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Kommentar: Was bleibt von der ICE-Saison 2021/22?

Meister Salzburg? Verdient. Corona-Management? Wackelig. Neue Kaderregelung? Abwarten.

Kommentar: Was bleibt von der ICE-Saison 2021/22? Foto: © GEPA

Am Montagabend holte sich der EC Red Bull Salzburg zum siebenten Mal in der Vereinsgeschichte die "Karl Nedwed Trophy".

Damit ist eine ereignisreiche Spielzeit zu Ende, auf die mit gemischten Gefühlen zurückgeblickt werden muss.

Im zweiten Jahr in Folge war das Liga-Geschehen durch die Corona-Pandemie beeinträchtigt, das Krisen-Management klappte in vielerlei Hinsicht nicht einwandfrei. Mit den "Eisbullen" gibt es einen verdienten neuen Meister, zudem wurde eine neue Kaderregelung, die ab kommender Saison greift, eingeführt.

In den Playoffs konnten die in- und ausländischen Hallen wieder gefüllt werden, außerdem läuft die heimische Liga seit März unter einem neuen Namen.

Was bleibt nun von der Saison 2021/22 der win2day ICE Hockey League?

Neuer Ligasponsor mit hochgesteckten Zielen

Zuallererst der neue Liga-Sponsor. Etwas überraschend wurde vor den erstmals ausgetragenen Pre-Playoffs bet-at-home als Titelsponsor ausradiert, das größte Glücksspielunternehmen Österreichs findet sich seit März für die kommenden drei Saisonen im Namen wieder.

Die gemeinsamen Ziele sind hoch gesteckt. Das österreichische Eishockey soll "neue Impulse" erhalten, das internationale Ligaprojekt weiter vorangetrieben werden. Inwieweit dies passieren soll, wurde bislang nicht konkret verlautbart.

Dem Wunsch jedes einheimischen Eishockey-Fans, den Nachwuchs von klein auf zu fordern und fördern, wird zumindest vorerst wohl nicht nachgegangen.

Kaderregelung: Ein Schritt in die richtige Richtung

Allerdings sorgten die ICE-Bosse mit einem im Jänner veröffentlichten Beschluss dafür, dass ab 2022/23 vermehrt auf einheimische Cracks gesetzt werden soll.

Kein lästiges Punktesystem mehr, in dem schnell der Überblick verlorengehen kann. Laut der neuen Kaderregelung müssen am Spielbericht pro Team zwölf für das österreichische Nationalteam spielberechtigte Spieler stehen, bei zwei davon muss es sich um U24-Cracks handeln.

An sich ein durchaus lobenswerter und längst überfälliger Schritt, das ÖEHV-Nationalteam endlich langfristig fördern zu wollen.

Aber: Wieviele österreichische Klubs können es sich tatsächlich erlauben, auf maximal zehn Legionäre zu setzen, und weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben?

Aber: Nachzügler werden Nachzügler bleiben

Mannschaften wie Graz, Innsbruck oder Dornbirn reizten die veraltete Punkteregelung regelmäßig bis zur äußersten Grenze aus, mehr als ein solider Mittelfeld-Platz wurde jedoch nie erreicht. Besserung ist durch die neue Regelung jedenfalls keine in Sicht, dafür sind die finanziellen Mittel bei den angeführten Teams schlichtwenig zu gering.

Allerdings setzten heuer auch der VSV, die Vienna Capitals und Meister Red Bull Salzburg auf mindestens elf Legionäre. 

Einzig der KAC blieb seiner Linie treu und beließ es bei sechs ausländischen Spielern. Da stellt sich jedoch schon die nächste Frage: Wie wirkt sich das Viertelfinal-Aus auf den Kader aus? Ein großer Umbruch wurde bereits angekündigt, wie wird dieser aussehen?

Mehr Legionäre? Mehr Eigenbau-Spieler integrieren? Was passiert mit den in die Jahre kommenden Österreichern? General Manager Oliver Pilloni ist in der langen Off-Season wahrlich nicht zu beneiden.

