So verändert die Coronakrise die DEL

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Die DEL startet heute als letzte der großen europäischen Eishockeyligen in ihre Saison.

Wo andere Ligen trotz aller Widrigkeiten schon im September ihren Spielbetrieb aufnahmen, ließ sich die DEL Zeit. Lange sah es nicht nach einer Spielzeit aus, dann zeichnete sich eine Rumpfsaison mit zehn Teams ab. Aus einer Vielzahl an Gründen kam es dann aber doch noch zum Umdenken bei allen 14 Mannschaften.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller wirft einen Blick auf die Parameter der anstehenden Spielzeit:

Das liebe Geld:

Lange musste die Liga überhaupt darum bangen, irgendetwas vom Staat zu bekommen. Von den 60 Millionen Euro, die DEL-Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Arnold als möglichen Verlust klassifizierte, kann man natürlich weiter nicht sprechen, aber immerhin: Die riesengroßen Hürden zur Profisportförderung für 2020 wurden nach und nach abgebaut, bis zu 800.000 Euro pro Team (Red Bull München verzichtete auf eine Antragstellung) sollen fließen. Die gleiche oder eine gar noch weit höhere Summe zeichnet sich auch für 2021 ab. Vor allem für kleinere Teams wie Augsburg, Straubing oder Iserlohn, die sich lange zierten, sollte das zum Überleben reichen.

Dazu kommt noch, dass Sponsoren nicht im gleichen Ausmaß absprangen wie befürchtet, darüber hinaus werden einige Gesellschafter noch mehr als bisher Löcher am Ende der Saison abdecken. Das sprichwörtliche blaue Auge wird angestrebt und erscheint auch möglich…

Die Gehälter:

Schon im Sommer wurde quer durch die Liga ein Gehaltsverzicht ausgehandelt – Leitplanke dabei war 25 Prozent. In späterer Folge schwappte dann noch eine zweite Welle durch mehrere (längst nicht alle) Teams. Insider gehen davon aus, dass die Spielergehälter gegenüber der Vorsaison insgesamt um ca. 40 bis 50 Prozent gesunken sind, einige Teams (vor allem die Kölner Haie) leisten sich nur einen Minimalkader. Köln etwa staffelte die Kürzungen je nach Gehaltsstufen: Wer ursprünglich sechsstellig verdiente, sackte auf 60 Prozent seines Lohns ab, Spieler unter 48.000 Euro wurden nicht gekürzt.

Nicht alle Cracks gaben ihr Einverständnis – und das war natürlich notwendig – zu diesen Kürzungen. Ingolstadt-Goalie Timo Pielmeier etwa sagte dezidiert „Nein“ und wurde so zu einem gut bezahlten Spaziergänger. Nürnberg-Goalgetter Jack Skille löste seinen Zwei-Jahres-Vertrag auf und heuerte stattdessen in Salzburg an. Die Ice Tigers ihrerseits verpflichteten als Ersatz Luke Adam, der sich zuvor noch in Düsseldorf eine schöne Abfertigung sicherte.

Ein Team wie Ingolstadt, das lange am Transfermarkt untätig war, konnte dann im Laufe des Herbstes arbeitslose Legionäre zu Diskontpreisen aufsammeln. Sportmanager Larry Mitchell – wie immer proaktiv – musste nur seine stets aktuell gehaltene Liste abarbeiten.

Gehälter von 30.000 bis 40.000 Euro (netto), für die sich bisher in dieser Liga so gut wie kein Legionär umgezogen hatte, gelten nun als gutes Geld, Spieler die jetzt noch verpflichtet werden, werden überhaupt nur noch pro Monat bezahlt.

Als bisher einzige europäische Liga übernahm die DEL von der IIHF die späte Transferdeadline 1. März.

Der Spielplan:

Die Liga wird in zwei Gruppen zu je sieben Teams unterteilt, vorläufig bleibt man noch unter sich. Nach diesen 24 Spielen soll dann auch noch einmal überregional gespielt werden, das ergäbe insgesamt 38 Spiele pro Team.

Da gehört aber natürlich großer Optimismus dazu, denn der Spielplan ist durch den späten Beginn natürlich äußerst eng getaktet. Und ein Blick über oder sogar innerhalb der Grenzen zur DEL2 hat gezeigt: So gut wie jedes Team muss Corona-bedingt oft Wochen pausieren, manchmal sogar die ganze Liga. Als Untergrenze für einen regulären Saisonbetrieb gilt die Hälfte des Spielplans, d. h. das Playoff-Feld (jeweils die ersten vier Teams jeder Gruppe) könnte nach 19 Partien feststehen. Die Tabelle wird – im Gegensatz etwa zur ICE – per Punkteschnitt pro Team geführt.

