"Ein Leben ohne Tennis kenne ich gar nicht"

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Geschichte hat Felix Auger-Aliassime trotz seiner gerade einmal 19 Lenze bereits öfters geschrieben:

Als erster Spieler eines 2000er-Jahrgangs schaffte es der junge Kanadier, der in der kommenden Woche auch bei den Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle dabei sein wird, im Frühjahr in die Top 50 der Herren-Weltrangliste.

Im August knackte er kurz nach seinem 19. Geburtstag erstmals die Top 20. Am Montag rückte er im ATP-Ranking auf Position 17 vor und verbesserte sein Career High damit erneut ein Stückchen.

Der steile Aufstieg in dieser Saison kommt für viele Experten allerdings alles andere als überraschend. Schon seit einiger Zeit gilt der ob seines etwas schwierig auszusprechenden Namens oft als "FA2" bezeichnete Kanadier als eine der heißesten Tennis-Aktien der Zukunft.

Erste Aufmerksamkeit erhielt er in der breiten Öffentlichkeit, als er sich mit bereits 14 Jahren als jüngster Spieler aller Zeiten für den Hauptbewerb eines Challenger-Turniers qualifizierte.

Geht es nach den Meinungen der meisten Tennis-Fachleute sollen dies jedoch nur die ersten kleinen Schritte zu noch viel größeren historischen Meilensteinen gewesen sein. Auger-Aliassime wird als "The Next Big Thing" und würdiger Nachfolger von Tennis-Gentleman Roger Federer gehandelt.

Viel Lob von Andy Roddick

So gilt beispielsweise der ehemalige US-Star Andy Roddick als großer Fan des Kanadiers: "Ich schaue bei einem Tennis-Spieler immer nach der einfachen Kraft ("Easy Power"). Die meisten Typen auf der Tour können richtig hart den Ball schlagen, wenn sie wollen. Die ganz, ganz Großen wie Roger machen das anders. Bei denen fliegt der Ball vom Racket einfach wie eine Rakete weg. Das kann man im TV vielleicht nicht so gut erkennen, aber Felix scheint auch diese Art von leichter Kraft zu haben. Die Technik scheint bei diesen beiden sehr ähnlich zu sein."

Der US-Open-Sieger von 2003 erwartet sich einiges von "FA2": "Erst ist noch sehr jung und hat noch viel Raum für Verbesserungen. Seine Beinarbeit wird noch besser werden und er wird mit Sicherheit noch mehr Kraft bekommen. Und dabei ist er eh schon sehr stark in diesen Dingen", hat Roddick für den Youngster viele Vorschusslorbeeren parat.

"Erwartungen zu erfüllen ist immer schwierig"

"Die Erwartungen zu erfüllen ist immer schwierig", weiß der hochgehypte Shooting-Star, dass an derartigen Situationen schon so manches große Talent zerbrochen ist. "Die Leute sagen, dass ich einmal sehr gut werden kann, die Matches dazu muss ich aber erst einmal gewinnen."

"Ich habe hohe Erwartungen an mich selbst und will mich eigentlich gar nicht so viel mit den Gedanken der anderen Menschen beschäftigen. Ich bin sehr streng mit mir selbst und auch sehr diszipliniert. Diesen Weg muss ich weitergehen", erklärte Auger-Aliassime bei einem Pressetermin mit österreichischen Journalisten in seiner Wahlheimat Monte Carlo bei dem auch LAOLA1 mit dabei war.

Dies gelang dem Youngster in dieser Saison bislang recht konsequent: Dank seines Final-Einzugs beim ATP-500-Event in Rio und dem überraschenden Halbfinal-Einzug beim ATP-1000-Turnier in Miami knackte "FA2" die Top 30. Auf europäischem Sand zog er in Lyon ins Endspiel ein. In der Rasen-Saison überzeugte er mit dem Final-Einzug in Stuttgart sowie dem Halbfinale im Londoner Queen's Club - dabei bestritt er in Stuttgart überhaupt erst sein erstes Turnier auf Rasen.

"Seit Südamerika ist alles sehr schnell gegangen. Ich habe mich aber trotzdem Schritt für Schritt verbessert und auch hart dafür gearbeitet", Auger-Aliassime, der dank seiner Erfolge der jüngste Dreifach-Finalist auf der ATP-Tour seit Rafael Nadal ist.

Bodenständiges Elternhaus

"Ich habe mich in den letzten sechs bis zwölf Monaten stark gesteigert und vor allem beim Aufschlag und beim Volley viel verbessern können. Ich glaube, dass ich mir das verdient habe und ich glaube auch, dass es noch weiter nach oben gehen wird", sagt der selbstbewusste Kanadier, der weiterhin darauf bedacht ist, den zweiten Schritt nicht vor den ersten zu setzen. "Ich will mich nicht zu sehr unter Druck setzen. Ich bin jetzt in den Top 20 will mich weiter den Top 10 nähern."

