LAOLA1: Klagenfurt ist für deine Familie und dich auch zu einer zweiten Heimat geworden.
Dahm: Zweite oder erste Heimat, das ist jetzt die Frage. (lacht) Wir verbringen 95 Prozent des Jahres in Klagenfurt, fühlen uns sehr wohl hier. Es ist unser Zuhause. Was in Zukunft kommen wird, wissen wir nicht. Doch die Kinder sind in die Kindergärten und Schulen voll integriert. Meine Frau fühlt sich ebenfalls sehr wohl hier, spricht auch sehr gut Deutsch. Es ist für uns eine tolle Heimat - und ich weiß, dass jeder Spieler, der hierherkommt, dasselbe sagt. Die Umgebung ist für die Seele sehr schön.
LAOLA1: Wenn du deine Karriere irgendwann einmal beenden solltest, kann es also schon sein, dass ihr in Klagenfurt bleiben werdet?
Dahm: Es ist nicht ausgeschlossen, Klagenfurt ist wirklich eine besondere Stadt. Es wird schwierig sein, diese Umgebung einmal zu verlassen, das steht fest.
LAOLA1: Im Laufe der Saison wirst du deinen 40. Geburtstag feiern. Hättest du dir jemals gedacht, dass du so lange spielen würdest?
Dahm: Ich habe über die Jahre nie auf mein Alter geachtet.
Solange ich körperlich fit bin - und danach sieht es aktuell aus - spiele ich sicher noch mehrere Jahre.
LAOLA1: Es gab nie den Moment, an dem du dir gedacht hast: Jetzt höre ich auf?
Dahm: Ich habe mir gedacht: Wenn ich mich körperlich nicht mehr fit fühle und nicht mehr auf meinem besten Niveau spielen kann, dann werde ich meine Karriere beenden. In den letzten Jahren - und ich glaube, deshalb passen der KAC und ich so gut zusammen - wurden wir hier abseits des Eises allerdings stets top vorbereitet. Ich hatte in diesen sieben Jahren die beste Form meiner Karriere. Heuer habe ich sogar die höchsten Testwerte meiner gesamten Laufbahn. Ich denke nicht daran, bis zu einem gewissen Alter zu spielen und dann aufzuhören. Ich bin hungrig, ich will noch einen Titel holen und den KAC-Fans schönes Eishockey liefern. Ich liebe Eishockey. Ich liebe es, jeden Tag mit den Torwarttrainern zu arbeiten. Solange ich körperlich fit bin - und danach sieht es aktuell aus - spiele ich sicher noch mehrere Jahre.
LAOLA1: Mit Florian Vorauer gibt es einen aufstrebenden Backup-Goalie, der in den letzten Jahren schon immer mehr Einsätze bekommen hat. Gibt es einen Plan, wie viele Spiele Florian und du in dieser Saison jeweils bekommen werdet?
Dahm: Zuerst einmal: Ich komme mit Florian sehr gut aus. Ich habe sehr viel Respekt davor, wie hart er arbeitet, wie er jeden Tag abliefert, immer mit einem Lächeln in die Eishalle kommt und ein Profi durch und durch ist. Ich freue mich wirklich darüber, wie sich seine Karriere entwickelt hat. In den letzten zwei, drei Jahren hat er auch mit dem Nationalteam große Schritte gemacht. Ich habe mir auch seine Spiele dort angesehen. Er ist sicher einer der Torhüter, mit denen ich in meiner Karriere am besten ausgekommen bin.
Im modernen Eishockey hat sich gezeigt, dass man beide Tormänner braucht. Die Zeiten sind vorbei, in denen der Backup vier Spiele im gesamten Jahr bestreitet.
LAOLA1: Und zur Frage?
