ÖHB-Kapitän Bilyk will in der Schweiz wieder durchstarten
Nach zehn Jahren Kiel und (zu) vielen Verletzungen will es der 29-Jährige nun etwas ruhiger angehen.
Der Kapitän ist wieder an Bord. Nach der verpassten WM 2025 und ständigen Verletzungssorgen soll Mykola Bilyk bei der am Donnerstag beginnenden Handball-EM das entscheidende Plus für die ÖHB-Männer sein.
Für den 29-Jährigen ist es eine Umbruchphase, im Sommer schlägt er nach zehn Jahren bei Weltklasseclub Kiel in der Schweiz ein neues Kapitel auf. "Es ist ein Risiko, definitiv", meinte Bilyk, der sein Potenzial in einem "entspannteren" Umfeld aber wieder voll entfalten will.
Als Bilyk 2015 von den Fivers zu Kiel wechselte, galt er als Megatalent. Mit Kiel holte er drei Meistertitel und vier Pokalsiege, 2020 die Champions League. In dieser Saison fehlte der Rückraumakteur allerdings schon wegen eines Kreuzbandrisses.
Nicht zuletzt wegen der in den vergangenen Jahren immer zahlreicheren Verletzungspausen geriet die Karriere in eine Art Sackgasse - auf höchstem Niveau freilich. Dass er sich nun von den Zebras trennt, kam daher nicht ganz unerwartet.
"Es ist in den letzten Jahren durch die Verletzungen einfach nicht so verlaufen, wie man sich das vorgestellt hat", erklärte der Wiener. "Es war eine sehr schöne Zeit, aber es ist keine Enttäuschung da."
"Kann Leistung bringen, wenn ich gesund bin"
Die Zeit sei einfach gekommen, "etwas Neues zu machen und etwas anderes zu probieren", betonte Bilyk. Angebote habe es genügend gegeben, er entschied sich schließlich für den HC Kriens-Luzern, der große Ambitionen auf den erstmaligen Schweizer Meistertitel und Auftritt in der Champions League hegt.
"Es hat mir gefallen, Teil von etwas zu sein, das noch nicht groß ist, aber Potenzial hat, groß zu werden", sagte Bilyk, der ab Sommer an der Seite von ÖHB-Teamkollege Lukas Herburger in der nigelnagelneuen Pilatus Arena mit einem Fassungsvermögen von über 4.000 Zuschauern auflaufen wird. "Kriens-Luzern will den nächsten Schritt machen." Erfahrung und Einstellung wie jene von Bilyk sind da gefragt.
Nicht nur die hochgesteckten Ziele des Klubs, sondern auch die Hoffnung, das eigene Leistungsvermögen in einer vergleichsweise weniger kompetitiven Liga wie der Schweizer besser ausschöpfen zu können, habe ihn zu diesem Schritt bewogen.
"Die Liga ist deutlich entspannter. Und ich weiß, dass ich Leistung bringen kann, wenn ich gesund bin", stellte Bilyk klar. "Deswegen bin ich davon überzeugt, dass ich mich da auch weiterentwickeln und Schritte nach vorne machen werde. Einfach aus dem Grund, dass ich die Zeit dafür habe, die ich in den letzten Jahren vielleicht in gewissen Situationen ein bisschen weniger gehabt habe."
"Noch immer unser Leithammel"
Im Nationalteam hat sich seine Absenz u.a. bei der WM 2025 durchaus bemerkbar gemacht, andere traten in den vergangenen Jahren ins Rampenlicht.
So wie Lemgo-Legionär Lukas Hutecek, der sich zum absoluten Schlüsselspieler entwickelte. "Er ist unglaublich wichtiger Spieler für uns, wenn nicht der wichtigste", erklärte Bilyk, der ohnehin keiner ist, der in die Kameras drängt.
Seine Rolle in der rot-weiß-roten Auswahl ist prinzipiell aber unumstritten. Oder wie es Kreisläufer Tobias Wagner formulierte: "Der Niko ist einfach immer noch unser Leithammel."