Dass sich Penskes junges Team in den 1960er-Jahren im Open Wheel Racing und bei Sportwagen etablieren konnte, war einem gebürtigen Steirer zu verdanken. Denn Karl Kainhofer, Mechanikerlehrling aus Graz, war über Porsche in Stuttgart in die USA ausgewandert und wurde 1966 erster Angestellter Penskes – und blieb bis in die späten 1990er-Jahre dessen "rechte Hand".
Kainhofer war ein Pedant im besten Sinn, der für amerikanische Rennteams neue Maßstäbe in Sachen Qualitätssicherung, Sauberkeit und Detailarbeit setzte – einfach ein Perfektionist. In 31 Jahren bei Penske Racing war der 1931 geborene Steirer an zehn Indy-500-Siegen, 99 Erfolgen in Indycar (früher USAC/CART)-Rennen und dem Gewinn zahlreicher Meisterschaften maßgeblich beteiligt.
Kainhofer arbeitete sogar in der Formel 1 Mitte der 1970er-Jahre für Roger Penske, erzählte mir aber vor einigen Jahren: "Als das Unglück mit Mark Donohue geschah, ausgerechnet in meiner Heimat, da ließ ich die Finger vom F1-Team." Der US-Star Donohue, 1972 erster Sieger für Penske im Indy 500 und zwischen 1971 und 1975 auch in der Formel 1, war im Aufwärmtraining des GP von Österreich auf dem Österreichring nach einem Reifenschaden verunglückt. Er erlag zwei Tage später in einem Grazer Spital seinen Kopfverletzungen.
Als John Watson ein Jahr später an gleicher Stelle den einzigen F1-Sieg Penskes einfuhr, war Kainhofer längst wieder in den USA im Einsatz. 1977 stieg der Grazer zum Vizepräsidenten und Generalmanager von Penske Racing auf und blieb es bis 1986. Am überraschenden Indy-500-Sieg von Al Unser jun. 1994 im Penske mit dem "Stoßstangenmotor" von Mercedes hatte Kainhofer wesentlichen Anteil.
"Karl baute um sich eine Kultur der höchsten Qualität auf und machte Penske Racing zu dem, was es bis heute ist", sagte Penske einst über seinen Mitstreiter. Dem der renommierte Journalist Gordon Kirby auch ein ausführliches Buch widmete ("Penskes Maestro: Karl Kainhofer and the History of Penske Racing“, Racemaker Press 2016). Kainhofer ging Ende 1997 in Pension und besuchte seither immer wieder seine alte Heimat.
Penske und die sechs "Ruhmeshallen"
Team Penske hat im Vorjahr die Marke von 600 Rennsiegen und 40 Meisterschaften überschritten. Im Vergleich zu 19 Triumphen im Indy 500 und drei im Daytona 500 der NASCAR-Serie sind die nun zwei Siege im Rolex 24 fast bescheiden.
Penske arbeitete in seiner langen Motorsportgeschichte mit fast allen großen Herstellern zusammen: Ford, Chevrolet, Mercedes. Mit Porsche spannte Penske schon in der CanAm-Sportwagenserie der 1970er-Jahre zusammen, von 2005 bis 2008 setzte er den Porsche RS Spyder höchst erfolgreich in der American Le Mans-Serie ein. 2022 schließlich begann die Kooperation mit dem 963 für IMSA und WEC. 2019 kaufte Penske die Rechte an der Indycar-Serie und das Indianapolis Motor Speedway, beide zuvor im Besitz der Hulman-George-Familie.
Als Vorsitzender der Penske Corporation in Bloomfield Hills (Michigan) hat er die Verantwortung über seine Automotive Group (Autohändler in den USA, Kanada und Europa), den Lkw-Verleih Penske Truck Leasing, die zweite Händlerorganisation Penske Group sowie die Rennteams und Rennstrecken. Er sitzt in mehreren Aufsichtsräten und wurde in sechs "Ruhmeshallen" der Auto- und Rennsportbranche aufgenommen.
Das Vermögen des fünffachen Vaters (Sohn Jay führt das Formel-E-Team DS Penske) wird auf 3,8 Milliarden Dollar geschätzt.