Ex-Trainer Schmidt: Das ist der Pöltl-Faktor

Ex-Trainer Schmidt: Das ist der Pöltl-Faktor Foto: © GEPA
 

Kommt er oder kommt er nicht lautete vor den Pre-Qualifikations-Spielen für die Basketball-EURO 2025 die große Frage.

Die Antwort: Ja, Jakob Pöltl wird erstmals seit 2017 wieder für Österreichs Nationalteam auflaufen! Der NBA-Star löst damit vor dem Heimspiel-Doppel in Salzburg gegen Irland am Donnerstag (30. Juni) und gegen Zypern (3. Juli) einen regelrechten Boom aus (beide Spiele im LIVE-Stream auf LAOLA1).

Zeigte sich der 26-jährige Wiener erst kürzlich noch beim "Jakob Pöltl Camp" als Star zum Angreifen, hilft der Big Man der San Antonio Spurs nun auch bei seinen rot-weiß-roten Teamkollegen aus. Hubert Schmidt kannte den Center schon lange bevor er seine stattliche Größe von 2,16 Metern erreichte.

"Sein großes Potenzial war immer schon zu sehen"

Der heutige Head Coach des BSL-Teams Vienna DC Timberwolves und Teamchef der österreichischen Basketball-Frauen war einer der ersten Trainer, die Pöltl im jungen Alter in Wien-Donaustadt ausbildeten, sein Potenzial erkannten und damals wie heute seine bodenständige Art schätzen.

"Dass er großes Potenzial hat, war immer schon zu sehen", bestätigt Schmidt im LAOLA1-Interview, auch wenn sich aus einem bestimmten Grund erst später herauskristallisierte, dass der Hüne wirklich das Zeug zum NBA-Profi mitbringt.

Seine Anwesenheit beim ÖBV-Team sei für alle ein riesiger Vorteil. "Von der Motivation her war Jakob immer schon seit dem Nachwuchs ein absoluter Teamplayer", verrät der Burgenländer, der seine Expertise über Basketball-Österreich und seine Vorgeschichte mit Pöltl auch als Co-Kommentar bei den LAOLA1-Livespielen gegen Irland (Hier geht's zum LIVE-Stream >>>) und Zypern (Hier geht's zum LIVE-Stream >>>) teilen wird.

Schon davor verrät er im Interview, was ihm an Pöltl imponiert, wie er zu dem Basketball-Star wurde, der er heute ist, wie er seine Rolle bei den Spurs bewertet und warum der millionenschwere Star noch immer der greifbare, bodenständige Junge von nebenan ist wie früher:

LAOLA1: Jakob Pöltl führt Österreichs Basketball-Nationalteam in der EM-Quali gegen Irland und Zypern an – erstmals seit 2017. Warum ist das jetzt auf einmal wieder möglich?

Hubert Schmidt: Es ist eigentlich nicht überraschend, weil es zum ersten Mal seit langem ein Länderspiel-Window gibt, wo die NBA Pause hat und auch der Saisonstart noch weit weg ist. Jakob hätte immer sehr gerne fürs Nationalteam gespielt, aber es ist im Basketball eine Eigenheit, dass der Terminplan mit der NBA und Euro League nicht zusammenpasst und oft die besten Spieler der einzelnen Nationen nicht für ihre Nationalteams spielen können. In Wahrheit ist es ein großer Schaden für den österreichischen Basketball, wenn man einen großen Star hat und der fast nie spielen kann. Das ist aus meiner Sicht ein Wahnsinn. Umso wichtiger ist, dass er jetzt da ist, auch wenn wir die beiden Spiele auch ohne ihn gewinnen sollten.

LAOLA1: Das Interesse steigt, durch Pöltl liegt ein anderer Fokus auf diesen Spielen. Wie wichtig ist es auch für den heimischen Basketball, dass mit ihm ein Star zum Anfassen dabei ist, an dem man sieht, wie weit man es von Österreich aus schaffen kann?

Schmidt: Absolut! Es ist natürlich sportlich eine Bereicherung und für die Teamkollegen wichtig, dass er mal dabei ist. Nicht nur für die jungen Teamkollegen ist es eine Extra-Motivation und alleine im Training eine Herausforderung. Aber am Wichtigsten ist es fast für die Fans, dass er nach längerer Zeit einmal in Österreich aufläuft. Die NBA, speziell in der Western Conference, hat es auch an sich, dass die Beginnzeiten für uns sehr ungünstig sind und es für viele Leute auch schwierig ist, ihn live zu verfolgen. Wenn er dann live in Österreich spielt, ist es einfach wichtig, dass der Basketball präsenter wird und Aufmerksamkeit da ist.

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LAOLA1: Was kann er jungen Spielern in den wenigen Tagen mitgeben, was können sie sich abschauen oder kitzelt das einfach zusätzliche Prozent heraus, um sich zu zeigen?

