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Pit Beirer: Warum KTM weniger zum Sieg fehlt, als es scheint

Der Motorsportdirektor erklärt, was KTM für Siege noch fehlt. Zudem gewährt der Deutsche Einblicke in die Motorenmisere und schwärmt von Pedro Acosta.

Pit Beirer: Warum KTM weniger zum Sieg fehlt, als es scheint Foto: © IMAGO / Icon Sportswire

"Der Heim-Grand-Prix ist immer etwas ganz Besonderes", strahlt Pit Beirer.

Es ist mittlerweile zur Tradition geworden, dass sich LAOLA1 in Spielberg mit dem Motorsportdirektor von KTM trifft. Auch 2026 hat sich der Deutsche wieder Zeit für ein Gespräch genommen.

Über dem Murtal hängen die Wolken am Donnerstag tief, immer wieder regnet es. Ein Sinnbild für die finanzielle Krise, die KTM im vergangenen Jahr durchgemacht hat, soll das allerdings nicht sein.

Regen weckt Erinnerungen

Das trübe Wetter weckt stattdessen schöne Erinnerungen.

Nämlich an 2021, den letzten Heimsieg am Red Bull Ring. Damals tänzelte Brad Binder auf Trockenreifen durch den dichten Regen, vollbrachte das Husarenstück und ließ Orange jubeln.

"Für die Zuschauer und Camping-Plätze wäre es mir allerdings fast lieber, es bleibt trocken", schmunzelt Beirer. Die Wetterprognose meint es gut, besonders am Renn-Sonntag warten spätsommerliche Temperaturen.

Wobei: Etwas Regen würde KTM schon zugutekommen. "Da sind wir brutal stark, somit wäre ein Regenrennen für uns schon ganz angenehm", meint der Sportchef.

Wahrheit liegt im Trockenen

Die Orangenen wollen allerdings die "Wahrheit wissen". "Und die bekommen wir nur im Trockenen", betont der 53-Jährige.

Wenn das Motorrad perfekt funktioniert, können wir um den Sieg mitfahren.

Pit Beirer

KTM ist bestrebt, den Sprung an die Spitze endlich zu schaffen. Ein "glücklicher Sieg" im Regen würde das Projekt nicht weiterbringen. Wenngleich Beirer ihn mit Handkuss nehmen würde.

Doch er gibt zu verstehen: "Wir müssen im Trockenen stark genug sein, damit wir aus eigener Kraft Rennen gewinnen können."

KTM ist näher dran, als es scheint

Viel fehlt dem Team aus Mattighofen nicht.

Pedro Acosta war bei seinem zweiten Platz in Aragon nur 1,5 Sekunden hinter Marc Marquez im Ziel. In Misano waren es 2,3 Sekunden.

"Wenn das Motorrad perfekt funktioniert, können wir um den Sieg mitfahren", sagt Beirer. Doch das Fenster, in dem man sich dafür bewegen muss, sei zu klein. Es gelinge an zu wenigen Tagen, dieses Fenster zu treffen.

Klare Schwachstelle

Die KTM RC16 hätte eine klare Schwachstelle, erklärt Beirer: "Wenn wir die Vorderradbremse in der Kurve loslassen, brauchen wir einen Tick länger, um das Motorrad zu drehen."

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Die KTM RC16 hat beim Kurvenfahren ihre Schwächen.
Foto: ©GEPA

Bei der Entwicklung der neuen 850-ccm-Motorräder für 2027 sei es das große Ziel, dieses letzte Puzzlestück bei der Aerodynamik und dem Chassis zu finden, damit die Piloten es in der Kurve leichter hätten.

Beirer betont: "Unser Bike muss einfacher zu fahren sein. Daran müssen wir arbeiten, damit die Fahrer auch an schlechten Tagen einen Puffer haben. Den haben wir aktuell nicht."

Motorenmisere bremst KTM ein

Im Sommer bereitete allerdings der Motor große Sorgenfalten.

Das Triebwerk ist stets eine der größten Stärken KTMs, doch ein defektes Teil kostete nicht nur Zuverlässigkeit, sondern besonders wertvolle Zeit in der Entwicklung. "Wir hatten in zehn Jahren noch nie so ein Problem", betont Beirer.

Da jeder Fahrer über eine gesamte Saison nur acht Motoren zur Verfügung hat, die überdies allesamt versiegelt sind, mussten für die Fehlersuche völlig neue Motoren gebaut werden.

Das hat ein Riesenloch in unsere Saison gerissen, weil wir einige Ausfälle hatten.

Pit Beirer

Als das fehlerhafte Bauteil - mutmaßlich handelt es sich dabei um eine Komponente eines externen Zulieferers - gefunden wurde, musste für die Reparatur noch die Zustimmung der restlichen MotoGP-Teams erlangt werden.