Salzburgs All-In war nicht jedermanns Sache

Beim Meister aus der Mozartstadt wurden dagegen schon die ersten Weichen gestellt - und das bereits im vergangenen Sommer. Da wurden zahlreiche Spieler, unter anderem Dominique Heinrich, Peter Schneider sowie das ehemalige Capitals-Trio Ty Loney, Benjamin Nissner und Ali Wukovits langfristig an den Klub gebunden.

Speziell für die Verpflichtung der Wiener Spieler mussten sich die "Eisbullen" viel Kritik gefallen lassen. Caps-GM Franz Kalla holte sogar zum Rundumschlag aus und nahm auch den VSV nicht aus der Schuld. Nicht zu unrecht, doch trotz aller Widrigkeiten stießen die Donaustädter bis ins Halbfinale vor.

Dort scheiterten sie just an ihren Ex-Spielern, die zudem den historischen Playoff-Sweep der Capitals aus der Saison 2016/17 egalisierten. Alleine aufgrund dieser Tatsache ist Salzburg ein verdienter Meister, wenngleich dies nur geschah, weil das Geldbörserl sperrangelweit geöffnet wurde.

Spieler der Qualität eines T.J. Brennan kann sich vermutlich nur Salzburg leisten. Mit Schneider einen ehemaligen Liga-MVP aus dem Ausland zurück in die Heimat locken? Dafür braucht es neben sportlichen auch andere Gründe.

Das Tüpfelchen auf dem i war schließlich Playoff-Leihgabe Brian Lebler. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war der Meistertitel für Salzburg gebucht. Dass der nun zweifache Liga-Meister wieder nach Linz zurückkehrt, zeugt immerhin von Treue - in guten wie in chaotischen bis miserablen Zeiten.

Meistertitel nichts Besonderes? Von wegen!

Aber Salzburg hat es endlich wieder geschafft, ein Kollektiv zu bilden. Herausragende Einzelspieler gibt es an der Salzach seit jeher zu bewundern, eine zusammengewachsene Einheit war seit dem Meistertitel 2016 jedoch nicht mehr zu erkennen.

Freilich war es hilfreich, dass insbesondere die Österreicher sich seit langer Zeit entweder aus dem Nationalteam oder aus gemeinsamen Zeiten bei Ex-Klubs kennen. Allerdings wurde auch bei den Legionären die richtige Mischung gefunden, auch bei den nachträglichen Verpflichtungen war kein Griff ins Klo dabei.

Head Coach Matt McIlvane wurden alle Mitteln zur Verfügung gestellt, um sich einerseits einen Titel in die persönliche Vita zu schreiben, andererseits um die "Karl Nedwed Trophy" wieder nach Salzburg zu holen. Neutralen Beobachtern, die daher an diesem Meisterstück nichts Besonderes sehen, muss widersprochen werden. 

Es war besonders, Cracks wie Brennan, Tolvanen oder Schneider in der Liga spielen sehen zu dürfen. Es war besonders, wie Salzburg von Spiel zu Spiel immer mehr zu einer Einheit zusammenwuchs. Es war besonders, wie junge Farmteam-Talente gefördert wurden und ebenfalls zu Eiszeit kamen - auch in den Playoffs.

Es war besonders, den Playoff-Sweep mitanzusehen. Zwölf Siege in zwölf Spielen - klar, Fans der Capitals werden jetzt noch mehr Gründe haben, gegen die Red Bulls zu schießen. Aber: Machen solche Rekorde nicht den Sport aus? Rekorde sind schließlich da, um gebrochen/egalisiert zu werden.

Rekorde sind der höchste aller Maßstäbe, ein Zeichen von bedeutendem Erfolg. Und einen solchen hat Salzburg in dieser Spielzeit geleistet. Jeglicher Corona-Widrigkeit wurde getrotzt und als einziges Team der Liga zeigte man stetige Konstanz.

Corona ließ die ICE-Bosse wanken

Über die ICE-Bosse kann das aber leider nicht gesagt werden. 

