Goldene Aigner: "Wir sind mit 130 Puls im Bett gelegen"
Mit unterschiedlichen Herangehensweisen gelingt Veronika und Johannes Aigner der perfekte Start in die Paralympics.
von Vincent Öfner
Der Start in die 14. Winter-Paralympics ist aus österreichischer Sicht perfekt gelungen.
Gleich in der aller ersten Medaillenentscheidung holte Veronika Aigner mit ihrer Guide Lilly Sammer Gold in der Abfahrt, ehe es Bruder Johannes Aigner ihr kurz darauf gleichtat und mit Guide Nico Haberl ebenfalls Abfahrts-Gold in der sehbehinderten Klasse gewann.
"Das beste Gefühl"
Bei Veronika Aigner fiel nach dem Rennen ein große Last ab: "Wir können heute gut schlafen gehen, gestern sind wir mit 130 Puls im Bett gelegen."
"Wir haben viel riskiert und das hat sich ausgezahlt. Es war einfach das beste Gefühl. Im Ziel war einfach der komplette Druck auf einmal weg", ergänzte sie.
Die Zeit vor den Paralympics war für Veronika nicht ganz einfach. Ihre Schwester Elisabeth, die eigentlich ihr Guide ist, zog sich kurz vor den Spielen einen Kreuzbandriss zu.
Mit Singen und Tanzen zu Gold
Die erst 16-jährige Lilly Sammer sprang als Guide ein und bewies ihr Talent, denn sie fuhr bei diesen Paralympics überhaupt zum ersten Mal in einer Abfahrt.
"Beim allerersten Abfahrtstraining haben die Beine brutal gezittert. Dann ist es eigentlich immer besser geworden und heute beim Start bin ich noch ein bisschen lockerer gewesen", sagte Sammer nach dem Rennen.
Der Schlüssel zum Erfolg waren für Veronika die Momente vor dem Start: "Im Lift haben wir österreichische Lieder gesungen und oben haben wir dann mit den Vorläufern noch eine Runde getanzt. Da sind wir dann so fit gewesen."
"Ich habe normale Dinge gemacht"
Für "Vroni" war es die ingesamt schon dritte Goldmedaille bei Paralympischen Spielen. Auch ihr Bruder Johannes holte seine ingesamt dritte Goldmedaille, wobei er sein Abfahrts-Gold von Peking verteidigte.
Vor dem Rennen versuchte der 20-Jährige ruhig zu bleiben: "Ich habe normale Dinge gemacht, Musik gehört und das, was ich daheim auch mache, also kein großer Unterschied."
Den Lauf seiner Schwester konnte er nicht mitverfolgen: "Ich muss ehrlich sagen, ich habe es nicht mitgekriegt, weil wir gerade am Lift waren. Ich hab dann nur die Zeit gehört."
Fokus auf nächste Rennen gerichtet
Der Niederösterreicher war als großer Favorit ins Rennen gegangen, doch er versuchte, sich nicht allzu viel Druck zu machen: "Ich finde, der Druck kommt vor allem von außen, weil ich weiß, was ich kann. Nervosität ist schon da, aber wir machen das das ganze Jahr."
Doch nicht nur in der Abfahrt ist Aigner der große Favorit. Im Weltcup konnte er sich jede Kristallkugel, die es zu gewinnen gibt, sichern.
"Der Fokus ist schon auch auf den nächsten Rennen, aber der Druck ist sicher weg", sagte Aigner etwas erleichtert.
Sowohl Johannes als auch Veronika Aigner haben noch die Chance auf jeweils vier weitere Medaillen. Der Start ist beiden jedenfalls geglückt.