Pöltl: "Coaches vertrauen mir mehr und mehr"

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Die Übergangsphase ist abgeschlossen.

Aus persönlicher Sicht ist Jakob Pöltl bei den San Antonio Spurs nach schwieriger Anfangsphase immer besser in Schwung gekommen.

Aus mannschaftlicher Sicht unterliegen die Leistungen der Texaner jedoch gröberen Schwankungen, weshalb in der umkämpften Western Conference momentan nur der elfte Tabellenplatz herausschaut - allerdings mit überschaubar großem Rückstand sowohl auf die Spitze als auch auf die Playoff-Plätze.

Im Interview erklärt Pöltl seinen Aufwärtstrend und hofft auf mehr Konstanz bei den Spurs.

Frage: Jakob, ihr habt recht turbulente Wochen hinter euch: Hohen Niederlagen mit schwachen Defensivleistungen habt ihr großartige Siege folgen lassen. Wie sind diese großen Schwankungen zu erklären?

Jakob Pöltl: Wir hatten eine schlechte Phase, in der wir mit wenig Selbstvertrauen und Energie gespielt haben. In den letzten Spielen scheinen wir zu einem besseren Basketball zurückgefunden zu haben. Defense und Offense hängen da oft zusammen, so können auch grobe Niederlagen entstehen. Zum Glück konnten wir das zuletzt schnell wieder ausbügeln.

Frage: Habt ihr nach manchen Spielen ratlos gewirkt, oder seid ihr immer optimistisch geblieben?

Pöltl: Manche Niederlagen haben schon sehr wehgetan, da war die Stimmung natürlich im Keller. Aber am nächsten Tag machst du weiter, das nächste Spiel kommt schnell. Das ist das Gute an der NBA, dass es so viele Spiele gibt. Wir haben uns an die Devise gehalten, dass bei Niederlagen nie alles so schlecht ist und bei Siegen nie alles so toll ist, wie es sich im ersten Moment vielleicht anfühlen mag.

"Generell spielen wir mit der zweiten Unit mit mehr Speed und Bewegung, das kenne ich auch aus Toronto und das hilft mir persönlich sehr. Diesen Vollgas-Basketball spielen kann ich einfach am besten."

Jakob Pöltl

Frage: Du selbst hast in den letzten Wochen hervorragend gespielt, warst zweimal Topscorer und am Heimsieg gegen LeBron James und die Los Angeles Lakers maßgeblich beteiligt. Woran liegt das?

Pöltl: Ich fühle mich einfach immer wohler, es wird von Spiel zu Spiel leichter für mich. Wir setzen jetzt mehr auf Pick-and-Roll, was mir auf jeden Fall zugutekommt. Generell spielen wir mit der zweiten Unit mit mehr Speed und Bewegung, das kenne ich auch aus Toronto und das hilft mir persönlich sehr. Diesen Vollgas-Basketball spielen kann ich einfach am besten.

Frage: Die Bankspieler scheinen vom Spielstil her also gut zusammenzupassen.

Pöltl: Ja, wir sind schon ganz gut aufeinander eingestimmt. Vor allem mit Marco Belinelli und Patty Mills funktioniert das Pick-and-Roll sehr gut. Sie sind beide hervorragende Werfer und entweder bekommen sie nach einem Pick von mir einen freien Wurf oder mein Verteidiger hilft und ich bin frei.

Frage: Bei dir gingen die Statistik-Werte zuletzt steil nach oben. Du hast deine letzten 13 Freiwürfe versenkt und schreibst auch in den Kategorien Blocks und Assists recht gut an.

Pöltl: Freiwürfe und Abschlüsse haben sicher mit dem Selbstvertrauen zu tun, mit dem ich derzeit spiele. Ich bin mittlerweile recht gut in die Offense involviert, daher kommen die Assists. Defensiv habe ich mich an das Team gewöhnt, ich muss nicht mehr so viel nachdenken, darauf führe ich die Steigerung bei den Blocks zurück.

Frage: Pro Minute sind deine Stats großteils sogar schon besser als im letzten Jahr in Toronto. In der Effizienz-Statistik „Player Efficiency Rating“ liegst du sogar unter den Top 30 der Liga – wäre da nicht eigentlich nicht mehr Spielzeit drin?

Pöltl: Ich habe mich sicherlich weiter verbessert, aber manche Statistiken haben auch damit zu tun, dass die Big Men bei den Spurs aktiver in das System eingebunden sind. Was die Spielzeit betrifft, ist die Situation einfach von Spiel zu Spiel unterschiedlich. Viel hängt auch davon ab, ob LaMarcus Aldridge einen Top-Tag hat. Falls ja, bleibt er natürlich lange auf dem Court. Ich spüre aber, dass mir die Coaches mehr und mehr vertrauen. Wenn ich gut drauf bin, bleibe ich auch länger drauf.

"Ich habe einfach eine Übergangsphase hinter mir, in der ich meine Rolle im Team noch nicht gefunden hatte. Ich war aber nie wirklich besorgt. Ich habe die Chance bekommen mehr zu spielen, dadurch ist dieser Übergang nun glatter erfolgt."

Jakob Pöltl

Frage: Du bist mittlerweile wie erhofft ein wichtiger Baustein der Spurs, führst das Team in PER und Feldwurfquote an. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit hat es noch ganz anders ausgesehen. Wie blickst du auf die Entwicklung zurück?

Pöltl: Es ist natürlich cool, dass es nun so gut funktioniert. Ich habe einfach eine Übergangsphase hinter mir, in der ich meine Rolle im Team noch nicht gefunden hatte. Ich war aber nie wirklich besorgt. Ich habe die Chance bekommen mehr zu spielen, dadurch ist dieser Übergang nun glatter erfolgt.

Frage: Zum Abschluss zwei andere Themen: Das österreichische Nationalteam hat sich mit Sylven Landesberg erfolgreich verstärkt.

Pöltl: Ich habe die Siege in Großbritannien und auf Zypern phasenweise live verfolgt und es hat Spaß gemacht, Sylven und dem Team zuzusehen. Ich habe von den Spielern gehört, dass er auch als Typ gut drauf ist. Die Leistungen freuen mich und lassen hoffen.

Frage: Ihr habt vor dem 24. Dezember noch sieben Spiele vor der Brust, kommt bei dir schon Weihnachtsstimmung auf?

Pöltl: Meine Mutter hat einen Adventskalender mitgebracht, aber darüber hinaus noch nicht wirklich. Meine Eltern sind im Laufe der Heimspielserie zu Besuch, zu Weihnachten werde ich aber wieder allein sein.

Textquelle: © LAOLA1.at

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