ÖHB-Männer hoffen in EM-Hammergruppe auf den Flow von 2024
Für den Einzug in die Hauptrunde muss Österreich Deutschland oder Spanien hinter sich lassen. Neo-Coach Iker Romero: "Können gegen alle gewinnen."
Schwerer geht es kaum. Soll bei der am Donnerstag startenden EM in Dänemark/Schweden/Norwegen der Sprung in die Hauptrunde gelingen, müssen Österreichs Handball-Männer in Pool A von Herning zumindest einen der Granden Deutschland und Spanien hinter sich lassen.
Dass man dazu imstande ist, hat die ÖHB-Auswahl freilich vor zwei Jahren bewiesen, wieder hofft man auf den "Flow" der 2024-EM in Deutschland. "Wir wollen wieder einen Hype auslösen", sagte Flügel Sebastian Frimmel.
Mit zwei Remis gegen die Spanier und die Kroaten schaffte man 2024 das Weiterkommen, schloss - so wie bei der Heim-EM 2020 - schließlich mit dem historischen achten Platz ab und etablierte sich endgültig in der erweiterten europäischen Spitze. Die zu halten ist angesichts eines überschaubaren Spieler-Pools freilich alles andere als einfach.
Bei der WM im Vorjahr gab es Rang 17 - trotz der Rückraum-Ausfälle von Kapitän Mykola Bilyk, von Janko Bozovic und im Laufe des Turniers auch von Boris Zivkovic lieferte man aber eine durchaus ehrenwerte Leistung ab.
Der Kapitän ist zurück
Das Trio steht diesmal wieder fit zur Verfügung und führt eine inzwischen recht routinierte Truppe in die Endrunde. Mit dem im Sommer von zehn Jahren in Kiel nach Luzern wechselnden Bilyk (114 LSP), Bozovic (201), Sebastian Frimmel (127) und Tobias Wagner (122) gibt es ein höchst erfahrenes Quartett, auch Lukas Herburger (88), Zivkovic (84) sowie Lukas Hutecek (71) verfügen über viel Routine. Dazu kommen Junge wie etwa Flügel Jakob Nigg oder Zweier-Goalie Leon Bergmann, der u.a. im Test gegen Frankreich überzeugte.
Neo-Coach Iker Romero kennt das Erfolgsgefühl mit Österreich noch nicht. In seinen bisherigen vier Tests gegen Ungarn, Tschechien, Frankreich und Slowenien gab es vier Niederlagen, dennoch geht er mit viel Optimismus in seine erste Endrunde als Teamchef. "Sie können allen Gegnern in die Augen schauen. Wir können gegen alle gewinnen, aber auch gegen alle verlieren", sagte der 45-jährige Spanier.
Große Zuversicht ist auch aus Frimmel zu hören. "Wir haben uns über die vergangenen Jahre sehr viel Selbstvertrauen erarbeitet. Es ist aber sicher nicht leichter geworden, und wir wissen, dass wir nicht in der Favoritenrolle sind."
"Endlich" einmal Deutschland schlagen
Den Auftakt macht am Donnerstag (20:30 Uhr) das inzwischen fast zum Klassiker avancierte Duell mit Deutschland. Die verjüngte DHB-Auswahl kommt unter Alfred Gislason immer besser in Schwung, klares Ziel ist das Halbfinale.
Österreichs jüngste Erinnerungen an Deutschland sind freilich gut. Bei der EM 2024 rang man Juri Knorr und Co. ein Remis ab, auch in der EM-Quali im vergangenen März gab es in Wien ein Unentschieden. "Wir wollen es endlich einmal schaffen, nicht nur ein gutes Spiel zu machen oder Unentschieden zu spielen, sondern einmal Deutschland zu schlagen", betonte Bilyk.
Am Papier etwas leichter scheint die Aufgabe am Samstag (18:00 Uhr) gegen Spanien, das sich in einer Art Übergangsphase befindet. Nach den EM-Titeln 2018 und 2020 bastelt Langzeitcoach Jordi Ribera noch immer an seiner Truppe, die bei der EM 2024 - auch wegen Österreich - die Hauptrunde verpasste und bei der WM 2025 als 18. enttäuschte. In der jüngsten EM-Quali musste man zudem eine Niederlage gegen Serbien hinnehmen.
Dieses Resultat darf vor dem finalen Gruppenduell mit dem Balkan-Team am 19. Jänner (18.00/alle live ORF eins) auch als Warnung für Österreich gelten. Der vermeintlich schwächste Gegner enttäuschte nach EM-Silber 2012 regelmäßig, hat sich diesmal aber einiges vorgenommen.