Seine Bodenständigkeit verdankt der sympathische Kanadier laut eigener Einschätzung vor allem seinem Elternhaus.

Vater Sam Aliassime, ein Tennis-Trainer, stammt aus Togo, seine Mutter Marie Auger aus Quebec. Nach der Geburt in Montreal wuchs der kleine Felix in einem Vorort von Quebec City auf. Und bekam schon im zarten Alter von nur vier Jahren seinen ersten Tennis-Schläger in die Hand gedrückt.

Liebe zur Musik

"Ich kenne ein Leben ohne Tennis gar nicht", schmunzelt der Youngster, der allerdings nicht wie manche andere Tennis-Kinder von klein auf Richtung Profi getrimmt wurde. "Meine Mutter hat gar nichts mit Sport zu tun. Deshalb hatte ich da immer eine gute Balance zwischen Sport und Bildung", so Auger-Aliassime, der als Kind auch eine Piano-Ausbildung erhielt.

"Es hat mir Spaß gemacht. Wenn ich nicht Tennis gespielt hätte, hätte ich vielleicht sogar weiter Musik gemacht. Tennis hat aber damals schon viel Zeit in meinem Leben eingenommen. Deshalb habe ich damit aufhören müssen. Vielleicht fange ich nach meiner Tennis-Karriere wieder damit an."

Musik besitzt aber weiter einen wichtigen Bestandteil im Leben des jungen Felix. "Ich mag Musik und nutze sie zur Entspannung, um einmal vom Sport abschalten zu können. Wenn ich zu Hause bin, setze ich mich auch heute noch ans Piano und spiele ein bisschen."

Vorbild Roger Federer

Folgt dem Tennis-Maestro nun also der Tennis-Virtuose? Eine Scheibe abschneiden will sich Auger-Aliassime beim Schweizer Ausnahme-Athleten in jedem Fall: "Roger ist ein großartiges Vorbild. Er ist trotz seiner unglaublichen Erfolge extrem bescheiden und der gleiche Mensch geblieben", zieht er den Hut vor dem in allen Kreisen anerkannten und beliebten Superstar mit dem er übrigens auch den Geburtstag am 8. August teilt.

"Roger kann für jeden ein gutes Vorbild sein und ich versuche auf jeden Fall, ähnlich wie er aufzutreten und ich hoffe, dass ich auch ein gutes Beispiel für die Kinder sein kann."

Korb für John McEnroe

Bei aller Bescheidenheit ist Auger-Aliassime allerdings auch kein unbedarfter Ja-Sager, der um jeden Preis jedem gefallen will. Das musste auch US-Legende John McEnroe anerkennen. Dieser wollte den Kanadier in seiner Funktion als Kapitän von Team Welt zum Laver Cup nach Genf holen. "Big Mac" kassierte allerdings eine Absage.

"Ich wollte ihn ins Team holen, er sagte aber ab. Sein Trainerstab und sein Manager wollen, dass er stattdessen in Chengdu spielt“, erzählte McEnroe über seinen missglückten Anwerbungsversuch.

"Ich habe mich entschieden, mich auszuruhen und zu trainieren. Ich bin noch jung und viele Leute wollen mich in ihre Events einbringen. Ich habe noch keine Titel gewonnen und ich bin noch nicht so erfahren auf Tour. In meinem ersten Jahr auf der Straße fand ich es logischer, ATP-Turniere zu spielen und mich weiterzuentwickeln", erklärte Auger-Aliassime den Korb für McEnroe.

Respekt vor Dominic Thiem

Gemeinsam mit Dominic Thiem ist der Kanadier in der kommenden Woche einer der größten Stars beim Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle.

Von Österreichs Tennis-Ass hat er eine hohe Meinung: "Dominic ist einer der besten Spieler der Welt. Er spielt sehr aggressiv und konstant und kann auf allen Belägen sehr stark spielen. Das ist alles andere als leicht, auf jedem Untergrund sein bestes Tennis zeigen zu können. Es ist wirklich beeindruckend, was er schon geleistet hat."

Gegen ein Stadthallen-Finale Thiem gegen Auger-Aliassime hätten wohl die wenigsten etwas einzuwenden. Nicht auszuschließen, dass es derartige Endspiele in Zukunft auch einmal auf Grand-Slam-Ebene geben könnte. Wien wäre doch ein schöner Beginn einer großen Rivalität.

Textquelle: © LAOLA1.at

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