Interview

Schneiders Seuchenjahr: "Man glaubt, es gibt eine höhere Macht"

Peter Schneider spricht im Interview über sein schwierigstes Jahr in Salzburg, mentale Tiefpunkte, Ex-Coach Manny Viveiros und den großen Umbruch.

Schneiders Seuchenjahr: "Man glaubt, es gibt eine höhere Macht" Foto: © GEPA

Peter Schneider wusste, dass ein solches Jahr irgendwann einmal kommen würde. Dass ihm die Seuche allerdings über eine komplette Saison am Schläger kleben würde, damit hatte der Nationalteam-Stürmer nicht gerechnet.

Der 35-Jährige hat sich im Laufe seiner Karriere den Ruf eines Torjägers erarbeitet und seine Qualitäten auf nationaler wie internationaler Bühne mehrfach unter Beweis gestellt. Doch nur zehn Tore in einer Vereins-Saison? Das ist der Negativwert seiner gesamten Profi-Karriere.

Dass es in Salzburg nicht und nicht funktionieren wollte, setzte ihm zu. "Es war mental ein wahnsinnig schwieriges Jahr für mich", gesteht Schneider im LAOLA1-Interview. Dass ihm die Dinge beim Nationalteam deutlich leichter von der Hand gingen, machte die Situation nicht einfacher.

Der Wiener spricht über das schwierigste Jahr seiner Zeit in Salzburg, mentale Tiefpunkte, Ex-Coach Manny Viveiros und den großen Umbruch, den der Klub nach dem Sweep im Playoff-Viertelfinale eingeleitet hat.

LAOLA1: Blicken wir gemeinsam auf das vergangene Jahr in Salzburg zurück. Es war eine schwierige Saison, dir sind nur zehn Tore gelungen – so wenige wie noch nie. Wie hat es sich für dich angefühlt?

Peter Schneider: Zum einen war es für mich sehr enttäuschend, dass wir es als Mannschaft über das ganze Jahr hinweg einfach nicht geschafft haben, konstant gut zu spielen. Nach der Leistung im Grunddurchgang haben wir gewusst, dass es in den Playoffs schwer wird und wir einen richtigen Push brauchen. Wir haben dann leider einen Gegner bekommen, der uns die gesamte Saison über gut im Griff gehabt hat. Und in den Playoffs konnten wir unsere Performance einfach nicht verbessern.

Zum anderen war ich darüber enttäuscht, dass ich einfach nicht mehr dazu beitragen konnte, damit wir als Mannschaft besser spielen. Es war mental ein wahnsinnig schwieriges Jahr für mich. Ich habe gewusst, dass so eine Saison irgendwann kommen kann – oder wird. Dass man einmal eine Phase hat, wo es gar nicht für einen läuft. Dass diese Phase über weite Strecken der Saison anhielt, war enttäuschend und zugleich überraschend für mich. Umso mehr freue ich mich auf diese Saison und möchte zeigen, dass es wirklich eine Ausnahme war.

LAOLA1: Hat in gewissen Situationen einfach das Quäntchen Glück gefehlt oder gab es andere Gründe?

Schneider: Es hat mit fehlendem Glück angefangen. Wenn die Tore dann nicht fallen und man als Team nicht den Erfolg hat, den man sich nach den letzten Jahren erwartet, dann kommt man in eine Negativspirale und fängt wirklich auch an, schlecht zu spielen. Das war über weite Strecken so. Ich habe immer wieder versucht, mich zu fangen. Beim Nationalteam ist es eigentlich stets gut gelaufen, ich habe mich beim Deutschland-Cup sehr gut gefühlt und gedacht: Jetzt kommt die Form wieder.

Und wenn man dann noch drei Mal an die Stange schießt, fängt man an zu glauben, dass es eine höhere Macht gibt, die dich so runterzieht.

Peter Schneider

LAOLA1: Doch das war nicht der Fall.