Dahm: Natürlich stellt sich vor jeder Saison die Frage: Gibt es eine Nummer 1 und Nummer 2? Oder gibt es eine 1A-, 1B-Lösung? Florian hat bewiesen, dass er Spielzeit und -praxis verdient hat. Aber es gilt für alle Torhüter - mich inklusive - dasselbe: Man muss sich immer wieder beweisen. Der Teamerfolg ist das Wichtigste. Im modernen Eishockey hat sich gezeigt, dass man beide Tormänner braucht. Die Zeiten sind vorbei, in denen der Backup vier Spiele im gesamten Jahr bestreitet. Das geht nicht mehr, wie man letztes Jahr auch in Graz gesehen hat. Wieser ist dort während der Halbfinal-Serie reingekommen und hat den Meistertitel gewonnen, weil er während der Saison auch gute Spiele geliefert hat. Ich kann nur sagen: Es ist wichtig, dass wir beide über das gesamte Jahr Spielpraxis bekommen. Wie viele Einsätze jeder erhält, wird sich anhand der Performances automatisch weisen.
LAOLA1: Mit 54 Shutouts hast du mehr als jeder andere Torhüter in der Historie von Österreichs höchster Spielklasse erreicht. Sind dir Rekorde wichtig?
Dahm: Eigentlich nicht. Ich setze mir sowas nicht als Ziel und denke dann jeden Tag daran. Für mich ist der Teamerfolg das Wichtigste. Wenn wir erfolgreich sind, herrscht in der Kabine und am Eis gute Stimmung. Wenn ich mein bestes Eishockey spiele, dann macht es mir richtig Spaß. Und dann kommen die Erfolge und Rekorde ganz automatisch. Wenn man jeden Sieg herunterzählt, dann geht es langsamer, habe ich aus früheren Zeiten gelernt. (lacht)
LAOLA1: Siehst du dir deine Statistiken an?
Dahm: Ganz selten während einer Saison. Meine allgemeine Leistung ist mir wichtiger. Nach jedem Spiel schauen wir uns alle Schüsse und meine Bewegungen dazu an. Wenn ich gut aussehe, bin ich stolz darauf, wie ich spiele. Natürlich bedeutet mir ein Rekord schon viel. Das heißt gleichzeitig auch, dass deine Gegenspieler dich respektieren.
LAOLA1: Der Saisonstart ist mit zwei Siegen in Salzburg und gegen Vorjahresfinalist HC Pustertal perfekt verlaufen. In Klagenfurt wird jedes Jahr der Meistertitel erwartet - ist das deinem Gefühl nach heuer wieder möglich?
Dahm: Der Meistertitel ist jedes Jahr möglich, doch jede Saison ist zugleich eine neue Geschichte. Vereine, die im Vorjahr nicht erfolgreich waren, wollen sich verbessern. Sie haben vielleicht noch härter trainiert, eventuell auch einen neuen Coach. Es ist immer schwierig, erfolgreich zu sein. Wir haben eine gute Basis. Wir werden alles geben, um den Meistertitel zu holen. Ich bin mir sicher, dass jeder Spieler in dieser Kabine sein Bestes am Eis lassen wird - und dann schauen wir, wie weit wir kommen.
LAOLA1: Coach Kirk Furey hat im LAOLA1-Interview vor dem Saisonstart gesagt, dass Druck ein Privileg sei. Stachelt euch die Atmosphäre, die in Klagenfurt bei jedem Heimspiel herrscht, nochmal zusätzlich an?
Dahm: Es gibt kein besseres Gefühl. Das ist auch ein Grund, warum viele ausländische Spieler, die andere Möglichkeiten hätten, nach Klagenfurt kommen. Sie wissen: Hier herrscht der Ehrgeiz, stets die Nummer 1 sein zu wollen. Geht das jedes Jahr? Natürlich nicht. Wie letztes Jahr können unvorhergesehene Dinge passieren. Dass man von Außen und Innen diesen Druck und diese Erwartungen hat, ist ein Privileg und motiviert einen auch.
LAOLA1: Danke für das Gespräch!