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Geschichten, die nur der Sport schreibt

Einst das große Talent, dann gleich bei mehreren NFL-Teams vom Hof gejagt. Die richtige Situation und die nötige Reife machen's aus.

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Ausgebootet und verjagt - das wurde Sam Darnold in seiner NFL-Karriere nicht nur ein Mal. Heute ist er an der Spitze seines Berufs angekommen, ist Super-Bowl-Champion.

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Sam Darnold mag vielleicht nicht der Hauptgrund gewesen sein, warum die Seahawks gegen die Patriots als Sieger vom Platz gegangen sind - aber die große Kunst als Quarterback ist es ohnehin, genau einschätzen zu können, was es von ihm braucht, um Spiele zu gewinnen.

Wenn das bedeutet, sich selbst zurückzunehmen, nicht das letzte Risiko einzugehen, weil die eigene Defense und das Laufspiel dominieren, dann nimmt das jeder gute Quarterback mit Handkuss.

Dafür benötigt es eben auch eine gewisse Reife. Und dass der 27-jährige Darnold reif ist für diese Momente, das wissen wir spätestens seit jetzt.

In New York und Carolina verjagt

Es ist der Höhepunkt eines besonderen Wegs, der über fünf NFL-Teams in gerade mal acht Jahren führte.

Mit großen Erwartungen 2018 von den New York Jets an dritter Stelle gedraftet, wurde Darnold bereits nach der dritten Saison aufgrund dürftiger Leistungen aussortiert und zu den Carolina Panthers getradet.

Auch dort konnte er sich nicht als Starter etablieren, matchte sich unter anderem mit Baker Mayfield, dem 1st-Overall-Pick seiner 2018er-Draft-Class und einem weiteren positiven Beispiel, dass man Spieler nie zu früh abschreiben sollte, um den Starting-Job.

Ein Schritt zurück wird zum Schritt vorwärts

Nachdem klar wurde, dass er auch in Carolina keine Zukunft haben würde, schloss er sich 2023 den San Francisco 49ers an - mit dem Bewusstsein, nur Backup zu sein. Aber auch mit der Chance, unter Kylen Shanahan zu lernen und sich als Quarterback weiterzuentwickeln.

Genau jenes neue Wissen im West-Coast-System nahm er 2024 mit zu den Minnesota Vikings, wo er abermals nur als Backup eingeplant war, jedoch von der frühen Training-Camp-Verletzung von J.J. McCarthy profitierte - und plötzlich wieder Starter war. Diese Chance packte er beim Schopf, gewann 13 Regular-Season-Spiele und führte die Vikings in die Playoffs.

Dass Minnesota sich trotz der überraschenden Traum-Saison dafür entschied, an McCarthy festzuhalten und Darnold ziehen zu lassen, nehmen ihnen heute wohl noch mehrere Fans übel. Denn dass Darnold mittlerweile ein gereifter Quarterback war, zeigte er auf dem Platz mit seinen Leistungen.

Plötzlich Super-Bowl-Champion

Das erkannte man auch in Seattle. Dort war allen von Haus aus klar, dass Darnold ein klares Upgrade zu Geno Smith war - ein Move, der Seahawks-GM John Schneider absolut Recht geben sollte.

Klar, die Frage, ob Darnold auch in den größten Momenten, sprich den Playoffs, abliefern kann, blieb - doch der 27-Jährige hat es allen bewiesen, warf in dieser Saison in drei Playoff-Spielen fünf Touchdowns und keine einzige Interception - und rundete mit dem Super-Bowl-Triumph nun eine der größten Comeback-Storys der NFL-Historie ab.

"Ich habe immer an mich selbst geglaubt. Solange du an dich selbst glaubst, ist alles möglich", sagte er in seinem ersten Interview nach dem historischen Super-Bowl-Sieg.

Die Lehren aus der Darnold-Situation

Es ist eine Story, aus der man viele Lehren ziehen sollte. Natürlich nimmt Darnold mit seinem Werdegang eine große Vorbild-Wirkung für andere Athleten ein, sich nie aufzugeben, egal wie wenige noch an einen glauben. Aber auch NFL-Teams sollten sich am Beispiel Darnold ihre Gedanken machen.

Dass Darnold Talent hat, wusste man nämlich immer. An dritter Stelle des Drafts gepickt zu werden, passiert ja auch nicht einfach so. Wie es funktioniert, Talente zu fördern und nicht zu verheizen, haben allerdings noch nicht viele NFL-Team behirnt.

Vielleicht wäre es manchmal schlauer, zuerst in den Spiegel zu schauen: Habe ich das richtige Umfeld, das richtige Know-How, die richtigen Coaches, um Talente weiterzuentwickeln? Und erst hier weitreichende Entscheidungen zu treffen, bevor ich das Quarterback-Karussell munter weiterdrehe.

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