Schneider: Ich bin immer wieder in dieses Muster verfallen, in dem dann nichts mehr aufgegangen ist. Unser Problem als Team war auch, dass einige von uns mehr als sonst solche Phasen gehabt haben. Das potenziert sich dann. Wenn es bei einem oder zwei Spielern im Team nicht gut läuft, dann fängt man sich gegenseitig schneller auf und hilft einander wieder, zur alten Form zurückzufinden. Geht es vielen Spielern gleichzeitig so, zieht man die anderen Teamkollegen eher runter.

LAOLA1: Hast du eine Erklärung dafür, warum es beim Nationalteam besser lief?

Schneider: Ich glaube, dass ich mir nicht so einen starken Druck gemacht und mit viel mehr reiner Freude gespielt habe. Man will immer gewinnen, hat aber zum Beispiel bei Vorbereitungsturnieren nicht den Druck, dass man dem nächsten Meistertitel nachjagen muss. Vielleicht ist das der Grund. Aber ich bin mir bis heute nicht wirklich sicher, was genau die Ursache war.

LAOLA1: Du hast gesagt, es sei mental ein wahnsinnig schwieriges Jahr gewesen. Wie hast du während der Saison an dir gearbeitet?

Schneider: Ich habe über meine Karriere hinweg auch in guten Phasen immer versucht, mental an mir zu arbeiten und gewisse Dinge noch zu verbessern. In einer Phase, in der man mental ganz unten ist, ist es am allerschwersten. Wenn man nur einen kleinen Hänger hat, kann man sich leichter wieder einstellen. Aber wenn man mental so unten ist, dann ist es wirklich ein langer, schwieriger Weg. Vor allem passiert das nicht von heute auf morgen. Man hat trotzdem Spiele dabei, in denen es immer noch nicht so läuft, die dich dann wieder runterbringen können. Ich bin jemand, der möchte, dass es sofort wieder gut läuft, wenn mal nicht so eine gute Phase ist. Manchmal geht es aber nicht so schnell, wie man es sich erhofft.

LAOLA1: Dann probiert man es mit der Brechstange.

Schneider: Und wenn man dann noch drei Mal an die Stange schießt, fängt man an zu glauben, dass es eine höhere Macht gibt, die dich so runterzieht. Wenn man gut drauf ist, gehen plötzlich Scheiben rein, wo man nicht mal weiß, wieso die reingehen.

LAOLA1: Hat sich diese Misere im Training angekündigt?

Schneider: Das ist ja das Problem: Im Training lief es jede Woche gut. Es gab nie eine Phase, in der ich mir gedacht habe, im Training funktioniert es nicht. Es waren immer nur die Spiele, bei denen man mit der Erwartung reingeht: Wir haben wieder verloren, also muss ich noch mehr versuchen und machen, dass es wieder läuft – aber es läuft noch weniger zusammen. Es ist echt schwer zu erklären. Hoffentlich war das eben nur diese eine Saison, bei der ich gewusst habe, dass sie einmal kommen kann.

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Peter Schneider ist für seinen Onetimer berüchtigt.
Foto: ©GEPA

LAOLA1: Auffällig war, dass du im Powerplay sowohl in Salzburg als auch beim Nationalteam aus deiner angestammten Position auf der linken Halfwall weggezogen worden bist. Warum?

Schneider: Ich glaube, dass ich in unserer Powerplay-Unit von meinem Spot drei der fünf Tore geschossen habe, die wir erzielt haben. Das ist wahnsinnig wenig. Obwohl ich alle von diesem Spot geschossen habe, wusste ich, dass es insgesamt nicht so gut für uns läuft und ich offen dafür bin, dass wir etwas anderes probieren. Es geht nicht darum, dass das Powerplay darauf ausgerichtet ist, dass ich den maximalen Erfolg habe, sondern wir als Team. Wenn die Konsequenz daraus ist, dass ich vor das Tor gehe oder auf die andere Seite, dann bin ich absolut offen dafür.

