Solche mehr oder minder informellen Austäusche gibt es zumindest zwischen Klubmanagern, die einander grün sind, öfters. Dass daraus aber mehr wurde, war spätestens im Juni klar.
Mailand in die Liga
Da fand nämlich die Abstimmung zum Ligaeintritt um den HC Milano statt.
Trotz der um Monate überzogenen Antragsfrist (15. Jänner) und des Termins der Generalversammlung (15. März) winkte das Präsidium den Wahlvorgang durch, machte davor sogar unverhohlen Werbung für den ersten Bewerber in der Ligageschichte, der als bloßes Projekt weder einen geregelten Spielbetrieb noch eine Halle nachweisen konnte. Mehrere Vereinsvertreter sprachen unabhängig voneinander von "Telefonterror" vor der Abstimmung.
Schon vor dem Abstimmungstag am 1. Juni (!) scherte der HC Innsbruck aus der ursprünglich sechsköpfigen Gegnerschaft aus, die Pioneers Vorarlberg ließen sich Minuten vor der Wahl umstimmen. Das reichte punktgenau für die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit für Milano.
Kurios: Aus Regimentstreue holten sich auch Bozen und Pustertal eigene Konkurrenz ins Haus.
Andrea Gios, der sowohl das desolate Projekt Asiago als auch den HC Milano anstieß, sollte jedoch knapp zwei Monate später aus dem Amt als Präsident des Italienischen Eishockeyverbandes gewählt werden.
Die drei Teile der Liga
Nach dieser Abstimmung zerfiel die Liga in drei Teile:
Die regimekritischen Teams aus Wien, Linz, Graz und Villach
Die nunmehr sechs internationalen Teams sowie der KAC und Salzburg, von denen die Präsidiumsmitglieder Johannes Schwaiger bzw. Rene Dimter für Milano stimmten.
Die "blockfreien Staaten" Innsbruck und Pioneers, die vorläufig von ihren einstigen Verbündeten geächtet wurden.
Andrerseits dürfen sich die beiden auch aufgrund ihrer sportlichen und finanziellen Mankos keine großen Sympathien der anderen Teams erwarten. Kolportierter Ausspruch eines Präsidiumsmitglieds: "Wir sind eine internationale Liga, ganz egal, ob da Innsbruck dabei ist oder nicht."
Nicht die einzige abwertende Aussage über Ligamitglieder, die in den letzten Wochen kursierte. Dazu kommen Dementis, Abschwächungen, Entschuldigungen – beide Seiten haben hier genug Geschichten aufzutischen, die sich oft krass widersprechen.
Ansuchen um Kündigung des Ligamanagers
Christian Feichtinger wickelt mit seiner Firma "PROFS" seit 2000 den Spielbetrieb der EBEL/ICE ab, Kritik an ihm gehört bei so einer Dienstdauer natürlich dazu, doch heuer kam es sogar soweit, dass die Kritiker eine Kündigung seines Vertrags anregten.
Das hört sich jedoch dramatischer an als es war. Die unzufriedenen Teilnehmer wollten nur die Kündigungsfrist von neun Monaten ausnutzen, um nochmals über die PROFS-Bücher zu gehen, Einsparungsmaßnahmen und Alternativen zu finden und die Firma nicht in verringerter Form oder so wie bisher weiterzubeschäftigen.
Das Präsidium lehnte dieses Ansinnen, das mit 31. Juli umgesetzt hätte werden müssen, allerdings ab, was auch nicht überraschend kam. Als Leitungsorgan der Liga (und nicht die Teams selbst) bestimmt das Präsidium über die Berufung und Absetzung seines Geschäftsführers, der ihm unterstellt ist und zwischen diesem und dem Präsidium passt kein Blatt Papier.
Die Liga weist darauf hin, dass dieses Ansuchen auch erstmals am selben Tag an sie herangetragen worden sei und damit unmöglich zeitnah umgesetzt werden konnte. Außerdem seien Gesprächsangebote von der Gegenseite nicht wahrgenommen worden, was natürlich wiederum dementiert wird.
Die Zankäpfel in der Liga und die Gegendarstellungen:
Zu hohe Organisationskosten und zu geringe Erlöse aus Sponsoreinnahmen bzw. Medienverwertung
Zur Hochblüte unter der Ersten Bank und mit TV-Unterstützung von ServusTV konnten sich die österreichischen Teilnehmer jährlich über eine schöne sechsstellige Summe direkt in die Kassen freuen. Die internationalen Teams gingen leer aus, mussten aber auch wie die österreichischen Teams keine Organisationskosten schultern.
In den letzten Jahren floss überhaupt kein Geld mehr direkt (außer anteilige Streaming-Einnahmen durch Sporteurope.tv), dafür müssen Organisationskosten an PROFS gezahlt werden. Für die heurige Saison wären das 84.000 Euro pro Team, die aber durch Milanos Eintritt auf 64.000 Euro gesenkt werden.
Im Gegensatz zur Erste-Bank-Hochblüte verweist die Liga jedoch darauf, dass heute im Gegensatz zu damals die Lizenzkosten an den ÖEHV sowie die Schiedsrichtergebühren (insgesamt ca. 1,5 Mio. Euro) nicht mehr mit den österreichischen Teams abgerechnet, sondern schon zuvor abgedeckt werden, dazu kommen noch die allgemein steigenden Kosten.
