Der Rest der Legionäre eher eine graue Masse, wobei Defender Bryce Martin noch mit einigen Giveaways negativ hervorstach.
Vor allem im Powerplay werden die Pioneers wie in der letzten Saison Probleme haben, auch wenn Murray noch kurz vor Schluss gegen Graz ein Überzahltreffer gelang.
Besorgniserregend: Bereits am Auftaktwochenende coachte Marko Ojanen wie in einem Spiel 7 in einer Playoff-Serie – sämtliche Legionäre in den ersten beiden Blöcken, das dritte Defender-Paar rang ebenso um Eiszeit wie die Linien 3 & 4. Schon klar, dass er mit limitierter Quantität und Qualität auskommen muss, aber wie soll das erst in der spielintensiven Phase aussehen? Beide Spiele waren jetzt schon Energieakte, wohl auch, weil Geschäftsführer Christian Gross bereits im Sommer die Villach-Partie als Schlüsselspiel hervorhob.
Der VSV konnte nach den finanziellen Turbulenzen der letzten Tage wenigstens drei Punkte einkassieren und darauf hoffen, dass Alex Rauchenwald, Alex Wall und Thomas Vallant bald wieder zurückkommen. Die vierte Linie mit Paolo Wieltschnig, Jakob Sintschnig und dem 16-jährigen Slowenen Benjamin Topalovic war natürlich auch nur eine Behelfslösung und bald nicht mehr zu sehen. Das Aufgebot ist wirklich auf Kante genäht, aber nach einer Rettungsaktion noch Cracks nachzuverpflichten, wäre verwegen.
Defender Sean Larochelle steigerte sich nach einem schwachen Startdrittel, konnte danach etwas Offensive von der blauen Linie kreieren. Scott Walford präsentierte sich als solider Defensiv-Defender mit guter Beinarbeit. Ryan Sproul zeigte einige starke Momente mit der Scheibe, bekommt diese auch stets in den Verkehr vor das Tor: Sein Ruhepuls, egal ob bei starken Offensivmomenten oder Fehlern, dürfte ungefähr bei 45 liegen. Er gehört auch zu den Spielern, die immer den gleichen Speed aufweisen – egal, ob die Halle hinter ihm in Flammen steht oder ein Trainings-Scrimmage ansteht.
Die Graz 99ers taten sich lange schwer gegen die tapferen Pioneers, kamen erst in der Schlussphase zu ihren Treffern. Goalie Maxime Legace, der auf eine reichlich schwache Vorbereitung zurückblickte, hätte der erst kurz vor Schluss verpatzte Shutout sicher gutgetan.
Von den zwei neuen Legionärs-Defendern (Ole Björgvik-Holm und Clay Hanus) hinterließ Hanus den weit besseren Eindruck. Ein starker Läufer (einmal kurvte er fast rund um das gegnerische Drittel) mit guten Puckskills. Sein Engagement wird sich über seine erzielten Punkte (oder Mangel daran) definieren. David Maier, in Klagenfurt über die Jahre fast zum Goon geworden, demonstrierte mit einem schönen Give-and-Go-Treffer seine seit längerem verschütteten Fähigkeiten mit der Scheibe.
Black Wings Linz - Milano HC (0:4)
Ein ernüchternder Heimauftakt für die Linzer, nachdem schon in Szekesfehervar mit Mühe und Not nur ein Punkt heraussprang. Anfangs stand das Spiel noch auf der Kippe, Milano-Goalie Jacob Smith lief mit Glück und Geschick aber heiß und war vor allem in Unterlegenheit ganz wichtig. Die Italiener ihrerseits trafen dreimal im Powerplay, wobei vor allem Center Blake McLaughlin Schussstärke bewies.
Die Black Wings traten mit nur sieben Legionären an, die beiden PP-Pointmen waren mit Niklas Würschl und Luis Lindner zwei Einheimische – ein Alleinstellungsmerkmal in der Liga. Würschl musste auch die Scheibe Richtung gegnerisches Drittel tragen und hatte da mit Drop-Pässen (heutzutage de rigueur) auf Shawn St-Amant und Graham Knott so seine Probleme. Bei einem PP im zweiten Abschnitt kamen diese drei Spieler zeitweise fast zum Stillstand.
Milano präsentierte sich wie erwartet – Hände & Hockey Sense > Speed. Während im Angriff noch eine breite Front zum Einsatz kam, war in der Defensive alles auf Alex Grant (sehr stark bei einigen Rushes) und Wyatt Wylie aufgebaut. Die beiden wechselten nahtlos vom PK ins PP und zurück, schulterten dabei einiges an Eiszeit. Auch hier bleibt abzuwarten, wie das in intensiveren Phasen hält, allerdings würden weitere Neuzugänge nicht überraschen.
Auffälligkeiten in der Liga
Was sich schon in der Vorbereitung abzeichnete: Mit dem Top-PP-Block der Vienna Capitals ist nicht gut Kirschen essen. Nick Bailen, Linden Vey, Jeremy Gregoire, Shane Gersich und Andreas Lilja brauchten für ihre vier Überzahl-Tore in Innsbruck gesamt 66 Sekunden!
Während Olympija Ljubljana zum Saisonauftakt wie im Vorjahr aus allen Rohren schießt (5:3 & 6:2 bei ihrem Ungarn-Roadtrip), schaut's bei Red Bull Salzburg dagegen düster aus. Die beiden CHL-Niederlagen (3:6 in Växjö und 0:5 in Rögle) konnten noch mit der Stärke der Gegner erklärt werden, aber das Defensiv-Verhalten ging in der Liga nahtlos weiter: 1:7 gegen den KAC und 3:6 in Bozen.
Beispielhaft für das desolate Auftreten der erste Treffer der Roten Bullen: Der riesenhafte Isaac Ratcliffe hätte vor seinem Abschluss noch einen Meldezettel für den Slot ausfüllen können. Kann Neo-Coach Alan Letang sein Team aus diesem Loch herausführen?