Es ist relativ hart für mich, weil alles neu ist. Ich bin heuer draufgekommen, dass mir in manchen Bereichen doch noch etwas Erfahrung fehlt.
LAOLA1: Das heißt, wie lautet dein Ziel für dieses Wochenende?
Rammerstorfer: Ich will zeigen, was ich drauf habe. Wenn ich meine Leistung abrufe, ist ein Punkt möglich. Wenn ich den Abstand zu den Führenden auf einer Runde bei einer Sekunde halten kann, würde ich mich auch freuen - oder wenn ich ins Q2 komme. Mir ist aber auch wichtig, mich jedes Wochenende etwas zu steigern. Das gelingt mir bis jetzt relativ gut. Das Niveau ist einfach auch sehr hoch.
LAOLA1: In Thailand und Frankreich ist es dir gelungen, in die Punkteränge zu fahren. Wie fällt das bisherige Fazit deiner Rookie-Saison aus?
Rammerstorfer: Es wird einem gar nichts geschenkt! Es ist relativ hart für mich, weil alles neu ist. Ich bin heuer draufgekommen, dass mir in manchen Bereichen doch noch etwas Erfahrung fehlt. Vor allem was die Technik des Bikes angeht, gibt es einige Sachen, die ich deutlich verbessern muss. Auch fahrtechnisch kann ich mich sicher noch verbessern. Ich habe mir jetzt Jonas Folger (deutscher Ex-MotoGP-Fahrer, Anm.) an die Seite geholt. Es ist gut, einen professionellen Rennfahrer an seiner Seite zu haben, der andere Sachen sieht als man selbst.
LAOLA1: Wie ist es zur Zusammenarbeit mit Jonas Folger gekommen?
Rammerstorfer: Ich habe den Mut zusammengenommen, ihn angerufen und gefragt, ob er mir helfen würde. Er war sofort sehr motiviert. Wir haben es in Misano erstmals probiert, das hat mir sehr gut gefallen.
LAOLA1: Wie unterstützt er dich an einem Rennwochenende?
Rammerstorfer: Wir besprechen bereits in der Früh, wie der Plan für die jeweilige Session aussieht. Er steht dann draußen an der Strecke und sieht sich an, wie sowohl ich als auch meine Konkurrenten fahren. Er schaut gemeinsam mit dem Team, dass für mich das Beste herausgearbeitet wird und ich mich von Session zu Session verbessere.
LAOLA1: Wird er dich die restliche Saison über begleiten?
Rammerstorfer: Bei den Übersee-Rennen wird er eher nicht dabei sein, bei den abschließenden beiden Grand Prix in Europa schon. Dann hoffen wir, für das nächste Jahr einen guten Deal auszuhandeln.
LAOLA1: Das klingt danach, als würdest du bereits wissen, wo du nächstes Jahr fahren wirst.
Rammerstorfer: Ja, am Samstag wird bekanntgegeben, wie meine Zukunft aussehen wird.
LAOLA1: Liegt die Zukunft weiterhin in der Moto3?
Rammerstorfer: Ja, das kann ich schon verraten.
LAOLA1: Gratulation! Dein Aufstieg in die Moto3 wurde erst Ende Jänner fixiert. Wie kam es überhaupt dazu?
Rammerstorfer: Es hat bereits während der vergangenen Saison Gespräche gegeben. Letztendlich war wohl die Verletzung von Noah Dettwiler (der Schweizer hatte bei einem Auffahrunfall vor dem Grand Prix von Malaysia im Vorjahr schwere Verletzungen erlitten, Anm.) der ausschlaggebende Punkt. Das Team hat nach einem Fahrer gesucht und sich wohl gedacht: Setzen wir einen Österreicher aufs Bike.
LAOLA1: Die Farben der Flaggen sind ja ident.
Rammerstorfer: Genau. (lacht) Mein Vater, der mich auch managt, hat sich ordentlich reingehängt und den Deal eingefädelt. Es war für mich sicher die beste Option, weil man hier unheimlich viel lernt.
Das ist eine Challenge für sich. Die Connections und Aufmerksamkeit aufzubauen, ist sehr schleppend verlaufen.
LAOLA1: Wie schnell es gehen kann, sieht man nicht nur am Beispiel Noah Dettwiler. Dein Landsmann Jakob Rosenthaler stand Anfang Jänner vor einer existenzbedrohenden Situation, nachdem nahezu sein gesamtes Rennsport-Equipment bei einem Großbrand vernichtet wurde. Muss man sich glücklich schätzen, wenn sich - wie in deinem Fall - zwei Monate vor Saisonstart so eine Gelegenheit ergibt?