Zum Ligabetrieb gehören neben Feichtinger der "Director of Hockey Operations" Lyle Seitz, Schiri-Boss Viki Trilar sowie Michi Suttnig (AlpsHL) mit klar deklarierten Preisschildern. Die übrigen 18 Mitarbeiter von PROFS werden teilweise stundenmäßig abgerechnet, was einigen Teams zu unabwägbar vorkommt.
Internationalisierung ohne Gegenleistung?
Der Hauptstadtklub aus Bratislava. Asiago mit den angekündigten venezianischen Millionären. Ferencvaros als abermaliger Hauptstadtklub und jetzt Milano. "Wir denken in Märkten" - Marketing-Sprech, das einigen heimischen Vereinsvertretern aufstößt.
Von Bratislava und Asiago blieb wirklich nichts übrig, bei Budapest und Milano verweist die Liga auf noch laufende oder gerade anlaufende "Marketingmaßnahmen" - ein Euphemismus für ein gewisses Entree, das die Kosten für die anderen Teams senkt.
Doch win2day bleibt weiter als österreichisches Unternehmen der einzige Großsponsor, von ungarischen oder italienischen Geldgebern ist auf den Banden bzw. Jerseys nichts zu sehen.
Das wäre nämlich auch eine Hilfe für die österreichischen Teams, die bisher von öffentlichen Mitteln lebten. Kürzungen stehen überall in Österreich ins Haus, daher ist der Zeitpunkt der Diskussionen durchaus nicht willkürlich.
Weder Geschäftsführer noch Präsidium nehmen mittlerweile für sich in Anspruch, dass sie große Akquisiteure wären. Das führte zum Hinzug mehrerer außenstehender Agenturen bzw. Personen, die natürlich im Erfolgsfall (oder auch bei mangelnden Erfolgen) beteiligt werden müssen.
Niemand streitet inzwischen mehr ab, dass die dauernde Aufnahme von internationalen Teams finanzielle Löcher stopfen soll. Aus der "österreichischen Liga mit internationaler Beteiligung" wurde dann auch vor drei Jahren eine "internationale Liga nach österreichischem Sportrecht".
Die heimischen Teams haben auf jeden Fall die Oberhand verloren - bei Abstimmungen (etwa zu einer Änderung der Kaderregelungen) wäre eine 2/3-Mehrheit gar nicht mehr möglich. Dazu kommt, dass Heimspiele gegen internationale Gegner - vielleicht auch noch unter der Woche - alles andere als Kassenschlager darstellen, oft mit Frei- oder verbilligten Karten geschönt werden müssen.
Kommunikationsmanko oder -überhang?
Vereinsvertreter klagen über mangelnde oder zu spät erfolgte Informationen, die endgültige Präsentation von Milano soll auch am letzten Drücker erfolgt sein und Generalversammlungen würden im Eilzugstempo durchgezogen.
Die Liga wiederum kontert mit dem Hinweis auf regelmäßig ausgeschickte Finanzvorschauen und -berichte sowie schriftliche und audiovisuelle Vorschauen auf die Ligameetings.
Ob wirklich jeder Manager diese Informationen im Detail vorher studiert hat, wird nicht nur von den Erstellern bezweifelt. Umgekehrt sollen diese aber meist von überzogenem Optimismus gezeichnet sein.
Kaderregelungen
Der Unterschied zu anderen europäischen Ligen: Vier Länder mit unterschiedlichen Steuerregeln und Spielermärkten müssen unter einen Hut gebracht werden. Die Punkteregel sowie die (ohnehin wackeligen) Beschränkungen bei Doppelstaatsbürgern waren nur einige Versuche zur Lösung dieses Problems.
Jetzt sollen wieder neue Regeln gefunden werden - eine Überreaktion auf drei internationale Halbfinal-Teilnehmer im Vorjahr oder dringend nötig? Vor allem die Doppelstaatsbürger in Italien stehen hier immer wieder in der Diskussion.
Milano ging hier genau so vor wie erwartet und sog staubsaugermäßig alle vereinslosen Italos auf, hält derzeit bei 18 in Nordamerika oder Schweden gebürtigen Inländern. Verständlich, dass Österreicher da nur schwer mit 18-jährigen Einheimischen dagegen halten können.
Es gäbe noch Dutzende andere Streitpunkte, die zuletzt öffentlich oder hinter vorgehaltener Hand diskutiert wurden. Die Liga steht (wieder einmal) vor einer Zerreißprobe und das, wo ein Megaprojekt wie das Mountain Classic in Bischofshofen (auch hier schon mit öffentlichen Streitereien) ansteht.
Bleibt alles wie so oft beim Alten, finden sich neue Geschäftsformen (eine GmbH mit internen Geschäftsführern statt einer externen Agentur?) oder bringt sich gar der ÖEHV (eher unvorstellbar) wieder stärker ein?
Die nächsten Monate werden nicht nur am Eis hitzige Kämpfe mit sich bringen...