Vom Formel-1-Kommandostand zur Simulator-Chefin

Vom Formel-1-Kommandostand zur Simulator-Chefin Foto: © GEPA
 

Ab 2000 war Monisha Kaltenborn für die Sauber Motorsport AG in Führungsfunktionen tätig, ab 2010 als CEO der Gruppe, ab 2012 auch als Teamchefin in der Formel 1. Mit dem Besitzerwechsel 2017 war ihre Zeit in Hinwil abgelaufen. Doch vom Rennsport kommt auch sie nicht so schnell los.

Auch nach einem Intermezzo mit einem Nachwuchsteam in der Formel 4 bleibt der Nachwuchs für die 50-jährige Wienerin mit indischen Wurzeln ein Hauptanliegen. Und wie bereiten sich die Rennsportstars kommender Jahre am besten vor? Auf dem Simulator.

In sicherer Computertechnik Formel-1-adäquates Fahren üben, das will die in der Nähe von Zürich lebende Österreicherin – die auch seit dem Vorjahr Präsidiumsmitglied beim SK Rapid ist – nun länderübergreifend aufziehen.

Racing Unleashed nennt sich das Projekt, das mittlerweile an mehreren Standorten in der Schweiz, in Madrid und in der Motorworld im Norden von München Räumlichkeiten nutzt, in denen in Renncockpits – die sogar Bodenwellen simulieren – wie in der Formel 1 alle bekannten Strecken gefahren werden können, mit großdimensionalen Bildschirmen im Blickfeld.

"Für uns geht es sowohl um das Erlebnis und das Ausprobieren als auch den sportlichen Aspekt für E-Racer", erklärt Kaltenborn. Und verweist darauf, dass die Simulatoren Eigenentwicklungen sind, sowohl Hard- als auch Software.

83.000 Euro pro Simulator

Ermöglicht wurde Racing Unleashed (also "entfesselter" oder "losgelöster" Rennsport) durch den Einstieg eines Finanziers. Der Schweiz-Spanier Francisco Fernandez ist in der Schweiz ein bekannter Entrepreneur, der u. a. mit der Entwicklung von Software für Banken (Avaloq) ein Vermögen machte. Monisha Kaltenborn ist CEO des Start-ups und hat damit als Angestellte die operative Leitung.

"Der Fokus ist das Fahrerlebnis für jeden und jede, vom Amateur bis zum Profi", erklärt die Wienerin. Man kann gegen die Uhr oder gegen Konkurrenten antreten. Insgesamt stehen derzeit an die 50 Simulatoren – gebaut übrigens von einer Firma in Maranello unweit von Ferrari – bereit, zehn davon in München, die jeweils rund 83.000 Euro kosten: "Wir hoffen, bald auch einen Standort in Österreich zu haben", ergänzt Kaltenborn, "am liebsten mit einem Franchisepartner."

Zu buchen sind die Simulatoren für den Kunden von der Straße für acht, 15 oder 30 Minuten zu erschwinglichen Preisen. Unterschiedliche Größe der Computerpiloten ist kein Problem: "Die Pedale sind versetzbar", erläutert Kaltenborns engster Mitarbeiter Robert Höpoltseder – der Oberösterreicher war schon bei Sauber über Jahre als Pressesprecher an der Seite der Wienerin.

Bitte anschnallen: Natürlich mit einem Fünfpunktgurt, erst dann kann es losgehen. Die erste Wahl betrifft die Schwierigkeitsstufen von eins mit allen Fahrhilfen bis vier für echte Racer. Das Bewegungssystem simuliert auch die Fliehkräfte, so dass sogar für den Simulator eine Grundkondition von Vorteil ist.

Auch Wettkämpfe werden gefahren

Beim virtuellen Wettbewerb gegen Konkurrenten, die anderswo online sind, gibt es zwei Klassen, die Racer League und die Challenger League. Preisgeld bei einem Rennsieg unter den Profis: 2500 Schweizer Franken. Mit Ex-Sauber-Pilot Karl Wendlinger ist auch der Markenbotschafter Österreicher.

Monisha Kaltenborn sieht in Racing Unleashed nicht nur "eine Demokratisierung des Formel-1-Fahrens", sondern auch eine Trainingsmöglichkeit für Nachwuchspiloten. Im Simulator gibt es nicht nur ein Formel-1-Programm, sondern auch eines für die Einsteiger-Formel 4. Und bald für den GT-Sport.

Doch auch die "echte" Formel 1 lässt die Wienerin nicht los: "Ich verfolge die Formel 1 genau." Prognose 2021: "Wenn Max Verstappen konstant bleibt, hat er eine große Titelchance."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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