Wann und warum kam es zum Picken der Gegner?
Grund dafür war ein Skandal in der letzten Runde der Saison 2011/12: Olimpija Ljubljana hätte bei einem Sieg gegen Red Bull Salzburg gegen eben dieses Team in den Playoffs antreten müssen.
Das Spiel ging ins Shootout, wo Goalie Matija Pintaric bei zwei Penalty Shots einfach den Kasten freimachte und die Salzburger Spieler ins leere Tor einschießen konnten.
Olimpija bekam danach mit Fehervar auch den gewünschten leichteren Gegner, gleichzeitig aber auch drastische Strafen aufgebrummt: Pintaric sechs Spiele unbedingt, Coach Hannu Järvenpää zwei, dazu noch eine Geldstrafe von 10.000 Euro.
Um ähnlichen, vielleicht subtileren, Manövern vorzubeugen, führte die EBEL in der Folgesaison das Pickrecht ein: Die ersten drei Teams nach dem Grunddurchgang können unter den Mannschaften auf den Rängen 5 bis 8 picken. Auch in den Pre-Playoffs (2021/22 eingeführt) gilt Ähnliches, im Halbfinale wird allerdings nicht gepickt, da gilt die Setzliste.
Wie sieht es im Ausland aus?
Vorbild für das Pickrecht war damals die SHL, wo allerdings der Erste nur zwischen den Teams 7 oder 8 auswählen durfte. Kurioserweise schaffte die schwedische Liga das Picken dann aber umgehend wieder ab.
Von den anderen großen Ligen in Europa (z. B. DEL, NL, CZE, Liiga, SVK) konnte sich bis heute niemand für diese Variante erwärmen, im konservativen Nordamerika sowieso nicht.
Wie lief das Prozedere ab?
Zu Beginn noch mit großem Pomp, ServusTV machte daraus sogar ein Hauptabendevent, wo die Klubteilnehmer ins Studio im Hangar 7 eingeladen wurden. Einmal wurde diese Show am Nachmittag aufgenommen und am Abend als Live-Event verkauft, als die Beteiligten schon wieder in ihren Fauteuils knotzten!
Im Laufe der Jahre wurde der Eventcharakter des Pickens immer kleiner. Was zumindest als kleine Show nach einem Spiel folgte, wurde in den letzten Jahren zu einer bloßen Verlautbarung der Paarungen.
Auch nur logisch: Die Statements der Klubvertreter mussten natürlich blutleer ausfallen, keiner wollte Gegner irgendwie verbal abqualifizieren. Der ORF wollte nach seiner Übertragung am letzten Grunddurchgangs-Spieltag den Pick der Vienna Capitals in den Pre-Playoffs überhaupt nicht abwarten.
Die Pick-Zeremonie dient also schon lange nicht mehr als TV-Event...
Was sind die Faktoren bei den Picks?
"Gegen die haben wir im Grunddurchgang immer gewonnen" - "Da brauchen wir nicht so weit zu fahren" - "Da sind sicher alle Spiele ausverkauft, das gibt gute Einnahmen"
Alles Argumente, die von Fans genannt werden, die Realität sieht aber einfacher aus. Die Teams suchen sich logischerweise die Gegner aus, gegen die das (schnellste) Weiterkommen zu erwarten ist. Weiterkommen zu erwarten ist. Oft entscheiden Spieler und das Trainerteam, manchmal mischt auch das Management mit, unerwartete Picks sind jedenfalls sehr rar.
Das beste Beispiel heuer: Die Vienna Capitals sind als bestes Pre-Playoff-Team 17 Punkte vom sechsten Platz entfernt. Da wären ja der KAC und Graz vom Wahnsinn gebeutelt, weit stärkere Teams auszusuchen, egal wie groß oder klein (im Falle von KAC - VSV) die Distanzen bzw. die Rivalität ausfallen. Der Sieger der Serie VSV (defensiv löchrig) gegen Linz (große Probleme Offensive zu kreieren) scheint nochmals ein Stückchen leichter zu sein als die Capitals, die trägen Ungarn aus Szekesfehervar wären sowieso aufgelegt.
Auch Kokolores: "Wenn du Meister werden willst, musste du eh jeden Gegner schlagen." Eben nicht: Du musst dich nur gegen drei oder maximal vier Teams durchsetzen, wovon du eventuell eines frei auswählen kannst.
Die Statistik zu den Picks (ohne Pre-Playoffs)
Seit 13 Jahren wird ausgewählt.
Der Grunddurchgangs-Erste wählte in zehn Fällen das siebte oder achte Team aus.
Der Zweite griff dann sieben Mal beim Siebten, zwei Mal beim Achten zu.
Der Dritte bekam nur drei Mal die Gelegenheit, den Siebten oder Achten zu wählen. Fünf Mal wurde es der Fünfte, vier Mal der Sechste.
Wann verließen die Teams die Piste?
Gleich im ersten Jahr wollte niemand den Achten auswählen, der hieß nämlich Red Bull Salzburg. Zagreb als Vierter musste diese bittere Pille schlucken und schied dann auch aus.
2014/15 verzichteten die ersten beiden Teams darauf, den KAC als Achten zu wählen. Znojmo als Dritter schlug dann zu und schied prompt aus.
2016/17 ergab ein Unikum: Die Capitals pickten den Fünften Innsbruck, kamen aber auch ohne große Probleme weiter. Die nächsten beiden Teams wählten dann aber den Siebten (Graz) und Achten (Znojmo).
2017/18 war der Achte wieder Kryptonit und das aus gutem Grund: Der HC Bozen wurde von diesem Rang aus dann sogar Champion, im Viertelfinale musste der Vierte KAC daran glauben.
2019/20 konnte sich kein Team so recht für den Siebten Linz erwärmen, der blieb dann dem Vierten KAC über. Als die Saison wegen Corona abgebrochen wurde, führten die Linzer auch mit 3:0-Siegen.
2021/22 der letzte Ausreißer: Wieder wollte keiner den KAC als Achten. Die Caps als Vierter konnten sich dann aber doch durchsetzen.
21/22 war auch die erste Saison ohne Pick- und Platzierungsrunde. In den darauffolgenden drei Saisonen wählten die beiden ersten Teams dann auch immer den Siebten und Achten. Offenbar sind durch die Gesamttabelle die Teams auf den hinteren Rängen leichter einzuschätzen als bei zwei getrennten Gruppen.
Wenn sich die Graz99ers und der KAC am Freitag oder Sonntag also nicht gleich bei den Pre-Playoff-Teams bedienen würden, käme dies einer Sensation gleich.