Rammerstorfer: Es ist auch ein Verdienst harter Arbeit. Ich kenne den Jakob schon länger, wir sind auch Teamkollegen gewesen. Mein Vater und ich hatten es früher etwas härter als er. Heute haben wir ein sehr gutes Umfeld an Partnern und Sponsoren, das macht am Ende einen Unterschied. Rennfahren ist das eine, aber es gehört deutlich mehr dazu.
LAOLA1: Du bist als Österreicher in der Motorrad-WM ein Alleinstellungsmerkmal. Wie schwierig war es, die nötige Unterstützung für den langen Weg hierher zu erhalten?
Rammerstorfer: Das ist eine Challenge für sich. Die Connections und Aufmerksamkeit aufzubauen, ist sehr schleppend verlaufen. In der Moto3 funktioniert es schon relativ gut, früher war es jedoch sehr mühsam. Wir hatten von Anfang an sehr gute Sponsoren, doch am Ende muss man jeden Tag laufen, damit man Unterstützung bekommt.
LAOLA1: Und sportlich: Wie groß war der Unterschied zwischen dem Red Bull Rookies Cup und der Moto3?
Rammerstorfer: Im Rookies Cup ist es einfach: Du kommst hin und schaust, dass du so schnell wie möglich fährst. Jeder Fahrer hat dasselbe Material und dieselben Techniker. Dann kommst du in die Moto3, wo viel mehr Sachen entscheidend sind. Die Fitness wird noch viel wichtiger, genauso die Zusammenarbeit mit dem Team. Es wird zudem noch wichtiger, welches Material einem zur Verfügung steht. Wie man so eine Saison körperlich und mental wegsteckt, ist ebenfalls eine Herausforderung. Sie ist deutlich intensiver als alles, was ich bisher gekannt habe. Es kommen noch mehr Herausforderungen auf einen zu. Das Endziel bleibt aber gleich: So schnell wie möglich um die Strecke zu fahren.
LAOLA1: Das gelingt Max Quiles besonders gut. Er hat sechs der bisherigen 14 Rennen gewonnen, war insgesamt zwölf Mal am Podest. Was macht ihn so stark?
Rammerstorfer: Er hat ein sehr gutes Umfeld. Wenn man mit den Marquez-Brüdern unterwegs ist, sie dir unter die Arme greifen, ist das sicher kein Nachteil. Er fährt zudem in einem der besten Teams und ist mit großem Talent gesegnet. Das ist die bestmögliche Kombination.
Nach allem, was ich in dieser Saison gesehen habe, gibt es für mich auf dieser Welt nichts Vergleichbares mit Spielberg.
LAOLA1: Wie groß sind die Unterschiede zwischen den Teams tatsächlich?
Rammerstorfer: Ich kann es schwer beurteilen, weil ich nur mein Team kenne. Aber wenn jeder Fahrer seinen eigenen Crew-Chief hat, ist es sicher besser als wenn man ihn sich teilt. Das ist Fakt. Wenn du in einem Team mit einem großen Budget fährst und nicht in einem, das den Euro einmal mehr umdrehen muss, ist das ebenfalls von Vorteil. Da glaube ich schon, dass es Unterschiede zwischen den Teams gibt. Weil: Talent und harte Arbeit steckt jeder rein, der sich hier im Fahrerlager bewegt.
LAOLA1: Die Motorrad-WM in Spielberg hat heuer einen neuen Termin. Erstmals wird Mitte September gefahren. Wie bewertest du diese Veränderung?
Rammerstorfer: Es ist sicher kein Fehler, wenn man einmal etwas Neues probiert. Man bekommt immer neue Aufschlüsse, wenn man etwas verändert. Prinzipiell bin ich der Meinung, dass man schätzen muss, was wir in Österreich am Red Bull Ring haben. Er wurde hinsichtlich der Fan Experience kürzlich sogar zur besten Rennstrecke der Welt gekürt - das spricht Bände. Nach allem, was ich in dieser Saison gesehen habe, gibt es für mich auf dieser Welt nichts Vergleichbares mit Spielberg. Es gibt Flug- und Motocross-Shows, auch am Abend wird einem noch viel geboten. Das ist einzigartig und ich hoffe, dass die Fans das auch richtig zu schätzen wissen.
LAOLA1: Danke für das Gespräch - und viel Glück an diesem Wochenende!