Während der Saison am Motor zu arbeiten, ist nämlich verboten.

Ausfälle reißen Loch in Saison

Nach anfänglichem Widerstand stimmten die anderen MotoGP-Teams der Revision schließlich zu.

Wie gefährlich ein plötzlich aussetzender Motor sein kann, zeigte sich in Barcelona. Alex Marquez krachte dort in das Heck von Pedro Acosta, dessen KTM sich urplötzlich abgeschaltet hatte, und erlitt schwere Verletzungen.

Unter der Aufsicht eines Offiziellen konnten die defekten Teile dann ausgetauscht werden. Beirer knirscht: "Das hat ein Riesenloch in unsere Saison gerissen, weil wir einige Ausfälle hatten. Dadurch lässt die Motivation auch nach."

Harte Saison nach Traumstart

Dabei war die Motivation zu Saisonbeginn noch auf einem absoluten Hoch.

Acosta holte beim Auftakt in Thailand den Sieg im Sprint und fuhr im Grand Prix auf Platz zwei. Damit hat erstmals ein KTM-Pilot die Fahrer-WM angeführt.

Es folgte ein dritter Platz in Austin, bis Barcelona hätte man konstant um Siege gekämpft, findet Beirer. "Doch dann kam die Misere. Deshalb war die Saison bislang schon sehr hart."

Chance auf Heimsieg in Spielberg?

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Die größten Hoffnungen auf einen KTM-Heimsieg ruhen auf Pedro Acosta.
Foto: ©GEPA

In Spielberg soll hingegen der positive Trend der letzten Rennwochenenden fortgesetzt werden. Beirer ist zuversichtlich, dass dies gelingen kann.

"Wir haben einen starken Motor, sind brutal stark auf der Bremse. Und der Red Bull Ring ist ein Kurs, wo man auf der Bremse viel Zeit gutmachen kann. Die Strecke passt gut zu uns, wir wollen uns nicht auf Ausreden einlassen."

Pol Espargaro traut Acosta sogar den Heimsieg zu. "Mit der Motivation des Heim-Grand-Prix und der Zuschauer ist es möglich", glaubt auch Beirer an die Chance.

Gleichzeitig sagt der Deutsche: "Ich möchte mit dem Wort 'Sieg' sehr vorsichtig sein. Momentan gefällt mir besser, dass wir aufs Podium fahren können - und müssen. Das ist das Leistungsniveau, das wir wirklich haben."

Acosta macht den Unterschied

Acosta könnte an diesem Wochenende allerdings den Unterschied ausmachen, wie auch schon die gesamte Saison über.

Er ist echt verdammt gut und aktuell sicher einer der besten Fahrer in der gesamten MotoGP.

Pit Beirer über Pedro Acosta

Der 22-jährige Spanier ist seinen KTM-Teamkollegen in der WM meilenweit voraus, hat über 100 Punkte Vorsprung auf Enea Bastianini und Brad Binder.

"Er ist echt verdammt gut und aktuell sicher einer der besten Fahrer in der gesamten MotoGP", lobt Beirer seinen Schützling.

Was macht er besser als die anderen? "Er ist entschlossen, radikal und quetscht aus diesem Motorrad das Maximum heraus. Er fährt Linien, die die anderen gar nicht fahren können. Er ist ein außergewöhnlicher Fahrer."

Die zweite Speerspitze fehlt

Der Motorsportchef betont zugleich, mit der Performance der anderen drei Fahrer "absolut nicht zufrieden" zu sein. Mit Vinales hätte es neben Acosta einen weiteren Piloten gegeben, der besonders 2025 "extrem gut" performt hätte.

Damit ist uns der zweite Pilot, der an das Bike geglaubt hat, damit zufrieden war und sehr schnell fahren konnte, weggebrochen.

Pit Beirer über den verletzten Maverick Vinales

Doch "Top Gun" ist seit einem folgenschweren Sturz vergangenes Jahr am Sachsenring verletzt und konnte bei mehreren Comeback-Versuchen nicht mehr an seine alten Leistungen anschließen.

Beirer bedauert: "Damit ist uns der zweite Pilot, der an das Bike geglaubt hat, damit zufrieden war und sehr schnell fahren konnte, weggebrochen. Das hat uns zusätzlich geschwächt."

Somit ist Acosta die größte Hoffnung auf einen KTM-Heimsieg. Damit würde sich für ihn ein Kreis schließen, meinte der Jungstar selbst. Es wäre zugleich sein erster MotoGP-Erfolg – nur wenige Monate vor seinem Abschied zu Ducati.

Die denkwürdigsten MotoGP-Momente in Spielberg

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