Beim Nationalteam wussten wir, dass 'Zwergi' (Dominic Zwerger, Anm.) unbedingt auf der linken Seite spielen will, was ich vollkommen verstehe, weil er den Spot sein Leben lang schon spielt und er dort einfach Weltklasse ist. Wir haben dann versucht, eine Lösung zu finden und ich habe gesagt: Ich kann auf der anderen Seite auch spielen, obwohl es nicht meine Lieblingsseite ist. Aber ich werde das so machen, weil wir uns gedacht haben, dass es so auch funktionieren könnte. Ich glaube, es war insgesamt gar nicht so schlecht. Wir haben einige wichtige Tore im Powerplay geschossen und es ist gut gelaufen, auch wenn ich für mich persönlich natürlich lieber mehr Onetimer gehabt hätte. Doch für die Mannschaft war die Aufstellung gut.

LAOLA1: Es war nicht nur für dich persönlich eine schwierige Saison, sondern für den gesamten Verein Red Bull Salzburg. In Gesprächen mit einigen Spielern herrschte der Konsens, dass man eine der besten Mannschaften der Liga hatte, doch das Teamgefüge soll nicht mehr so stark wie in den letzten Jahren gewesen sein. Kannst du diesen Eindruck bestätigen?

Schneider: Es ist immer etwas schwieriger, dass das Teamgefüge gut funktioniert, wenn man gewisse Erwartungen hat und diese als Mannschaft überhaupt nicht erfüllt. Natürlich muss man auch dann am Teamgefüge arbeiten, wenn man Erfolg hat – aber es ist leichter. Läuft es hingegen gar nicht, wie man es sich erwartet, dann ist es schwieriger, die Mannschaft zusammenzuhalten. Ich würde trotzdem sagen, dass wir gemessen daran, wie unerwartet schlecht die Saison gelaufen ist, trotzdem ein gutes Teamgefüge hatten. Das war sicher nicht der Grund, der uns runtergezogen hat. Am Ende ist es dennoch nicht leicht, den Teamspirit sehr hoch zu halten.

Der Coach muss imstande sein, sein Wissen und sein Coaching so einzubringen, dass er die Mannschaft in schwierigen Phasen wieder auf Kurs bringt.

LAOLA1: Über den Sommer war immer wieder zu hören, dass es nach den erfolgreichen Jahren unter Matt McIlvane und Oliver David zwischen Mannschaft und Manny Viveiros nicht immer optimal harmoniert haben soll. Wie hast du das wahrgenommen?

Schneider: Ich würde diese Saison nur ungerne auf irgendeine Person bzw. den Trainer schieben. Das wäre zu einfach. Auf der anderen Seite muss ich schon sagen, dass es für ihn schwer war, weil wir nicht gut in die Saison gestartet sind und ein paar Spiele, vielleicht auch unglücklich, verloren haben. Dass er dann Druck verspürt, weil man nach vier Meistertiteln in Folge von ihm erwartet, dass es in der Tonart weitergeht, ist nur menschlich. Daher war es auch für ihn sicher keine einfache Situation. Es ist schwierig zu beurteilen, doch am Ende des Tages bleibt die Verantwortung am Trainer hängen.

LAOLA1: Was man schon festhalten kann: Manny Viveiros ist ein völlig anderer Trainertyp als Matt McIlvane oder Oliver David, die beide eher der neuen "Laptop-Generation" zuzuordnen sind.

Schneider: Aber auch Oliver war ein völlig anderer Trainer als Matt. Sie sind zwar ungefähr im selben Alter, waren in ihren Methodiken und in der Art, wie sie coachen, jedoch grundverschieden. Trotzdem hat es funktioniert. Das bedeutet also nicht, dass es gar nicht mehr läuft, wenn der Trainer anders ist. Allerdings muss der Coach imstande sein, sein Wissen und sein Coaching so einzubringen, dass er die Mannschaft in schwierigen Phasen wieder auf Kurs bringt.

