Die Gründe für den Zuschauerrückgang sind also vielfältig. Umso interessanter wäre es, zu erfahren, wie die Veranstalter selbst die Entwicklung beurteilen.
LAOLA1 wollte wissen: Was sind aus Sicht des Veranstalters die wesentlichen Gründe für den Rückgang? Und welche Maßnahmen werden gesetzt, um wieder mehr Fans nach Spielberg zu locken?
Die Antwort: Eisernes Schweigen.
Ein fünf Punkte umfassender Fragenkatalog wurde zunächst abgelehnt. Am Donnerstag folgte auf Nachfrage die Rückmeldung, dass aktuell keine Stellungnahme angeboten werden könne.
So geht Transparenz – nicht.
Transparenz würde helfen
Dabei gäbe es einiges zu erklären: Wer legt die Preise für Tickets und Verpflegung fest? Was treibt die Kosten für Unterkünfte? Und was soll konkret passieren, um Fans zurückzugewinnen?
Offene Antworten würden nicht jede Kritik entkräften. Sie würden aber Klarheit schaffen - und womöglich auch Verständnis. Denn eines muss man dem Veranstalter zugutehalten: Am Angebot mangelt es nicht.
Die Fanzone wurde heuer erneut erweitert, dazu kommen Konzerte, DJ-Auftritte, Autogrammstunden und Angebote für jüngere Besucher. An Engagement fehlt es also nicht.
Neuer Termin, alte Probleme
Nur: Ein immer größer werdendes Rahmenprogramm alleine bringt die Fans nicht an die Strecke.
Auch das Argument des ungünstigen Sommertermins greift mittlerweile zu kurz. Dieses Feedback wurde gehört, der Grand Prix wurde heuer auf Mitte September verschoben. Ob das den gewünschten Effekt bringt, ist allerdings fraglich.
Seit die Königsklasse in Spielberg gastiert, gab es nie einen österreichischen Stammfahrer. Trotzdem kamen immer wieder deutlich mehr als 100.000 Fans.
Der Ticketverkauf verlief im Vorfeld schleppend. Für einen Sitzplatz am Rennsonntag müssen mehr als 200 Euro bezahlt werden, ein Stehplatz kostet 89 Euro.
Darauf zu hoffen, dass die Fans kurzfristig noch in großer Zahl kommen, ist bei diesen Preisen jedenfalls gewagt.
Kein Lokalmatador als Ausrede
Auch die Sehnsucht nach einem österreichischen Lokalmatadoren ist keine ausreichende Erklärung.
Seit die Königsklasse in Spielberg gastiert, gab es nie einen österreichischen Stammfahrer. Trotzdem kamen immer wieder deutlich mehr als 100.000, teilweise knapp 200.000 Fans nach Spielberg.
KTM ist nicht die ganze MotoGP
Auch KTM ist nicht die alleinige Erklärung. Die finanzielle Krise hat zweifellos an Strahlkraft gekostet. Dass durch den Wegfall der KTM-Tribüne gleich 30.000 Menschen weniger kommen, ist auch Tatsache. Aber die MotoGP ist größer als KTM.
Und ja: Seit Valentino Rossis Karriereende fehlt der Weltmeisterschaft – mit Marc Márquez als Ausnahme – ein Superstar, der Menschen weit über die eigene Fangemeinde hinaus an die Strecke zieht.
Gleichzeitig gibt es mit Fabio Quartararo, Francesco Bagnaia, Jorge Martin oder Pedro Acosta auch weiterhin zahlreiche Identifikationsfiguren.
Der Kampf um die Fans
Die Wahrheit dürfte deshalb irgendwo dazwischen liegen: steigende Kosten, Termin, Lärm, die sportliche Situation, fehlende Superstars und ein verändertes Freizeitverhalten.
Einen einzelnen Grund für den Zuschauerschwund gibt es vermutlich nicht. Umso unverständlicher ist das Schweigen des Veranstalters.
Denn die Konkurrenz schläft nicht. In Deutschland, Tschechien und Ungarn gibt es weitere MotoGP-Standorte, die um dieselben Fans kämpfen.
Für österreichische Besucher sind diese Alternativen teilweise schnell erreichbar und preislich wesentlich attraktiver. Der Kampf um das Publikum wird also nicht einfacher.
Spielberg muss handeln
Es ist deshalb nicht alleine die Aufgabe der MotoGP, wieder attraktiver zu werden. Auch die Weltmeisterschaft muss neue Zuschauer gewinnen, bestehende Fans halten und ihre Stars vermarkten.
Aber ebenso muss der Veranstalter sein Rennen entsprechend promoten und wieder zu einem Pflichttermin für die Fans machen.
Dazu gehört auch, Kritik auszuhalten und Fragen zu beantworten.
Denn was bringt es, sich auf Umfragen zu berufen, wonach der Red Bull Ring die beste Rennstrecke der Welt für Zuschauer sein soll, wenn immer weniger Zuschauer kommen?
Schweigen ist keine Strategie
Ein gutes Produkt verkauft sich nicht automatisch von selbst. Der Grand Prix in Spielberg braucht deshalb mehr als ein gutes Rahmenprogramm.
Es braucht eine klare Strategie, gute Vermarktung - und vor allem den Willen, offen darüber zu sprechen, warum die Fans derzeit ausbleiben.
Schweigen ist jedenfalls keine Strategie.