Wenn das Motorrad perfekt funktioniert, können wir um den Sieg mitfahren.
KTM ist bestrebt, den Sprung an die Spitze endlich zu schaffen. Ein "glücklicher Sieg" im Regen würde das Projekt nicht weiterbringen. Wenngleich Beirer ihn mit Handkuss nehmen würde.
Doch er gibt zu verstehen: "Wir müssen im Trockenen stark genug sein, damit wir aus eigener Kraft Rennen gewinnen können."
KTM ist näher dran, als es scheint
Viel fehlt dem Team aus Mattighofen nicht.
Pedro Acosta war bei seinem zweiten Platz in Aragon nur 1,5 Sekunden hinter Marc Marquez im Ziel. In Misano waren es 2,3 Sekunden.
"Wenn das Motorrad perfekt funktioniert, können wir um den Sieg mitfahren", sagt Beirer. Doch das Fenster, in dem man sich dafür bewegen muss, sei zu klein. Es gelinge an zu wenigen Tagen, dieses Fenster zu treffen.
Klare Schwachstelle
Die KTM RC16 hätte eine klare Schwachstelle, erklärt Beirer: "Wenn wir die Vorderradbremse in der Kurve loslassen, brauchen wir einen Tick länger, um das Motorrad zu drehen."
Bei der Entwicklung der neuen 850-ccm-Motorräder für 2027 sei es das große Ziel, dieses letzte Puzzlestück bei der Aerodynamik und dem Chassis zu finden, damit die Piloten es in der Kurve leichter hätten.
Beirer betont: "Unser Bike muss einfacher zu fahren sein. Daran müssen wir arbeiten, damit die Fahrer auch an schlechten Tagen einen Puffer haben. Den haben wir aktuell nicht."
Motorenmisere bremst KTM ein
Im Sommer bereitete allerdings der Motor große Sorgenfalten.
Das Triebwerk ist stets eine der größten Stärken KTMs, doch ein defektes Teil kostete nicht nur Zuverlässigkeit, sondern besonders wertvolle Zeit in der Entwicklung. "Wir hatten in zehn Jahren noch nie so ein Problem", betont Beirer.
Da jeder Fahrer über eine gesamte Saison nur acht Motoren zur Verfügung hat, die überdies allesamt versiegelt sind, mussten für die Fehlersuche völlig neue Motoren gebaut werden.
Das hat ein Riesenloch in unsere Saison gerissen, weil wir einige Ausfälle hatten.
Als das fehlerhafte Bauteil - mutmaßlich handelt es sich dabei um eine Komponente eines externen Zulieferers - gefunden wurde, musste für die Reparatur noch die Zustimmung der restlichen MotoGP-Teams erlangt werden.
Während der Saison am Motor zu arbeiten, ist nämlich verboten.
Ausfälle reißen Loch in Saison
Nach anfänglichem Widerstand stimmten die anderen MotoGP-Teams der Revision schließlich zu.
Wie gefährlich ein plötzlich aussetzender Motor sein kann, zeigte sich in Barcelona. Alex Marquez krachte dort in das Heck von Pedro Acosta, dessen KTM sich urplötzlich abgeschaltet hatte, und erlitt schwere Verletzungen.
Unter der Aufsicht eines Offiziellen konnten die defekten Teile dann ausgetauscht werden. Beirer knirscht: "Das hat ein Riesenloch in unsere Saison gerissen, weil wir einige Ausfälle hatten. Dadurch lässt die Motivation auch nach."
Harte Saison nach Traumstart
Dabei war die Motivation zu Saisonbeginn noch auf einem absoluten Hoch.
Acosta holte beim Auftakt in Thailand den Sieg im Sprint und fuhr im Grand Prix auf Platz zwei. Damit hat erstmals ein KTM-Pilot die Fahrer-WM angeführt.
Es folgte ein dritter Platz in Austin, bis Barcelona hätte man konstant um Siege gekämpft, findet Beirer. "Doch dann kam die Misere. Deshalb war die Saison bislang schon sehr hart."
Chance auf Heimsieg in Spielberg?
In Spielberg soll hingegen der positive Trend der letzten Rennwochenenden fortgesetzt werden. Beirer ist zuversichtlich, dass dies gelingen kann.
"Wir haben einen starken Motor, sind brutal stark auf der Bremse. Und der Red Bull Ring ist ein Kurs, wo man auf der Bremse viel Zeit gutmachen kann. Die Strecke passt gut zu uns, wir wollen uns nicht auf Ausreden einlassen."
Pol Espargaro traut Acosta sogar den Heimsieg zu. "Mit der Motivation des Heim-Grand-Prix und der Zuschauer ist es möglich", glaubt auch Beirer an die Chance.
Gleichzeitig sagt der Deutsche: "Ich möchte mit dem Wort 'Sieg' sehr vorsichtig sein. Momentan gefällt mir besser, dass wir aufs Podium fahren können - und müssen. Das ist das Leistungsniveau, das wir wirklich haben."
Acosta macht den Unterschied
Acosta könnte an diesem Wochenende allerdings den Unterschied ausmachen, wie auch schon die gesamte Saison über.
Er ist echt verdammt gut und aktuell sicher einer der besten Fahrer in der gesamten MotoGP.
Der 22-jährige Spanier ist seinen KTM-Teamkollegen in der WM meilenweit voraus, hat über 100 Punkte Vorsprung auf Enea Bastianini und Brad Binder.
"Er ist echt verdammt gut und aktuell sicher einer der besten Fahrer in der gesamten MotoGP", lobt Beirer seinen Schützling.
Was macht er besser als die anderen? "Er ist entschlossen, radikal und quetscht aus diesem Motorrad das Maximum heraus. Er fährt Linien, die die anderen gar nicht fahren können. Er ist ein außergewöhnlicher Fahrer."
Die zweite Speerspitze fehlt
Der Motorsportchef betont zugleich, mit der Performance der anderen drei Fahrer "absolut nicht zufrieden" zu sein. Mit Vinales hätte es neben Acosta einen weiteren Piloten gegeben, der besonders 2025 "extrem gut" performt hätte.
Damit ist uns der zweite Pilot, der an das Bike geglaubt hat, damit zufrieden war und sehr schnell fahren konnte, weggebrochen.
Doch "Top Gun" ist seit einem folgenschweren Sturz vergangenes Jahr am Sachsenring verletzt und konnte bei mehreren Comeback-Versuchen nicht mehr an seine alten Leistungen anschließen.
Beirer bedauert: "Damit ist uns der zweite Pilot, der an das Bike geglaubt hat, damit zufrieden war und sehr schnell fahren konnte, weggebrochen. Das hat uns zusätzlich geschwächt."
Somit ist Acosta die größte Hoffnung auf einen KTM-Heimsieg. Damit würde sich für ihn ein Kreis schließen, meinte der Jungstar selbst. Es wäre zugleich sein erster MotoGP-Erfolg – nur wenige Monate vor seinem Abschied zu Ducati.