Wie Marko und Honda der F1 ein Problem ersparten

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Für viele war es ein Formal-Akt und eine Nachricht ohne besondere Überraschung, als Red Bull und Honda die Verlängerung der Partnerschaft über 2020 hinaus verkündeten.

Doch die Entscheidung war bei Weitem nicht so einfach, wie die Meldung dazu aussieht.

Denn bei den Japanern stand das Formel-1-Engagement trotz der hervorragenden Saison mit sowohl Red Bull Racing als auch dem Junior-Team Toro Rosso auf der Kippe – aus Kostengründen.

Nach vorliegenden Informationen von LAOLA1-Experte Gerhard Kuntschik waren die beiden höchsten Honda-Manager uneins zum Thema Formel 1: Der Vorstandsvorsitzende Takahiro Hachigo gilt als F1-Fan und soll sich für die Vertragsverlängerung stark gemacht haben, während seine Nummer zwei, der operative Chef Seiji Kuraishi, für den F1-Ausstieg plädierte. Offenbar aus Kostengründen und angesichts der rückläufigen Absatzzahlen in Hondas wichtigstem Markt Nordamerika.

War Brasilien-Sieg der notwendige Punkt?

So gab auch Hondas Verantwortlicher für das Formel-1-Programm, Masashi Yamamoto, in Interviews zu: "Die Frage der Kosten und deren Reduzierung ist eine maßgebliche für ein weiteres Engagement." Dabei kam die Ankündigung der neuen Regeln ab 2021 durch die FIA und den Promotor Liberty, die keine Änderung bei den Antrieben vorsehen, gerade recht.

Red Bulls Motorsport-Chef Helmut Marko reiste mehrmals nach Japan, um das Top-Management vom Weitermachen zu überzeugen – mit Erfolg, auch wenn sich Honda vorerst nur für die Verlängerung für die Saison 2021 entschied. "Über die Fortsetzung in den Jahren 2022 und 2023 wird bereits verhandelt", ließ der Grazer durchblicken. Da die Entscheidung knapp vor dem Finale in Abu Dhabi bekannt wurde, kann man annehmen: Der Honda-Doppelsieg in Brasilien (Verstappen vor Gasly) war vielleicht der letztlich notwendige Push zur rechten Zeit.

Ganzes Red-Bull-Engagement auf der Kippe

Und was wäre passiert, hätte sich Kuraishi durchgesetzt und Honda wäre in einem Jahr aus der Formel 1 wieder ausgestiegen?

Dann wäre auch Red Bull mit beiden Teams draußen gewesen, denn: Eine Rückkehr zu Renault-Antrieben wäre nach den Animositäten in der gemeinsamen Hybrid-Ära (und angesichts der Turbulenzen im Renault-Konzern insgesamt) unmöglich gewesen. Mercedes und Ferrari haben ihren größten Konkurrenten Red Bull stets als Motorenkunde ausgeschlossen. Einen "unabhängigen" Motorenlieferanten, wie noch vor wenigen Jahren von Red Bull angestrebt, wird es nicht geben.

Also hätte die Formel 1 zwei Teams verloren (und Red Bull das Problem gehabt, wie man über 1.000 Mitarbeiter in England und Italien weiter beschäftigen soll). Das wäre nicht nur für Red Bull ein Desaster gewesen, sondern auch für das Formel-1-Management. Und es wäre ein schwerer Imageverlust für die Formel 1 insgesamt gewesen, die dann mit acht Teams und 16 Autos eine WM ausgetragen hätte. Zur "Freude" von TV-Rechte-Inhabern und Sponsoren?

Mit der vorerst einjährigen Verlängerung der Red-Bull-Honda-Zusammenarbeit sollten auch die Chancen gestiegen sein, dass der Grand Prix von Österreich auch nach Auslaufen des aktuellen Vertrags (2020) in der Steiermark gastiert. Allerdings: Auf dem Red Bull Ring gibt es noch keine Anzeichen dafür. Ein Verhandlungsmandat wurde von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz bisher nicht erteilt.

Doch auch das wird Helmut Marko wohl richten.

Textquelle: © LAOLA1.at

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