Schmidt: Sicher kann er das eine oder andere Detail mitgeben. Andere Spieler sehen sicher auch, was fehlt und was sie besser machen können. Viel hängt an seinen physischen Fähigkeiten, das wird für kaum jemanden erreichbar sein, was er kann. Aber das Wichtigste ist sicher die Erfahrung im Training, weil viele noch nie gegen und vor allem nie mit Spielern auf diesem Level zu tun hatten. Es ist sicher emotional ein Push, aber Dinge, die normal funktionieren, funktionieren gegen ihn vielleicht nicht oder funktionieren mit ihm besser, wie etwa Alley Oops. Da sind sicher viele Teilaspekte dabei, die junge Österreicher sonst nicht so oft sehen.

LAOLA1: Allerdings war Pöltl seit fünf Jahren nicht mehr dabei, kennt nicht alle Spieler und Abläufe. Ist es trotzdem so ein enormer Vorteil für alle Beteiligten für diese wenigen Tage?

Schmidt: Hundertprozentig! Von der Motivation her war Jakob immer schon seit dem Nachwuchs ein absoluter Teamplayer. Er wird auch Interesse daran haben, dass er die Jungen besser macht und ihnen hilft. Ihm wird nicht wichtig sein, dass er der Star ist oder im Mittelpunkt steht, das mag er ohnehin nicht so gerne. Wenn jetzt ein anderer Spieler weniger Minuten kriegt, wird in dem Fall keiner böse sein. Ich denke, dass das für alle nur positiv sein kann.

LAOLA1: Sein Weg führte Pöltl von 1220 Wien in die großen NBA-Arenen. Du warst einer seiner ersten Trainer, die ihn begleiten durften. Wie schnell war sein Potenzial ersichtlich?

Schmidt: Dass er großes Potenzial hat, war immer schon zu sehen. In der U14, da kann ich mich ans Nationalteam auch erinnern, war er noch nicht einmal der Größte. Er war ein körperlicher Spätentwickler, deshalb konnte man noch nicht sagen, dass es ganz weit gehen kann. Aber spätestens bei der U16, wo er deutlich gewachsen ist und sich noch immer super bewegt hat, hat man dann schon gesehen, dass er auf internationalem Level spielen wird können. Bei den ersten Testspielen im U16-Nationalteam hat man erstmals träumen dürfen, dass es vielleicht wirklich für die NBA reicht, spätestens nach den ersten Spielen am College hat man sicher sein können, wo er auch auf dem Level relativ schnell hervorgestochen ist und in den Mock-Drafts schnell ganz vorne war.

LAOLA1: Eine NBA-Karriere kann man ohnehin nur erhoffen, nicht fix einplanen. Wie weit hast du dem jungen Pöltl diesen Durchbruch bis hin zur NBA aber zugetraut?

Schmidt: Erahnen schon, aber dadurch, dass er körperlich kein Frühentwickler war, war es nicht so, dass er bei der U14 50 Punkte gemacht hätte. Es war sicher nicht komplett vorhersehbar, dass er so gut werden kann, weil man abwarten musste, wie es ausschaut, wenn er die anderen körperlich überholt. Aber das ist bei jedem anders. Es gibt Spieler, die mit 12 Jahren schon bei der U16 mitmachen können wie Luka Doncic oder es gibt welche, bei denen mit 17 oder 18 noch nicht klar ersichtlich ist, ob sie eine große Karriere vor sich haben. Es ist auch gut so, dass welche, die sich körperlich oder technisch verbessern auch später noch den Durchbruch schaffen können. Oder die gar nicht als NBA-Prospects nach Europa gehen und durch harte Arbeit und gute Entwicklung es dann noch in die NBA schaffen. Aber mit Jakobs Körpergröße und der bleibenden Agilität war das im Bereich mit 14, 15, 16 Jahren zu sehen.

LAOLA1: Pöltl übernimmt bei den Spurs immer mehr Verantwortung, ist zum Leader geworden und hat seine Stats kontinuierlich nach oben geschraubt. Wie siehst du seine Entwicklung?

Schmidt: Seine Entwicklung geht wie im Nachwuchs stetig nach oben, es ist auch in der NBA immer bergauf gegangen. Er ist in einer guten Position, hat sich das bei den Spurs hart erarbeiten müssen. Als er hingekommen ist, waren LaMarcus Aldridge und Pau Gasol vor ihm. Gasol – altersbedingt, aber schon ein Weltstar – war dann schnell hinter ihm. Durch seine defensiven Fähigkeiten hat er dann auch Aldridge eingepackt. Es hat viel mit ihm selbst zu tun, aber natürlich passt die Situation bei den Spurs derzeit, sodass er sich gut entfalten kann.

