Mai 2022 wieder auf, aus der A-Gruppe gibt es heuer keine Absteiger.

Welche Erwartungen darf man in Österreich Team setzen? Wie sind die Gegner aufgestellt?

ÖEHV-Teamchef Roger Bader verweist - nicht zum ersten Mal - auf ein sehr jung aufgestelltes Team, das sechs Testspiele (1:0 gegen Ungarn, 1:5 gegen Belarus, 0:5 und 2:7 gegen Tschechien, 1:3 und 0:2 gegen die Slowakei) hinter sich hat. Das Turnier gilt für den Schweizer als eine Art Sichtung für die Olympia-Qualifikation in Bratislava Ende August: "Einerseits können sich einige Spieler empfehlen, andererseits wollen wir uns hier schon gut präsentieren."

Mit den Leistungen in der Vorbereitung und der letzten Trainingswoche (die Spiele gegen Italien wurden wegen einer Covid-Welle beim Gegner abgesagt) war der 56-jährige Teamchef sehr zufrieden, weiß aber auch: "Mindestens drei Siege sollten schon her."

Die sind gegen die internationalen Leichtgewichte Polen, die Ukraine und Rumänien auch Pflicht, sonst kann das Turnier nur schwer als Mutmacher für August (Gegner wieder Polen, Belarus und die Slowakei) dienen.

Gastgeber Slowenien hat zwar einige Routiners (Kroselj, Pretnar, Stebih, Pance) im Kader, muss aber auf Top-Cracks wie Jeglic, Urbas, Verlic, Sabolic, Drozg sowie die beiden KAC-Spieler Gregorc und Ticar verzichten. Interessant im Hinblick auf die nächste ICE-Saison: Wie schlagen sich die Cracks von Aufsteiger Olimpija Ljubljana gegen Österreicher, die in der Liga auch nicht die erste Geige spielen?

Turnierfavorit sollte Frankreich sein, das sich vor zwei Jahren gemeinsam mit Österreich aus der Elitegruppe verabschiedete. Auffallende Absenzen sind eigentlich nur Hardy, Claireaux und natürlich NHLer Texier. Im Kader stehen neben den schon etwas angegrauten Hecquefeuille, Manavian und Treille auch Offensivbringer wie Bertrand, Perret, Fleury und Rech.

Wie sieht das ÖEHV-Team aus? Welche Stärken und Schwächen sind zu erwarten?

Es war nicht leicht, während der Vorbereitung den Überblick zu bewahren. Spieler verschwanden aus dem Kader, kamen dann teilweise wieder zurück, Playoff-Ausscheider stießen Stück um Stück dazu.

Schlussendlich blieben 25 Cracks über, sodass Bader beim komprimierten Programm rotieren kann. Im Tor zeigten sich Bernhard Starkbaum und David Kickert gegen die Slowakei in sehr guter Form, was die Niederlagen in erträglichen Grenzen hielt. Ali Schmidt ist der dritte Torhüter.

Neun Verteidiger, von denen Nico Brunner, Erik Kirchschläger, Gerd Kragl, David Maier, Ramon Schnetzer (fand inzwischen einen neuen Verein) und Kilian Zündel die ganze Vorbereitung mitmachten. Dazu kommen noch Dominique Hackl und Bernd Wolf, letzterer zuletzt ein Leader. Thimo Nickl stößt während des Turniers dazu, hat aber bei Rögle schon länger nicht gespielt. Von ihm, Wolf, Maier und Zündel sind Beiträge mit der Scheibe und im Powerplay zu erwarten. Luis Lindner, der während der Vorbereitung verletzungsbedingt ausschied, hätte sich hier einbringen können. An überragenden Puckmovern fehlt es ohne Frage, dazu kommt auch eine sehr überschaubare Physis (kein Defender erreicht die 1,90-Meter-Grenze).

In der Slowakei präsentierte sich das Team zuletzt mit sehr mäßigen Offensivleistungen. Immerhin stehen in Ljubljana neben Einser-Center Benjamin Baumgartner und Neo-Legionär Alexander Rauchenwald noch der von seiner Verletzung genesene Peter Schneider, Manuel Ganahl und Lukas Haudum als zusätzliche Offensiv-Hoffnungen im Aufgebot. Werden Spieler wie Benjamin Nissner, Marco Huber oder Marco Richter hier wie in der ICE als Scorer auffallen? Welchen Impakt können U20-Cracks wie Tim Harnisch oder Lucas Thaler hier haben? Kann Martin Ulmer – nicht unbedingt ein 200-foot-Player – sich hier offensiv einbringen? Dazu kommen noch Lukas Kainz, Simon Schwinger und Felix Maxa.

Wer fehlt denn da alles?

Madlener/Herzog

Heinrich-Pallestrang/Schumnig-Strong/Viveiros-Peter/Ulmer S.-Unterweger (Payr, Lindner P., Lindner L.)

Raffl T.-Raffl M.-Hofer/Herburger-Komarek-Zwerger/Wukovits-Rossi-Lebler/Spannring-Obrist-Baltram (Gaffal, Huber P., Obersteiner, Romig)

So könnte ein "Absenz-Team" aussehen, das dem aktuellen Aufgebot natürlich klar überlegen wäre. Gerade in einer Saison wie heuer ohne WM als Saison-Abschluss trennt sich die Spreu vom Weizen.

Spieler wie Starkbaum, Schneider, Ganahl, Martin Ulmer und Thomas Raffl (verletzte sich in der Vorbereitung) würden wahrscheinlich einen Anruf von Bader auch um drei Uhr nachts annehmen und umgehend zum Nationalteam stoßen. Sie fehlen so gut wie nie, wenn sie aufgeboten werden. Gerade bei Ulmer, der international natürlich an seine Grenzen stößt, tue ich mir daher mit kritischen Aussagen schwer.

Eigentlich auch immer dabei sind Heinrich, Schumnig, Strong, Viveiros, Michael Raffl (beginnt Samstag mit den NHL-Playoffs), Herburger, Zwerger, Obrist und Hofer. Mit Verletzungen aus der Saison bzw. der Vorbereitung hatten Layne Viveiros, Ali Wukovits, Stefan Gaffal, Patrick Spannring, Patrick Peter und eben Thomas Raffl zu kämpfen, beim Rest verschwimmen die Gründe für die Absenzen schon mehr oder weniger.

Bei Cracks wie Thomas Hundertpfund, Stefan Ulmer, vielleicht auch Brian Lebler dürfte die Teamkarriere stillschweigend ausklingen. Am untersten Ende der Skala: Johannes Bischofberger, der sich mit einer ICE-Karriere begnügt.

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Spielplan für das ÖEHV-Team:

Slowenien - Österreich: Samstag, 15. Mai, 16:30 Uhr
Österreich - Polen: Montag, 17. Mai, 13:00 Uhr
Österreich - Ukraine: Dienstag, 18. Mai, 13:00 Uhr
Österreich - Rumänien: Donnerstag, 20. Mai, 16:30 Uhr
Frankreich - Österreich: Freitag, 21. Mai, 13:00 Uhr
Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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