Presse über Olympia: "Der Traum ist nicht zu Ende"

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Die Entscheidung, die Olympischen Spiele zu verlegen, kam am Ende doch schneller als erwartet.

Einen Tag zuvor hatte IOC-Präsident Thomas Bach erst um eine vierwöchige Bendenkzeit gebeten.

Kurz drauf gab er die Verlegung der Spiele auf 2021 bekannt.

Die internationale Presse reagiert unterschiedlich auf die weitreichenden Folgen und die Verschiebung selbst.

Die Pressestimmen:

DEUTSCHLAND:

Süddeutsche Zeitung: "Sommer ohne Spiele. Das IOC und die japanischen Organisatoren beugen sich dem Druck und verlegen Olympia von Tokio 2020 auf einen noch nicht näher bestimmten Termin im nächsten Jahr. Der Weltsport steht vor einer gewaltigen logistischen Herausforderung."

Bild: "Nach der EM auch noch Olympia verschoben. 2021 wird das neue 2020. Wer hätte das jemals gedacht? 2021 wird das prallste Sportjahr aller Zeiten. Thomas Bach und sein IOC haben sich mit den japanischen Organisatoren geeinigt. Aber: Es gibt im rappelvollen Sportkalender 2021 noch keinen Termin für Olympia."

Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Feuer der Hoffnung. Im letzten Moment einigen sich das IOC und Japan auf eine Verschiebung der Spiele ins Jahr 2021. Die Entscheidung stößt auch in Deutschland auf großen Zuspruch bei Athleten. Der Traum sei nicht zu Ende."

RUSSLAND:

Sport-Express: "Das Spiel ist aus. Positiv lässt sich aber sehen, dass bis zu Olympia 2021 nun mehr Zeit ist, endlich die Frage des Status des russischen Leichtathletikverbandes zu klären. Bis dahin heißt es: unablässig ackern."

Wedomosti: "Das ist der Versuch eines Kompromisses zwischen Gefahr und Offenheit. Dass das Olympische Feuer in Tokio bleibt, ist wie ein Leuchtturm der Hoffnung in diesen unruhigen Zeiten."

ITALIEN:

Corriere della Sera: "Entscheidung zu Olympia überfällig. Die Verschiebung der Olympischen Spiele ist historisch. Und sie ist eine kluge Entscheidung, die unnötige, langweilige und vom Griff nach Geld geprägte Diskussionen beendet. Der Sport kann es sich nicht leisten, aus dieser Zeit und Welt zu fallen. Vor allem, wenn in Krankenhäusern gestorben wird, wenn Familien, die über die ganze Welt verstreut sind, leiden. Falsches Timing bedeutet, 'brutta figura', einen schlechten Eindruck, zu hinterlassen. Gestern hat der olympische Sport dies vermieden."

TSCHECHIEN:

MF Dnes: "Ein historischer Augenblick. Die Olympischen Spiele in Tokio sind verschoben worden. Die neue Herausforderung heißt nun: 2021. Die überflüssige, geradezu naive Hinhaltetaktik ist beendet."

SPANIEN:

Marca: "Die Olympischen Spiele, der Vergnügungspark des Sports, sind ein weiteres vom Coronavirus zerstörtes Ereignis."

AS: "Die Nachricht war angesichts der aktuellen Situation natürlich notwendig. Aber sie betrifft auch eine beträchtliche Anzahl von Athleten, die dieses olympische Ereignis als eine ihrer letzten Gelegenheiten gesehen haben, um vor ihrem Rückzug Ruhm zu erlangen."

Mundo Deportivo: "Inmitten dieser Weltkrise aufgrund des Coronavirus hätte sich das Internationale Olympische Komitee als Sportlokomotive etablieren müssen (...) und hat stattdessen wie immer spät und schlecht reagiert. Das IOC hat nicht nur eine großartige Chance verpasst, sein Image zu verbessern, sondern auch gezeigt, dass es eine Institution bleibt, die (...) mehr um ihre eigenen Interessen als um alles andere bemüht ist."

GROSSBRITANNIEN:

The Telegraph: "Während viele um die Chance trauern werden, sich in diesem Sommer auf höchstem Niveau zu beweisen, gibt es auch viele, für die es sich als schwer erwiesen hätte, überhaupt in Tokio dabei zu sein."

The Guardian: "Einige der Kopfschmerzen sind möglicherweise nicht so groß wie angenommen. Das IOC wird weiterhin Millionen an Rundfunk- und Sponsoreneinnahmen erzielen, solange die Veranstaltung weiter stattfindet, und ein Großteil davon wird an den Sport weitergegeben."

Daily Mirror: "Mit Blick auf die Organisation, die für die Olympischen Spiele erforderlich ist, und die Tatsache, dass Tausende Japaner bereits ihr Leben darauf ausgerichtet hatten, ist die Verschiebung traurig. Aber die Entscheidung, die Spiele um ein Jahr zu verschieben, die der japanische Premierminister Shinzo Abe gestern angekündigt hatte, war lange überfällig."

FRANKREICH:

L'Equipe: "Die Unmöglichkeit, sie im Juli abzuhalten, war offenkundig. Die Option, sie in den Herbst zu verschieben, wurde es auch. Keiner ist in der Lage, den Zustand der Erde für diesen Zeitraum vorherzusagen."

Dernieres Nouvelles d'Alsace: "Dieses Mal hat sich glücklicherweise der gesunde Menschenverstand durchgesetzt. Es war in der Tat kein anderer Ausweg möglich - die Spiele waren erledigt."

SCHWEDEN:

Aftonbladet: "Gegen Covid-19 ist nicht einmal das weltgrößte Sportfest immun. Aber mitten in der pechschwarzen Dunkelheit brennt die Olympische Fackel weiter. 2021 könnte die größte Sportparty der Welt jemals werden."

SVT: "Terror und Boykotte konnten die Olympischen Spiele nicht verschieben - aber Corona."

JAPAN:

Tokyo Shimbun: "Die Entscheidung, die Spiele um ein Jahr zu verschieben, wurde im Ausschlussverfahren beschlossen. Ein Verlegung auf 2022 wäre zu kostspielig gewesen. Der Umgang des IOC mit der Krise, der abrupte Meinungswechsel nach wochenlangen Beteuerungen, am Termin festzuhalten, war ungenügend. Die olympischen Behörden zeigten nicht die Führungsqualitäten, die wir uns erhofften."

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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