Wolff nach Laudas Tod: "Fühle mich wie ein Zombie"

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Mercedes trägt Trauer.

Das sieht man nach dem Tod von Niki Lauda nicht nur an den schwarzen Armbinden, die alle Teammitglieder beim Grand Prix in Monaco tragen. Man sieht es auch in den Gesichtern, wie in jenem von Toto Wolff.

Der Mercedes-Teamchef spricht am Donnerstag erstmals über den Verlust seines jahrelangen Wegbegleiters. "Die letzten 48 Stunden waren grauenvoll, ich fühle mich wie ein Zombie", sagt Wolff. "Ich schaue andauernd auf die Bilder, und bekomme alle halben Stunden Tränen in den Augen, weil er nicht mehr hier ist."

"Es fühlt sich surreal an, hier zu stehen und zu sprechen, mit Niki nicht mehr am Leben. Ich vermisse, dass er hier mit seiner roten Tasche auftaucht und fragt, was los ist. Wir haben einen Mentor, Berater, unseren Außenminister, vor allem aber einen guten Freund verloren", so Wolff.

Mercedes: Ewige Erinnerung auf den Autos

In Monaco findet am Sonntag (15.10 Uhr im LIVE-Ticker) der sechste Saisonlauf der Formel-1-WM 2019 statt, Mercedes hat in den bisher fünf Rennen jeweils Doppelsiege gefeiert. Neben Mercedes versahen am Donnerstag auch andere Teams im Gedenken an den vergangenen Montag 70-jährig verstorbenen Lauda ihre Autos vor den ersten Trainings, die in Monaco stets schon Donnerstag stattfinden, mit Erinnerungen an Lauda.

Die Scuderia Ferrari etwa, in deren Autos Lauda zweimal Weltmeister geworden war, hatte den Namen "Niki Lauda" auf die Seitenkästen der Fahrzeuge von Sebastian Vettel und Charles Leclerc platziert. Bei Mercedes prangte ein "Danke Niki" sowie die Unterschrift Laudas auf der Fahrzeugnase. Die Signatur sowie ein an Laudas berühmte Kappe erinnernder, rot eingefärbter Stern auf der Motorabdeckung werde wie das "Senna-S" bei Williams ab nun für immer auf den Mercedes-Autos bleiben, versprach Wolff.

Wolff: "Es fühlt sich nicht richtig an"

"Es ist eine große schwarze Wolke über uns. Und es fühlt sich gerade gar nicht richtig an, in einem Fahrerlager über das Ableben eines Freundes zu sprechen. Ich bin alle halben Stunden den Tränen nahe."

Toto Wolff

Wolff verbalisierte seine Erinnerungen vor einer Diashow mit Bildern von Laudas Leben. Der Österreicher trug wie alle Mercedes-Mitarbeiter eine schwarze Armbinde und sprach noch, während das erste Training längst begonnen hatte, so wichtig war dem wie Lauda gebürtigen Wiener das Thema. "Es ist eine große schwarze Wolke über uns. Und es fühlt sich gerade gar nicht richtig an, in einem Fahrerlager über das Ableben eines Freundes zu sprechen. Ich bin alle halben Stunden den Tränen nahe", bekannte Wolff. "Wir haben das Herz und die Seele der Formel 1 verloren. Niki ist unersetzbar."

Wolff würdigte Lauda als den wahrscheinlich bekanntesten Österreicher und zugleich als wichtigste Figur der Formel-1-Geschichte überhaupt. "Trotzdem hat Niki nie den Boden unter den Füßen verloren, hat sich nie zu ernst genommen", sagte Wolff. Lauda sei keine 15-Minuten-Berühmtheit im warholschem Sinn gewesen. "Sein Ruhm geht über sein Leben hinaus."

Zusammen mit Lauda hat Wolff ab 2013 das Mercedes-Team zum aktuell erfolgreichsten der Welt gemacht. Seit 2014 sind nur Mercedes-Piloten Weltmeister geworden, vier Mal davon Hamilton. Der 1976 am Nürburgring schwer verunglückte Lauda hatte im Spätsommer des Vorjahres nach einer Infektion eine Lungen-Transplantation in Wien auf sich nehmen müssen und war seitdem nicht mehr auf die Rennstrecke zurückgekehrt.

"Das Geniale an Niki war, dass er durch seine Lebensleistung immer alles direkt kommentieren und stets unverblümt sagen konnte, was er wollte. Er konnte mit allen reden. Alleine in dieser Eigenschaft ist er unersetzbar. Das ist eine Stärke, die uns ab nun fehlt", sagte Wolff.

Lauda und Wolff: "Halbfreunde"

Auch er habe in den Tagen vor dem Ableben Laudas natürlich Informationen gehabt, dass es schlecht stünde, bekannte Wolff. "Aber da ist immer auch diese Rest-Skepsis. Der Niki ist einer, der nie aufgibt und der von allem aufsteht." Den letzten direkten Telefonkontakt davor hatte es im April nach dem Doppelsieg in Baku gegeben. "Besser geht es nicht. Weiter so", hatte Lauda laut Wolff damals gesagt.

Als eine der persönlich berührendsten Erinnerungen beschrieb Wolff den Moment während des Rückfluges von Suzuka unmittelbar nach einem Titelgewinn. "Ich habe eine Träne bei ihm entdeckt und ihn gefragt, ob er nun ernsthaft sentimental wird?" Pragmatiker Lauda, der selbst stets behauptete, keine Freunde zu haben, habe geantwortet: wenn es so etwas wie Halbfreunde gebe, dann sei er, Wolff, ein Halbfreund. "Das war das Emotionalste, das ich je von Niki gehört habe." Einmal habe Lauda auch um himmlische Hilfe gebetet, um einen Titelgewinn sicherzustellen.

Wolff tat sich in Monaco sichtlich schwer, wieder zur Tagesordnung überzugehen. "Aber Niki hätte sicher gewollt, dass ich nicht hier stehe und rumrede, sondern mich um das Training kümmere. Und dass wir am Sonntag wieder gewinnen", so Wolff schmunzelnd.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

Nach Laudas Tod: Hamilton fehlt bei Pressetermin in Monaco

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