Schon vor der Saison schoss sich die Liga mit einer fragwürdigen Corona-Klausel, deren Akzeptanz durch die Spieler essenziell war, ins Aus.

Nochmal grob zusammengefasst: Die Cracks mussten im Falle einer Corona-Infektion auf jegliche Rechtsansprüche gegenüber der Liga verzichten - selbst wenn der ICE ein (Mit-)Verschulden daran zugesprochen werden könnte.

Die SpielerInnen-Gewerkschaft "UNION" riet den Akteuren, die Klausel, welche laut Präsident Jochen Pildner-Steinburg bereits in der Vorsaison in identer Form existierte, nicht zu unterschreiben. Lange wackelte der Saisonstart, ehe mit den Spielern doch noch eine Einigung erzielt werden konnte.

Allerdings nicht mit jedem, denn die Capitals entließen aufgrunddessen Shawn Lalonde noch vor seinem ersten Pflichtspiel-Einsatz wieder.

Über Strafverifizierungen und Wettbewerbsverzerrung

Insgesamt ist das Corona-Management der Liga im zweiten Jahr der Pandemie kritisch zu bewerten. Anders als 2020/21 war eine vorübergehende Aussetzung des Spielbetriebs kein Thema, besonders als die Omikron-Welle über Österreich schwappte, wurde diese von vielen Seiten vehement gefordert.

Von Wettbewerbsverzerrung war da oftmals die Rede, da Klubs teilweise mit dem absoluten Minimum an erlaubten Spielern antreten mussten. Tat man dies nicht, erklärte sich, der eigenen Gesundheit zur Liebe, als "unfit to play", hagelte es fragwürdige Strafverifizierungen.

Als erstes hat es die Caps getroffen, die umgehend gegen die Liga polterten. Das Argument der ICE? Wofür habt ihr ein Farmteam? Zieht doch Spieler hoch, die in der Alps Hockey League soeben erst von einer langen Busreise zurückkamen und lasst sie spielen. Freilich passierte dies nicht in diesem Wortlaut, allerdings wurde es klipp und klar so dargestellt.

Während die Wiener erfolglos Protest einlegten, eine weitere Corona-Welle in den Viertelfinal-Playoffs gegen den KAC sogar zu ihrem Vorteil nutzten und das "Wunder von Kagran" heraufbeschwörten, wurde jenem des HC Bozen erst vorübergehend stattgegeben, dann nach weiteren Beratungen wieder abgelehnt.

Letzten Endes wurde eine von zahlreichen Corona-Absagen durcheinandergewirbelte Grunddurchgangs-Tabelle herangezogen, die manch ein Team noch in die (Pre-)Playoffs hievte, im Falle des HC Innsbruck aber das direkte Saison-Aus bedeuten sollte.

Dadurch hat sich die Liga selbst in ihrer Integrität geschadet. Daraus sollten nun auch die richtigen Lehren gezogen werden, denn es stehen neue Herausforderungen bevor.

Größte Herausforderung? Die Fans!

Die Rückkehr zu (teilweise) vollen Hallen war in den Playoffs ein unglaubliches Gefühl. Allerdings wendeten sich auch zahlreiche eingefleischte Anhänger ab, auch aufgrund der bestehenden Corona-Regelungen.

Hier müssen Liga und Klubs im Verbund ansetzen, denn viele Vereine sind von den Zuschauerneinnahmen extrem abhängig. Zwar herrscht derzeit noch eine Pandemie, die Chance besteht jedoch, dass nach dem kommenden Sommer die Pandemie zur Endemie wird.

Dadurch könnten weitere Lockerungen bzw. im Idealfall sogar der Wegfall aller Maßnahmen festgelegt werden. Und dann heißt es, die wohl größte Challenge zu meistern: Die Menschen wieder in Massen in die Halle zu locken.

Auch in Bratislava, wo nach den tragischen Todesfällen von Angreifer Boris Sadecky und Geschäftsführer Dusan Pasek weiter tiefe Trauer herrscht.

In diesem Sinne: Ruhet in Frieden!


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