Thiem-Gegner Bolt: Vom Zaunarbeiter zum Profi

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Mentale Tiefs gehören zum Leben dazu. Wer war nicht einmal schon unzufrieden mit seinem Job oder seinem Leben und hätte am liebsten einmal den Hut draufgehaut und sich eine längere Auszeit genommen?

Auch Tennis-Profis sind vor derartigen emotionalen Krisen nicht gefeit. Vor allem Alex Bolt, Dominic Thiems Zweitrunden-Gegner am Donnerstag (ca 5:00 Uhr MEZ im LIVE-Ticker) bei den Australian Open, hat diesbezüglich einiges zu erzählen.

Mit 27 Jahren ist der 1,83 Meter große Australier nur wenige Monate älter als der Niederösterreicher. Beinahe zeitgleich starteten die beiden in ihre Profi-Karriere, 2012 trafen die beiden auf Future-Ebene aufeinander – jeder konnte jeweils ein Duell für sich entscheiden.

Wege von Thiem und Bolt trennten sich

Doch dann trennten sich die Wege von Bolt und Thiem. Während der Lichtenwörther der Weltspitze des Herren-Tennis entgegen eilte, geriet die Karriere des Australiers ins Stocken. Der heiß ersehnte Durchbruch wollte einfach nicht gelingen.

"Als Kind träumt jeder davon, der nächste Roger Federer oder Rafael Nadal zu werden und um Grand-Slam-Titel mitzuspielen. Und dann verlierst du in der ersten Runde eines Future-Turniers", sprach Bolt im vergangenen Jahr auf "ATP.com" über seine mentalen Probleme, die ihn im Frühjahr 2016 plagten.

"Mir ging es einfach richtig schlecht"

"Es ist unglaublich schwierig, im ATP Ranking nach oben zu kommen. Diese Typen da oben lassen es nur so leicht aussehen. Dann arbeitest du jeden Tag richtig hart und kommst trotzdem nicht weiter. Das ist extrem frustrierend."

"Mir ging es einfach richtig schlecht. Ich habe mich laufend selbst hinterfragt. Warum bin ich hier? Warum spiele ich überhaupt? Wann kann ich endlich heimgehen?", so Bolt, der daraufhin auch die Konsequenzen zog und das Racket an den Nagel hängte. "Ich hätte damals nie daran gedacht, noch einmal zum Schläger zu greifen. Ich brauchte einfach eine Pause."

Hilfsarbeiter für Umzäunung von Sportplätzen

Er arbeitete in Folge als Hilfsarbeiter, der vor allem für die Umzäunung von Sportplätzen eingesetzt wurde. "Das waren lange, heiße Tage. Es kann auch auf dem Tennisplatz richtig heiß werden, aber das war wirklich hart. Nach dem zweiten Tag mit Weckruf um 5.30 Uhr in der Früh hat das keinen Spaß mehr gemacht", gab Bolt zu. Etwas später versuchte er sich bei einer australischen Football-Mannschaft – richtig glücklich wurde er auch damit nicht.

Nach neun Monaten hatte er schließlich genug. Der Ruf seines eigentlich für die Ewigkeit in die Ecke gestellten Tennis-Rackets wurde immer lauter. "Ich bin wieder ins Training eingestiegen und habe von da an jeden Augenblick genossen. Selbst die immer gleichen Übungen, die mir früher so langweilig vorkamen, habe ich plötzlich geliebt."

Sportmärchen wird Wirklichkeit

Anfang 2017 kehrte Bolt zurück auf die Tour und bekam dank starker Leistungen sogar eine Wild Card für die Qualifikation für die Australian Open. Wie in einem Sportmärchen schaffte er aus dieser heraus den erstmaligen Sprung in den Hauptbewerb eines Grand-Slam-Turniers.

"Damit ging ein Lebenstraum für mich in Erfüllung. Da habe ich gewusst, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, wieder zurückzukehren", so Bolt, der sich im Ranking in Folge nach oben arbeitete und heuer erstmals die Top 100 knacken will.

"Vor meiner Pause bestimmte der Tennisplatz mein ganzes Leben. Ich konnte es nicht ertragen, einen Punkt oder gar ein Match zu verlieren. Seit meiner Rückkehr hat sich meine Einstellung verändert", spricht Bolt über seinen Wandel. "Ich suche immer noch den Wettkampf und gebe alles, um zu gewinnen. Wenn ich aber verliere, verliere ich eben. Das ist glaube ich der große Unterschied, warum ich diesen Sport wieder so liebe."

Thiem vor Bolt gewarnt

Sein bisheriges Karriere-Highlight hatte er im vergangenen Jahr bei den Australian Open, als er dank Siegen über Jack Sock und Gilles Simon überraschend die dritte Runde erreichte. Spätestens seitdem gilt Alex Bolt im Melbourne Park als absoluter Publikumsliebling.

"Bolt hat hier in Melbourne eine unglaubliche Rückendeckung" hat auch Thiem den letztjährigen Erfolgslauf mitbekommen und er weiß, was ihn am Donnerstag in der 10.500 Zuschauer fassenden Melbourne Arena erwarten wird.

An Motivation wird es dem Lokalmatador mit Sicherheit nicht mangeln: "Wir Challenger-Typen leben für diese großen Momente. Meine Auszeit hat mich Demut gelehrt. Es hat nicht viel gefehlt und ich würde auch heute noch irgendwo Zäune aufstellen. Jedes Mal, wenn ich auf einem Turniergelände einen Zaun sehe, werde ich daran erinnert."

Textquelle: © LAOLA1.at

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