LAOLA1: Wie ist dein erster Eindruck von Neo-Coach Alan Letang?

Schneider: Wir hatten bereits kurze Gespräche. Er ist ein extrem offener, netter Mensch, der auch schon viel im Eishockey gesehen hat und die Liga aus seiner Zeit als Spieler kennt. Er hat sich gut eingefügt. Wie es dann wirklich ist, sehen wir erst in den nächsten paar Wochen.

Ich glaube, der Umbruch ist eine schwierige Gratwanderung für Red Bull.

LAOLA1: Es hat einen großen Umbruch gegeben, der vor allem den Import-Sektor betroffen hat. Mit Tyler Lewington und Troy Bourke haben zwei Leistungsträger der vergangenen Jahre keinen Vertrag mehr erhalten. Wie hast du die Kader-Tätigkeiten wahrgenommen?

Schneider: Es ist sehr schmerzhaft für uns Spieler, weil wir die Jungs über die Jahre sehr liebgewonnen haben. Alle, die gegangen sind, waren super Typen. Sie waren ein wichtiger Bestandteil des Teams und der Erfolge der letzten Jahre. Gleichzeitig haben wir gewusst, dass nach der letzten Saison ein größerer Umbruch kommen wird. Wir wussten gegen Saisonende auch, dass das wahrscheinlich passieren wird, wenn wir das Ruder nicht mehr herumreißen. Und leider ist es so gekommen.

LAOLA1: War dieser Umbruch gerade unter dem Gesichtspunkt, dass der Nachwuchs in den letzten Jahren weniger Beachtung bekommen hat, nicht trotzdem notwendig?

Schneider: Ich glaube, der Umbruch ist eine schwierige Gratwanderung für Red Bull. Wir haben den Anspruch, dass wir ganz vorne dabei sind. Gleichzeitig erwartet jeder, dass wir so viele junge Spieler wie möglich einbauen. Diesen Spagat hinzukriegen, ist extrem schwierig. Von den jungen Spielern kann man sich auch nicht gleich erwarten, dass man sie ins kalte Wasser wirft, sie davon profitieren – und gleichzeitig gewinnt man als Team. Da unterschätzt man die Stärke unserer Liga.

Dass der Einbau von jungen Spielern schwierig ist, sieht man an den Teams, die vorne mitspielen. Da gibt es wenige, die in diesen Mannschaften von Anfang an wirklich große Rollen einnehmen. Das ist logisch, weil die Stärke unserer Liga das einfach nicht zulässt. Wenn man im Mittelfeld unterwegs ist, ist es leichter, junge Spieler einzubauen und ihnen Eiszeit zu geben, als wenn man um den Meistertitel spielt.

LAOLA1: Aktuell sind nur sechs von zehn Import-Stellen besetzt. Dazu sollen eben viele junge Spieler die Chance erhalten, sich im Profi-Kader zu etablieren. Ist der Meistertitel heuer realistisch?

Schneider: Möglich ist die Meisterschaft auf jeden Fall. Man muss aber schon dazu sagen, dass wir dieses Jahr – bis jetzt zumindest - das Konzept verfolgen, junge Spieler einbauen zu wollen. Sie haben dieses Jahr eine gute Chance, dass sie bei den Profis dabei sind, um ihren Platz kämpfen und echt viel Eiszeit bekommen. Man wird sehen, wie sie damit umgehen können.

Ich weiß selbst noch, wie es bei mir damals war – es ist nicht leicht. Man hat gerade als junger Spieler immer wieder Rückschläge. Vielleicht läuft es zu Beginn gut, hat dann aber wieder eine Zeit, in der man mehr Verantwortung bekommt und konstant leisten muss, es dann aber auf einmal nicht mehr so leicht von der Hand geht. Dieses Jahr werden sie genug Zeit dafür haben, das zu lernen.

LAOLA1: Danke für das Gespräch!

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