Thiem: "Ein unglaublich hohes Level"

 

Der ganze Tennis-Zirkus schwärmt nach dem Zwei-Satz-Sieg von Dominic Thiem über Superstar Rafael Nadal über die beeindruckende Leistung des Österreichers.

"Das Match sucht nach Superlativen. Das war Tennis auf allerhöchstem Niveau. Die zwei haben sich vom Allerfeinsten eingeschenkt", war auch LAOLA1-Experte Jürgen Melzer in seinem Analsye-Video von der Vorstellung seines Landsmanns begeistert.

Dies sahen freilich auch viele seiner Tennis-Kollegen so, die mit Melzer das Match in der Player's Lounge quasi exklusiv in der O2-Arena - die wegen Corona ohne Zuschauer auskommen muss - mitverfolgen konnten. "Da fielen Sätze wie 'Das schaut aus wie Playstation-Tennis'", erzählt Melzer in seiner Video-Analyse.

Trotz einem unglaublich hohen Tempo unterlief beiden Akteure kaum einmal ein unerzwungener Fehler. Geschenke hatten die beiden Top-Athleten keine zu verteilen. Wenige Punkte brachten am Ende die Entscheidung zu Gunsten Thiems, der im ersten Tiebreak zwei Satzbälle abwehren musste, ehe er schließlich selbst seinen ersten verwerten konnte.

"Es war vom ersten bis zum letzten Schlag ein unglaublich hohes Level. Ich bin unglaublich glücklich, dass ich die Partie so gewonnen habe", strahlte Thiem im Sky-Interview über seine vor allem mental extrem starke Leistung.

"Es war ein unglaubliches Match. Es war eines der besten Matches, die ich je gespielt habe. Es ist ziemlich nahe zum letztjährigen zweiten Gruppenspiel gegen Djokovic drangekommen", erinnert sich der Lichtenwörther an seinen letztjährigen Kraftakt gegen den serbischen Weltranglisten-Ersten zurück.

"Auch Rafael hat sehr gut gespielt"

Damals musste er sich erst im Endspiel hauchdünn im Tiebreak des dritten Satzes dem Griechen Stefanos Tsitsipas geschlagen geben. Diesen schlug er heuer bereits in seinem Autaktspiel am Sonntag. Danach sprach er noch davon, sich gegen Nadal unbedingt steigern zu müssen. Ein Unterfangen, das dem 27-Jährigen vollends gelang.

"Es war vom ersten bis zum letzten Schlag ein unglaublich hohes Level. Auch Rafael hat sehr, sehr gut gespielt. Alle acht Spieler sind in guter Form und wenn beide ein sehr gutes Tennis abrufen, kommen so Matches wie heute zustande. Dann kommt es auf ganz winzige Kleinigkeiten an, wie im ersten Satz, in dem ich das Tiebreak irgendwie herumdrehe. Oder im zweiten Satz, in dem ich das Break kassiere und gleich zurück breake. Ich bin unglaublich glücklich, dass ich die Partie so gewonnen habe."

Melzer lobt Aggressivität

Melzer sah es in seiner Analyse ähnlich: "Domi hat die Tiebreaks extrem gut gespielt. Das Niveau war von beiden absolute Spitze. Mir fällt ad hoc kein besseres Match ein, das heuer besser gewesen wäre", so der Deutsch-Wagramer, der besonders die an den Tag gelegte Aggressitvität hervorhob. "Beide haben oft den Weg ans Netz gesucht. Das taugt mir bei Domi, wenn er selbst die Initiative ergreift."

Sehr zufrieden war Thiem allerdings auch mit seiner Rückhand mit der er Nadal immer wieder vor unlösbare Probleme stellte. "Die Rückhand ist der Schlag, den ich vor allem in der turnierfreien Phase im Sommer extrem viel trainiert habe. Ich habe mir auch selber das Ziel gesetzt, dass wenn die Tour wieder losgeht, die Rückhand extrem stabilisieren will. Dass sie so ist wie die Vorhand und ich sie jederzeit reinspielen kann."

Thiem: "Rückhand war ein Schlüssel heute"

"Heute ist das gut gelungen, vor allem die Rückhand-Longline im Aufsteigen. Das ist auch das einzige, was gegen Rafael ein bisschen einfacher ist in der Halle oder auf schnelleren Hardcourts, dass man auf seinen Vorhand-Cross, der auf Sand unmöglich ist so zu nehmen, dass man den ein bisschen leichter im Aufsteigen nehmen kann. Das war sicher ein Schlüssel heute. Das ist ein wenig der Vorteil von schnellen Belägen gegen ihn", erklärt er sein Erfolgsrezept.

Nadal zeigte sich nach der Niederlage übrigens nicht sonderlich enttäuscht: "Er hat ein großartiges Match gespielt und ich habe auch sehr gut gespielt. Darum habe ich kein schlechtes Gefühl", sagte der 13-fache French-Open-Champion, der bei den ATP Finals bisher noch nie den Titel geholt hat.

"Ein paar kleine Details haben entschieden", bezog sich Nadal auf seine 5:2-Führung im Tiebreak des ersten Satzes. Und er zog sogar positive Erkenntnisse aus dem hochklassigen Match: "Ich glaube, dass meine Chancen sogar größer sind, hier ein sehr gutes Resultat zu haben, als vor fünf Tagen. Weil mein Tennis-Level, auch wenn ich verloren habe, viel besser ist."

Im Head-to-Head liegt Thiem gegen den Sandplatz-König zwar immer noch mit 6:9 zurück, auf Hartplatz hat mittlerweile aber bereits mit 2:1 der ÖTV-Daviscupper die Nase vorne. Das letzte Duell konnte er im Viertelfinale der Australian Open für sich entscheiden.

Halbfinal-Aufstieg dank Tsitispas fix

Nadal kämpft nun am Donnerstag gegen Tsitsipas um den Einzug ins Halbfinale, Thiem trifft in der Revanche für das verlorene Stadthallen-Viertelfinale auf Rublev. Am Dienstagabend besiegte Tsitsipas den Russen in drei Sätzen.

Durch den Sieg des Griechen ist Thiem bereits fix im Halbfinale. Das Spiel am Donnerstag ist nur mehr von geringer sportlicher Brisanz geprägt, da Rublev nicht mehr ins Halbfinale aufsteigen kann. Ein Umstand, der Thiem nicht ungelegen kommt, wie er vor dem letzten Spiel des Tages sagte.

Thiem: "Es wäre natürlich schön, ohne Druck in die dritte Gruppenpartie hineinzugehen. Ich liebe den Rublev, aber da drücke ich heute ein bisschen dem Tsitsipas die Daumen.“

Textquelle: © LAOLA1.at

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