Thiem: "Will Rückenwind so gut wie möglich nutzen"

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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Das altbekannte Fußballer-Zitat trifft auch auf Dominic Thiem zu.

Nach den US Open ist vor den French Open. Nur zwei Wochen nach seinem historischen Triumph in Flushing Meadows wird Österreichs Tennis-Ass in Paris bereits um den nächsten großen Coup kämpfen.

„Durch die spezielle Situation in diesem Jahr sind die Grand-Slam-Turniere so nah beieinander wie noch nie. Ich versuche den in New York erzielten Rückenwind so gut wie möglich für Paris zu nutzen", hofft Thiem darauf, die Erfolgswelle so lange wie möglich auszunützen.

Vorerst steht aber erst einmal Regeneration auf dem Programm: "Der Körper braucht sicher Erholung, die ich ihm auch geben werde. Ich habe in New York sieben Matches auf sehr hohem Niveau gespielt, deshalb wird die Matchpraxis kein Problem sein."

"Das große Ziel ist es, punktgenau in der ersten Runde bei den French Open wieder voll dazu sein. Das ist mir in New York nach dem verpatzten Match in Cincinnati sehr gut gelungen. Jetzt ist wieder so eine schwierige Situation zu meistern. Es wird nicht einfach werden, genau die richtige Mischung aus Regeneration und Vorbereitung zu finden. Mit der ganzen Erfahrung aus den letzten Jahren hoffe ich aber, dass ich das schaffen werde."

Mental noch viel zu verarbeiten

Körperlich hat Thiem trotz der Strapazen in Flushing Meadows bezüglich der French Open keine Bedenken. "Den Oberschenkeln ging es schon ein, zwei Stunden nach dem Match wieder gut. Die Achillessehne sollte auch spätestens bis Paris wieder bei 100 Prozent sein. Ich erwarte ein bisschen von mir selber, dass ich die ganz großen Turniere und Matches nun mit ein bisschen mehr Lockerheit bestreiten und deshalb noch besser spielen kann."

Wobei es auf der mentalen Ebene nach den turbulenten letzten Tagen freilich noch einiges zu verarbeiten gilt. Manche Spieler sind nach dem Erreichen des großen Karriere-Ziels schon mal in ein Loch gefallen und haben eine tiefe Leere verspürt.

Thiem hofft, ein solches Schicksal vermeiden zu können. "Wie es emotional ist, kann ich noch nicht wissen. Das war seit zwei, drei Jahren das ganz, ganz große Ziel. Das war jeden Tag an dem ich trainiert oder gespielt habe in meinem Kopf. Dieser absolute Wille, das Ziel zu erreichen. Jetzt habe ich es geschafft und ich erwarte nicht, dass eine große Leere entsteht. Ich will es jetzt einmal genießen und über die Reise, die mich dorthin führte, nachdenken und reflektieren."

Wechsel auf Sand bereitet keine Kopfzerbrechen

Thiem wolle in den kommenden Tagen den Kopf wieder frei bekommen, sich mit Freunden und Familie Zeit verbringen und in der freien Natur mit dem Hund entspannen. "Das macht immer den Kopf frei", erklärt der Tier-Freund, der am Wochenende wieder mit dem Training auf Sand beginnen will.

Dass er aufgrund der engen Terminplanung kein Vorbereitungsturnier auf seinem Lieblingsbelag spielen kann, sollte für Thiem keine große Hürde darstellen.

"Der Übergang auf Sand ist sicher das geringste Problem. Bislang war es so, dass ich mich nach einer längeren Hardcourt-Phase auf Sand immer super wohl gefühlt habe. Das ganze Rutschen taugt mir einfach richtig – auch weil ich auf diesem Belag groß geworden bin", so Thiem, der am kommenden Mittwoch in den Flieger nach Paris steigen wird. "Die größte Aufgabe wird sein, die ganzen Emotionen zu verarbeiten und die Gedanken einzuordnen. Damit ich auch im Kopf frisch wieder nach Paris reisen kann."

Nadal für Thiem der Top-Favorit

Als ganz großen Favoriten bei den French Open sieht Thiem – wie sollte es anders sein – den zwölffachen Paris-Sieger Rafael Nadal, gegen den er in den letzten beiden Jahren jeweils im Endspiel unterlag. "Er hat uns gegenüber einen Vorteil, weil er nicht in New York war und seit langer Zeit in Europa auf Sand trainiert. Wenn er dann noch in Rom ein paar Matches absolviert und Selbstvertrauen holt, dann wird er der absolute Top-Favorit sein."

Der ÖTV-Daviscupper bezweifelt, dass ab sofort die Next Generation auf der ATP-Tour das endgültige Kommando übernommen hat. "Viele Leute reden jetzt von einer Wachablöse. Ich sehe es nicht ganz so. Djokovic und Nadal werden in Paris topfit am Start sein und wenn das der Fall ist, dann sind die immer noch bei jedem Turnier die ganz großen Favoriten."

Freilich ist auch Thiem zum engsten Kreis der Titelkandidaten zu zählen. Der Lichtenwörther hofft, dass der US-Open-Titel eine befreiende Wirkung auf ihn haben werde.

"Ich hoffe und erwarte von mir selber, dass ich besser und lockerer losspielen kann. Denn auch wenn ich es selber nicht sagen oder daran denken wollte, habe ich schon mit sehr viel selbst auferlegtem Druck gespielt, weil ich eben bislang noch keines gewinnen konnte. Die Gedanken waren immer da, dass ich zwar bislang eine unglaubliche Karriere hatte, aber der ganz, ganz große Titel noch gefehlt hat. Ich hätte sicher einmal weinend auf meine Tennis-Karriere zurückgeblickt, wenn ich das nie geschafft hätte. Das fällt jetzt alles komplett weg. Deshalb hoffe ich, dass ich das ausnutzen kann. Ich hoffe, dass mir das für mein Tennis helfen wird."

Kampf um Nummer 1

Sollte dies der Fall sein, dann wird sich Thiem in naher Zukunft auch mit ziemlicher Sicherheit im Kampf um die Nummer-1-Positon im Herren-Tennis einmischen. Derzeit liegt er als Dritter hinter Leader Novak Djokovic und Rafael Nadal.

"Bis jetzt hab ich mich gar nicht mit der Weltranglisten beschäftigt. Die French Open stehen eher im Vordergrund. Natürlich ist jetzt aber das eine große Ziel abgehakt und nun schwirrt das nächste im Kopf herum", so Thiem.

"Nummer eins wäre nicht schlecht. Das Ranking hatte jetzt nie die oberste Priorität für mich. Ich schaue immer nur nach einem großen Turnier, wo ich jetzt im Ranking stehe. Ich werde auch weiterhin die großen Turniere als Ziel präferieren. Wenn es aber noch weiter raufgehen sollte, dann werde ich mich natürlich nicht beschweren."

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