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Melzer nach Davis-Cup: "Kann nicht stolzer da draußen sitzen"

Auch heuer gelang dem ÖTV-Team der sensationelle Einzug ins Final 8. Der Kapitän überhäuft sein Team mit Lob.

Melzer nach Davis-Cup: "Kann nicht stolzer da draußen sitzen" Foto: © GEPA
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Österreichs Davis-Cup-Team hat das scheinbar Unmögliche möglich gemacht.

Trotz der Absage zweier belgischer Top-40-Spieler war Belgien im Wiener Prater immer noch Favorit gewesen, doch Jurij Rodionov mit zwei Punkten und das Doppel Lucas Miedler/Neil Oberleitner sorgten vor 4.000 Fans für den 3:1-Heimsieg. Einmal mehr ist die Truppe von Jürgen Melzer über sich hinausgewachsen. Ohne Top-100-Mann steht man wieder im Final 8 in Bologna, ein Zeichen der Stärke des Teamspirits.

Rodionov: "Mr. Davis Cup ist Jürgen, vielleicht kann ich der Prinz werden!">>>

"In dem Bewerb geht es nicht immer nur um Topspieler. Da geht es um Spieler, die bereit sind, alles zu geben", erklärt Melzer, der selbst leidenschaftlicher Davis-Cup-Spieler und auch ÖTV-Rekordmann ist.

"Sie haben diese Wochen jedes Jahr fix in ihrem Turnierkalender drinnen. Mit Leidenschaft geht viel. Ich kann als Kapitän nicht stolzer da draußen sitzen. Das ist so viel wert, wenn du jemand dabei hast, der über seine Grenzen hinausgeht."

Spaß, Leidenschaft und Teamspirit als Schlüssel

In Zeiten eines Dominic Thiem, der freilich oft auch nicht zur Verfügung gestanden ist, oder auch Melzer selbst ist Österreich einmal in ein Viertelfinale (2012 mit Melzer) eingezogen. Nun zweimal en suite. Für ein so kleines Land in einer Weltsportart ist das sehr bemerkenswert.

Ein Geheimnis jener Mannschaft, die dieses Jahr nach einem 3:2-Sieg in Japan und im Vorjahr nach einem unerwarteten 3:2 in Ungarn weitergekommen war, ist der spürbare Teamgeist und auch jede Menge Spaß. Immer wieder erwähnen Rodionov, Lukas Neumayer und Stimmungskanone Miedler, wie sehr der "Schmäh" rennt in der Mannschaft. Alle sind auf Augenhöhe, keiner ragt besonders heraus.

Und dies ist die Basis für Phänomene: Allen voran aktuell jenes von Rodionov. Nicht zum ersten Mal wurde er nach einem tollen Auftritt für Rot-weiß-rot gefragt, warum ihm dies nicht öfters auf der Tour auch gelingt.

"Ich versuche das seit Jahren zu klären. Das ist ein Baustein, den ich finden muss. Ich bin mal froh, dass ich dem Team zwei Punkte geben konnte." Den Trip nach Frankreich kommende Woche hat er sicherheitshalber gestrichen. Ein Hartplatz-Challenger in der Fremde unmittelbar nach einem Tennisfest wollte er sich nicht antun.

Straka: "Home-and-Away ist einfach Davis Cup"

Veranstalter Herwig Straka ist das Risiko eines Freiluft-Davis-Cups eingegangen und hat ein finanzielles Minus verbucht. Dennoch war der 60-jährige Steirer zufrieden. "Wir hätten an beiden Tagen ein volles Haus gebraucht, damit wir Pari aussteigen. Es ist okay, wir haben es gewusst, wir sind sehr zufrieden, uns taugt es hier voll", sprach er über die WAC-Anlage im Wiener Prater.

Der auch im ATP-Tour-Board sitzende Turnierboss des Stadthallenturniers wünscht sich den guten alten Davis-Cup-Modus zurück, also weg vom Final 8 mit wieder weit mehr Heim- und Auswärtsspielen, auch in den entscheidenden Phasen. "Man hat gelernt, dass die Idee von Cosmos nicht funktioniert."

Es habe in der Vergangenheit schon öfters Investoren gegeben, die die Welt neu erfinden wollten. "Jetzt gehen wir mühevoll den Weg wieder zurück. Und Home-and-Away ist einfach Davis Cup. Deswegen ist die Frage, ob man statt diesem Final 8, das zurzeit für die ITF noch finanziell wichtig ist, andere Wege findet."

Keine Zukunft für das Final 8?

Für Straka wäre eine Rückkehr auch zu drei Tagen und eventuell auch "best of five" durchaus Thema. Der Vertrag mit dem Final 8 läuft noch bis 2027, danach will sich auch der Tennis-Weltverband etwas Neues überlegen, weiß Straka. "Die haben die Verbände im Nacken, die auch Heimspiele wollen. Das ist auch das einzige, wo Tennis im eigenen Land lebt, wenn du kein ATP-Turnier hast, wir haben ja Gott sei Dank zwei." Er schätzt, dass etwa 20 Länder ATP-Turniere austragen, 174 spielen Davis Cup.

Große Zuschauermassen wie einst im Praterstadion wären freilich auch erst in späteren Phasen möglich, wo auch größere Stars kommen könnten. "Davis Cup ist ein Produkt, das die Leute wieder kennenlernen müssen. Die Generation davor hat es gekannt, als es erfolgreich war, und die haben die Karten gekauft, egal gegen wen. Leider hat Cosmos da sehr viel zerstört, jetzt musst du es wieder mühevoll aufbauen", sagt Straka.

Bei den Reformgedanken wolle man auch berücksichtigen, dass Nationen jedes Jahr ein garantiertes Heimspiel haben sollen. "Wir hatten zuletzt statistisch Glück mit Heimspielen." Das Final 8 hat aus seiner Sicht keine Zukunft. "In Italien ist derzeit viel Geld da. Da spielen acht Nationen, wovon zumindest vier keine Zuschauer bringen."

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