"Mr. Davis Cup ist Jürgen, vielleicht kann ich der Prinz werden!"
Die Davis-Cup-Party im Wiener Prater kommt mit dem Sieg von Jurij Rodionov zu einem erfolgreichen Ende. Die Krönung zum Davis-Cup-Prinzen könnte in Bologna folgen.
von Florian Malcher
Österreich fährt zum "Final 8" nach Bologna!
Jurij Rodionov macht mit seinem Sieg über Zizou Bergs die Sensation perfekt und schickt das ÖTV-Team zum Davis-Cup-Finale nach Bologna. Dieses steigt von 24. bis 29. November.
Davis Cup: Rodionov sichert Österreich Ticket für "Final 8"
"Für mich selber, für mein Team, für mein ganzes Land"
Der siegreiche Wahlwiener hat sich schwer getan seine Emotionen in Grenzen zu halten: "Es ist schwer, in Worte zu fassen, wie ich mich gefühlt habe. Ich wollte einfach unbedingt gewinnen. Für mich selber, für mein Team, für mein ganzes Land. Das war meine oberste Priorität. Ich habe versucht, mich zusammenzureißen, fokussiert zu bleiben, mental 'tough' zu sein und einfach immer weiterzukämpfen."
Davis-Cup-Kapitän Jürgen Melzer ist voll des Lobes für seine Mannschaft und schwärmt davon, wie sich der Tag entwickelt hat: "Ich finde, es hat schon unglaublich angefangen. Die Doppel-Jungs haben eine Top-Leistung geboten. Die sind, wenn es wichtig war, immer mit dem besten Tennis gekommen."
Debütant Neil Oberleitner, der gemeinsam mit Lucas Miedler den Tag mit einem Sieg eröffnet hat, bekommt ein Sonderlob: "Man darf nicht vergessen, wir haben einen Debütanten heute im Doppel am Platz stehen gehabt. Er hat zum ersten Mal Davis Cup-Feeling erlebt. So rauszugehen, mit Lukas an seiner Seite, der ihm die nötige Ruhe gegeben hat - da ziehe ich in den Hut. Das kann auch ganz anders sein. Beim Neil war ich vom ersten Punkt an entspannt."
Die Sonderleistung des "Prinzen"
Dass Jurij Rodionov den Top-40 Spieler Bergs schlagen kann wusste er bereits gestern: "Gestern am Abend bei der Matchbesprechung hat uns Jurij so ein gutes Gefühl gegeben. Ich hatte das Gefühl, Bergs ist zwar gut, aber den schlägt er morgen. Und im Endeffekt ist er so am Platz gestanden. Das zeigt auch, welchen Charakter er hat, wie viel ihm das bedeutet."
Der 27-Jährige hat bereits in den vergangenen Monaten und Jahren im Davis-Cup seine Leistung um mehrere Level heben können, wie zuletzt gegen Ungarn und Japan. Hat das ÖTV-Team einen neunen "Mister Davis Cup gefunden"?
"Ich glaube, Mister Davis-Cup bin ich noch nicht, das ist noch immer der Jürgen. Aber wenn ich so weitermache, kann ich vielleicht der Prinz werden", lobt Rodionov seinen Kapitän.
"Eine Frage des Charakters"
Diese Davis-Cup-Momente genießt er in vollen Zügen, wodurch er immer wieder sein Potenzial abrufen kann.
Die Leistungssteigerung erklärt sich der Wahlwiener mit seiner mentalen Einstellung: "Ich denke, das ist auch eine Frage des Charakters oder der Persönlichkeit. Ich gehe mit diesem Druck anscheinend relativ gut um. Ich mag es einfach den 'Pressure' zu haben fürs eigene Land zu spielen."
Das Teamgefüge und das motivierende Miteinander trage dazu bei, die besten Leistungen auf den Platz zu bringen: "Ich weiß, dass ich immer gut vorbereitet bin. Dass ich ein ganzes Team, eine ganze Nation im Rücken habe. Mit dieser Sicherheit spielt es sich einfacher."
Belgien als fairer Gegner
Lobende Worte hat der Punktegarant auch für seinen Gegner, der während des Spiels zur Verzweiflung getrieben wurde:
"Der Zizou ist ein sehr fairer Sportsmann, einer der sympathischsten Spieler auf der Tour. Ich kenne ihn schon seit der Jugend, wahrscheinlich schon seit 15 Jahren. Er ist wirklich ein guter Typ. Nach dem Match in der Kabine habe ich ihn gesehen. Wir haben abgeklatscht und uns umarmt. Er hat mir gesagt, dass es ein guter Fight war, er hat uns gratuliert. Das ganze belgische Team hat sich diese ganze Woche sehr vorbildlich verhalten und war ein guter Gegner."
Erneut hat das ÖTV-Team für eine Überraschung gesorgt. Mit einem Team, dass aktuell über keinen Top-100 Spieler verfügt und auf dem Papier der Außenseiter war.
"Das zeigt einfach, dass die Mannschaft funktioniert. Es zeigt auch, dass wir es immer wieder schaffen mit dem ganzen Betreuerteam rundherum, ihnen Möglichkeiten oder Umstände zu bieten, damit sie ihr bestes Tennis spielen können. Und das zeigt auch, wie gut die Burschen sein können", schwärmt Melzer von seinem Team.
"Wir kriegen es gut hin, dass wir immer das Letzte aus ihnen herauskitzeln. Im Endeffekt reicht es dann jedes Jahr, dass wir zu den besten acht gehören."
Wer fährt nach Bologna?
Ob in Bologna das gleiche Team wieder um Erfolge kämpfen kann ist noch nicht in Stein gemeißelt, aber wahrscheinlich. Davis-Cup-Kapitän Melzer möchte sich noch nicht festlegen: "Das ist eine Frage, die ich jetzt nicht beantworten kann. Ich würde mal sagen, das Team, das hier sitzt, eine ganz gute Chance hat, dabei zu sein. Aber was bis dahin passiert - ich kann in keine Glaskugel schauen."
Das Heimspiel im Wiener Prater verleitet dazu, auch in der Nähe feiern zu gehen. Ob alle Spieler dabei ihren Spaß haben werden, ist ungewiss:
"Jetzt wird einmal hier ein bisschen weiter gefeiert und dann werden wir vielleicht noch in den Prater schauen. Der Neil freut sich, der muss heute alles fahren, was es gibt!", warum nur Neil Oberleitner genannt wurde? "Weil die anderen weniger Angst haben, die fahren sowieso", ergänzt Melzer.
Am Dienstag den 22. September findet die Auslosung zum "Final 8" statt. Dann weiß das ÖTV-Team gegen welche Nation sie zwischen 24. und 29. November antreten dürfen, um möglicherweise ein weiteres Davis-Cup-Märchen zu schreiben.