Weißhaidinger vor EM: "Kann so oder so ausgehen"
Die Vaterrolle bremst das Streben nach Erfolg nicht. Trotz bisher nicht optimalen Saisonverlaufes gibt sich der 34-Jährige kämpferisch.
Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger wird bei der EM in Birmingham "das Kämpferherz" auspacken.
Nach dem erfolgreich austherapierten Hexenschuss steht im Alexander Stadium die Finalqualifikation im Vordergrund, an der Ausscheidung am Dienstag beteiligt sich mit Will Dibo ein zweiter Österreicher.
Am Ramona-Wurffeld sicherte sich dieser das Ticket für die Kontinentaltitelkämpfe, Weißhaidinger schließt mittlerweile für sich ein Antreten bei dieser jährlichen Weitenjagd aus.
Bisherige Saison "nagte am Selbstvertrauen"
Weißhaidinger gewann vor zwei Jahren in Rom EM-Silber. Der bisherige Saisonverlauf "nagte am Selbstvertrauen", wie der 34-jährige Oberösterreicher im APA-Gespräch schilderte. Die Windbedingungen seien oft nicht ideal gewesen, er nicht so in den Flow reingekommen. "Aber ich wusste immer, die Trainingswerte passen, es kann jederzeit ins Positive kippen."
Bei einem Großereignis könne so viel passieren. "In München bin ich in Topform hingekommen und bin als Neunter rausgegangen, obwohl ich 69 m eingeworfen habe. Aber ich bin auch schon zu einer WM gefahren und dachte mir, das wird schwierig, und habe eine Medaille gemacht. Es kann so oder so ausgehen."
Lukas sei konkurrenzfähig, meinte Trainer Gregor Högler. "Die Saison verlief absolut okay und die Trainingsleistungen sind sehr vielversprechend."
Vaterrolle bremst Streben nach Erfolg nicht
Das Team Weißhaidinger hat vorgeplant, neben den Lieblings-Disken reisten auch Regenschuhe nach England mit. Bei der WM vor einem Jahr in Tokio agierte der Athlet bei der Schuhwahl unglücklich, setzte trotz Starkregens auf Laufschuhe, rutschte im Wurfkreis aus, kam zu Sturz und klassierte sich als Neunter. Für die EM hat er das Ziel, den besten Wettkampf des Jahres zu zeigen.
"Wenn du das Beste gibst und vielleicht noch etwas drauflegen kannst, hast du immer eine Chance auf eine Medaille. Für die Millisekunde, in der alles passt und du abliefern musst, musst du bereit sein."
Die erste Medaille als Papa zu gewinnen, steht über dem letzten Karriereabschnitt Weißhaidingers, der bis Olympia 2028 in Los Angeles reicht und davor als Großereignis auch noch die WM 2027 in Peking bringt. Lola ist 15 Monate. Bei allem, was Weißhaidinger tut, will er ihr ein Vorbild sein.
"Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich für die kleine Lola da sein, aber auch mit Verbissenheit dem Finale und der Medaille nachjagen kann. Natürlich habe ich schon viele Ziele abgehakt. Und Lola wird mich nicht mehr oder weniger mögen, ob ich noch eine Medaille mache oder nicht. Aber wenn ich ihr was beibringen kann, dann so lange zu kämpfen, wie es geht, wenn man für etwas brennt."
Weitenjagd in Ramona für ihn kein Thema mehr
Abgeschrieben hat er für sich mittlerweile ein Antreten auf dem windbegünstigten Feld in Ramona (Oklahoma/USA), wo jährlich haufenweise persönliche Bestleistungen und nationale Rekorde purzeln.
Auch der Weltrekord des - freilich auch ohne Ramona absoluten Ausnahmekönner - Litauers Mykolas Alekna mit 75,56 Metern wurde 2025 am Millican Field geworfen. Von den 21 in der Jahresweltbestenliste vor Weißhaidinger liegenden Athleten haben nur sieben ihre Saisonbestmarke nicht in Ramona erzielt.
"Ich mache den Sport schon sehr lange, Ramona ist extremer als alles bisher Dagewesene. Du kannst dort irrsinnig weit werfen. Ich werde dort nie starten, weil ich keinen Bock darauf habe, dass, wenn der österreichische Rekord fällt, daneben Ramona steht." Man werde dann wohl nie mehr die Möglichkeit haben, diesen anderswo zu toppen.
"Bisschen ein Teufelskreis"
Er stellte auch bereits fest, dass sich die Freude der Athleten über die dort erbrachte Leistung in Grenzen halte. Weißhaidinger erhöhte die ÖLV-Bestmarke 2023 auf 70,68 m. Sie zu verbessern, wird er bis zum letzten Wettkampf seiner Laufbahn versuchen - jedoch nicht in Ramona.
"Aber junge Athleten wie Will Dibo haben wohl keine andere Möglichkeit, als auch hinzufahren, weil sie sich sonst schwer tun würden, international wo dabei zu sein. Es ist für mich ein bisschen ein Teufelskreis."
Der 24-jährige Dibo warf seinen persönlichen Rekord von 63,50 heuer in Ramona, davor waren es noch keine 58 m mit dem 2-kg-Gerät gewesen. Zum EM-Debüt kommen von Weißhaidinger Glückwünsche. "Richtig cool, er hat jahrelang gekämpft und durchgehalten. International dabei zu sein, ist jetzt die Belohnung dafür. Er hat es sich absolut verdient."
In der Europarangliste liegt Weißhaidinger mit der Saisonbestleistung von 67,00 m auf Platz zwölf, Alekna, der slowenische Europameister Kristjan Čeh oder der schwedische Weltmeister Daniel Ståhl sind als Dauerbrenner auch die Dauerkonkurrenten des ÖLV-Rekordlers.