Antreten mit Rumpfmannschaften

Die DEL hätte es durch den späten Beginn eigentlich leicht: Was funktionierte bis jetzt in den anderen Ligen und was nicht? Umso überraschender kommt es, dass die Liga auf ein Antreten eines Teams besteht, wenn es zehn Spieler aufbieten kann (außer es handelt sich eine behördlich angeordnete Quarantäne). Diese Regel überlebte in der ICE nicht einmal das Startwochenende und sorgte auch in der DEL2 bei Landshut für verständliche Aufregung, zu unterschiedlich sind schließlich die regionalen Gesundheitsbestimmungen. Es würde nicht überraschen, wenn diese Regel im Laufe der Saison nachjustiert wird. Bei drei Coronatests pro Woche werden sich die Kader fast täglich ändern.

Ein Lineup wie bei Düsseldorf, das zum Auftakt des Magenta-Cups (Vorbereitungsturnier mit acht Teams) mit einem verstärkten Juniorenteam in Wolfsburg 0:7 unterging, kann ja auch nicht im Sinne des Wettbewerbs sein und ist auch nur so lange akzeptabel, bis man selbst davon betroffen ist.

Wie sieht man die Spiele?

(Vorläufig) nicht vor Ort. Die Zuschauerkonzepte, die mühsam ausgearbeitet wurden, waren schnell vom Tisch, leere Hallen sind die traurige Realität, nicht einmal Agenten oder Scouts sind zugelassen. Nicht verwunderlich etwa, dass die Kölner Haie damit liebäugelten, ihre Heimspiele in der Trainingshalle zu spielen anstatt die riesige Lanxess Arena zu betreiben. Was aber für den Spielbetrieb ausgereicht hätte, wäre im TV gar nicht gut rübergekommen.

Wie fast alle Ligen wurde die DEL auch zu einer reinen TV- bzw. Streaming-Liga. So gut wie jeden Tag ist ein Spiel angesetzt, Ligasender Magenta überträgt alles. Steigen die Abozahlen dementsprechend an? Und für das Leben nach Corona: Wie viele Fans wenden sich vom Eishockey ab? Vor allem die kleinen und lokal stark verankerten Teams machen sich da weniger Sorgen als die Mannschaften in Großstädten mit einem breit gefächerten Freizeitprogram…

Sorgenkind Krefeld

Die Vorgangsweisen von 13 Teams waren meist nachvollziehbar. Die Krefeld Pinguine aber konnte man nur mit dem gleichen Unverständnis beäugen wie ein Pennäler, der bei einem Schulausflug moderne Kunst begutachten soll. Ein Schweizer Unternehmen, das den Verein übernahm, aber nie vor Ort ist? Ein Coach, der entnervt Reißaus nahm? Ein 24-jähriger Lette, der als Mädchen für alles schließlich sogar zum Geschäftsführer aufstieg? Ein Kader, der erst auf obskure Russen aufgebaut war, im Laufe des Sommers aber mittels Übersee-Leihgaben auf mehr als 30 Spieler anwuchs, ehe sich einige Leistungsträger aufgrund des Chaos nach und nach vom Hof machten?

„Hereinspaziert, hier sehen Sie Attraktionen, die Sie noch nie gesehen haben“, so das Jahrmarktsmotto für die Pinguine. Überregionale Betrachtung erfuhr das ganze Spektakel erst, als die Spieler das Warmup bei einem Magenta-Cup-Spiel bestreikten um so endlich die ihnen zustehenden Kurzarbeitsgelder zu bekommen.

Anzunehmen, dass da in Krefeld noch einiges nachkommt, langweilig wird es sicher nicht. Sportlich dürften Red Bull München und die Mannheimer Adler, die beide bei Bedarf auch noch nachlegen können, weiter dominieren, doch für Überraschungen sollte aufgrund der unterschiedlichen Vorbereitungen mehr Platz als sonst sein. Ob sich der verspätete Start (zwei Monate nach der DEL2) auszahlt oder ein Schlag ins Kontor war, werden die nächsten Wochen zeigen…

Textquelle: © LAOLA1.at

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