LAOLA1: Würdest du ihn trotzdem noch gerne länger bei den Spurs sehen oder wäre eine Veränderung in seinem Alter gar nicht mal so schlecht?

Schmidt: Es muss nicht unbedingt ein Trade sein. Wenn er im Sommer nicht vorzeitig seinen Vertrag verlängert – womit ich nicht rechne, weil es finanziell keinen Sinn macht -, kann er sich selber vielleicht in einem Jahr den Verein einmal aussuchen. Aber die Spurs sind sicher ein gut geführter Verein und machen einen super Job bei der Spielerentwicklung. Sie machen in der strategisch längerfristigen Entwicklung nicht viel falsch. Es könnte dort sicher passen, aber es könnte schon auch sein, dass er in einer bisschen kleineren Rolle bei einem absoluten Spitzenteam helfen oder sogar um einen Titel mitspielen kann. Aus meiner Fan-Sicht wäre das noch cooler, als ihn jedes Mal unbedingt 30 Minuten spielen zu sehen – wenn sich beides vereinbaren lässt, wäre es natürlich noch besser.

LAOLA1: Welche Stärken schätzt du besonders oder in welchen Bereichen hat er sich über die Jahre am meisten weiterentwickelt?

Schmidt: Er hat es schon immer geschafft, die größeren Rollen, die er bekommen hat, super zu nützen. In der NBA ist es teilweise wirklich schwieriger als woanders, an einem Routinier vorbeizukommen, der zehn Jahre lang im Schnitt 20 Punkte gemacht hat. Wenn sich diese Gelegenheiten ergeben, muss man sie auch nützen. Das Beeindruckendste ist, dass er wusste, in dem Jahr wird er mehr spielen und den Ball mehr in der Hand haben. Dann hat er auch viel daraus gemacht. Es ist nicht so, dass er viele Sachen unglaublich gut verbessert hat, aber er hat geschaut, was er gut kann, wo er effektiv sein kann und hat daran gearbeitet. Und er hat Wege gefunden, wie er effektiv scoren kann. Jakob ist jetzt keiner, der über andere drüberspringt, aber diesen Push-Shot aus zwei, drei Metern hat er wirklich perfektioniert. Das zeichnet ihn im Vergleich zu anderen Spielern in der NBA auch aus, dass er diese Würfe hochprozentig trifft. Da hat er eine gute Nische für sich gefunden.

LAOLA1: Inwieweit ist der NBA-Star Pöltl menschlich noch mit jenem Jugendlichen zu vergleichen, den du unter deinen Fittichen hattest?

Schmidt: In gewissen Dingen ist er fast 1:1 gleich wie damals. Ich hätte nicht gemerkt, dass er im Umgang mit seinen alten Weggefährten, Freunden und Trainern anders wäre. Natürlich hat er lernen müssen, mit dem ganzen Rundherum umzugehen, aber das hat er von Anfang an gut geschafft. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass ihm das zu Kopf steigt. Das war in seiner Karriere nie der Fall, weil er einfach geerdet ist und das von daheim mitbekommen hat. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Manche stammen aus schwierigen Verhältnissen, werden so tough, um sich durchzusetzen und haben dieses Selbstbewusstsein. Aber es gibt auch jene, die arrogant und übertrieben selbstbewusst werden und gar nicht merken, dass sie sich damit massiv einschränken in einem Teamsport. Das ist bei ihm überhaupt nicht der Fall, ganz im Gegenteil. Das war schon immer seine Stärke, dass er nicht nur der Beste sondern auch ein super Teamkollege war, dem es wichtig war, dass es allem im Team gut geht.

LAOLA1: Mit dem "Jakob-Pöltl-Camp" zeigt er seine soziale Ader, gibt seine Erfahrungen weiter und fördert den Basketball im Heimatland. Was sagt das über seine Persönlichkeit aus?

Schmidt: Camps machen viele, aber viele kommen zum Autogramme schreiben und winken einmal. Für ihn ist das aber wirklich eine Herzensangelegenheit. Die Idee ist relativ früh gekommen, dass er das machen will. Man sieht, dass er teilweise den ganzen Tag dort ist und fast ein schlechtes Gewissen hat, wenn er einmal eine Einheit nicht mitmacht. Er lebt das halt und man spürt, dass die Kinder davon begeistert sind. Auch wenn nur eine begrenzte Anzahl teilnehmen kann, spricht sich das herum. Er ist greifbar und kein Fantasie-Star, der in dieser Zeit weit weg ist. Er wollte auch kein Camp mit den größten Talenten machen, sondern 8- bis 14-jährigen Kindern Spaß am Basketball vermitteln. Das kann für viele ein entscheidender Moment in ihrem Basketball-Leben sein, weil das irrsinnige Motivation bringt.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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