ÖHB gegen die Riesen unter den Handball-Zwergen

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Mit einem Auftaktsieg in ein großes Turnier zu gehen, ist eine feine Sache. Über die sich das ÖHB-Nationalteam am Freitagabend mit dem 32:29 über Tschechien auch freuen konnte.

Aber weder der Rhythmus noch die eigenen Ansprüche lassen bei der EURO 2020 ein langes Innehalten zu. Mit der Ukraine wartet am Sonntag (18:15 Uhr, LIVE auf ORF eins) schon die nächste hohe Hürde - aufgrund der körperlichen Beschaffenheit der Osteuropäer im wahrsten Sinne des Wortes.

Und - bei einem Sieg Nordmazedoniens gegen Tschechien zuvor - vielleicht schon der erste Matchball auf das große Ziel, das Erreichen der Hauptrunde.

Mathematische Überlegungen sind freilich noch weniger der Stil von Österreichs Handballern, als verfrühte "Europhorie". "Ich bin gegen Tschechien wie ein Rumpelstilzchen auf der Seite herumgesprungen, ich wollte, dass wir die letzten fünf Sekunden nutzen. Am liebsten wäre ich selbst reingesprungen und hätte das vierte Tor gemacht, weil die Rechenspiele immer losgehen", meint etwa Thomas Bauer in weiser Voraussicht gegenüber LAOLA1.

Fünf Mann über zwei Meter

Um sich Rechenspiele auch nur theoretisch erlauben zu können, braucht es ohnehin eigene Leistung. Und die wird gegen die Ukraine ganz anders abzurufen sein, als es noch gegen Tschechien der Fall war.

"Sie kommen über die Wurf- und Körperkraft, wir haben eine Mischung. Es wird ein anderes, aber auf seine Art und Weise auch attraktives Spiel."

Thomas Bauer

Als Gruppendritter der Qualifikation zur Endrunde gekommen, sind die Osteuropäer der vermeintliche Außenseiter in einer ausgeglichenen Wien-Gruppe B, mehr als die Hälfte der Mannschaft rekrutiert sich aber von den beiden Spitzenklubs des Landes, Motor Zaporozhye und ZTR Zaporozhye - womit viel Champions-League-Erfahrung mitkommt.

Und nicht nur das: Die größte Stärke der Ukrainer ist offensichtlich. Nur sechs Spieler sind kleiner als der Team-Durchschnitt 1,95 Meter, und das zum Teil nur knapp. Kleiner als 1,87m ist keiner.

Eine physische Wucht, die es mit anderen Mitteln zu schlagen gilt, als das noch gegen Tschechien der Fall war.

Ein ganz anderer Gegner als die Tschechen

Auch deswegen, weil die offensiven Schlüsselspieler des Auftakts - Kapitän Nikola Bilyk mit zwölf Toren und Janko Bozovic mit sieben Treffern - im Rückraum mehr Aufmerksamkeit des Gegners bekommen werden.

"Man muss sie in Bewegung bringen. Wenn man zwei, drei Kreuzungen schafft, haben wir schon große Chancen, dann werden die Lücken entstehen", ist Bozovic überzeugt.

Im Eins-gegen-Eins, das im ersten Spiel vor allem anfangs noch nicht zur Zufriedenheit von Teamchef Ales Pajovic lief, würden die Probleme gegen große Gegenspieler kleiner. "Aber aus dem Rückraum sind sie gefährlich. Wie wir spielen sie hin und wieder mit einem zusätzlichen Feldspieler, da müssen wir Trainer auch eine Taktik vorbereiten", so der Coach.

"Offensiv musst du bei großen Leuten dynamisch sein, die Abwehr noch mehr bewegen als gestern. Wenn wir nicht aktiv spielen, wird es schwer."

Andere müssen in den Fokus rücken

Das heißt: Mehr Verantwortung für Kreisläufer und die Flügelspieler, die gegen Tschechien noch kein großer Faktor waren. Ergibt das mehr Aktionen für Robert Weber?

Fast ein Comeback gegen Nordmazedonien
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"Es ist für uns kleine Jungs sogar ein Vorteil gegen so große Gegner, weil wir schneller sind. Aber es ist wichtig, dass die Abwehr gut steht, damit wir zu leichten Gegenstoß-Toren kommen und die großen Leute wie Nikola Bilyk sich in der Zeit kurz ausruhen können. Das wird auch das A und O gegen die Ukraine sein", sagt der 1,78 Meter große Rechtsflügel.

Fokus also auf die defensiven Aufgaben für Bilyk und Bozovic, die mit 2,00m bzw. 2,04m Höhe noch am ehesten dagegenhalten können.

Und im Tor wird so manch wuchtiger Schuss auf Thomas Bauer und Thomas Eichberger einprasseln: "Sie kommen über die Wurf- und Körperkraft, wir haben eine Mischung. Es wird ein anderes, aber auf seine Art und Weise auch attraktives Spiel."

Erstes Spiel muss Warnung sein

Warnung sollte auch der erste Auftritt der Ukraine gegen Nordmazedonien sein, das der ÖHB-Gegner erst in letzter Sekunde 25:26 verlor und sich dabei trotz einer starken Torhüter-Leistung des nordmazedonischen Schlussmannes Nikola Mitrevski von einem zeitweiligen Fünf-Tore-Rückstand zurückkämpfte.

"Nordmazedonien hatte Glück, ich war überrascht von den Ukrainern. Ich habe erwartet, dass die Gruppe knapp wird, aber hatte von den Ukrainern nicht so viel gesehen", ist Pajovic nun gewarnt.

Umso mehr fordert der Teamchef von jenen Mannschafts-Bestandteilen, die beim Auftakt noch nicht im Fokus standen, ihren Teil ein: "Weil sie sich auf Niko und Janko konzentrieren werden, müssen das unsere Mittelmänner besser lösen", gibt es die Ansage.

"Wenn wir zu statisch werden, kann das ein Problem sein. Aber wenn wir dynamisch und mit viel Druck zum Tor spielen, wird das ein Vorteil gegen diese großen Leute."

Erst wenn diese Aufgabe gelingt, gäbe es - vielleicht - einen ersten kleinen Anlass zur leisen Euphorie. Damit den körperlichen Riesen der Ukraine die handballerischen Riesen wie Europameister Spanien in der Hauptrunde folgen könnten.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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