Mit Sainz: Ferrari startet "neuen Zyklus"

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Mit Carlos Sainz statt Sebastian Vettel setzt Ferrari ein Zeichen. Bei der Scuderia wählt man offensichtlich eine neue Herangehensweise.

Charles Leclerc (22) und Carlos Sainz (25) werden 2021 das jüngste Fahrer-Duo seit mehr als 50 Jahren bei Ferrari bilden. Gelingt Leclerc in der Rumpfsaison 2020 nicht die große Überraschung, dann wird 2021 erstmals seit 2007 kein aktiver Weltmeister Teil des Fahrer-Teams der Scuderia sein.

Die neue Herangehensweise streicht auch Teamchef Mattia Binotti hervor: "Wir haben einen neuen Zyklus aufgeschlagen - mit dem Ziel, es zurück an die Spitze der Formel 1 zu schaffen."

Talent statt großer Namen

Im Gegensatz zur Vergangenheit setzt Ferrari dabei nicht auf große Namen, sondern vertraut auf Talent. Dieser Weg wurde mit der Verpflichtung Leclercs 2019 begonnen.

Der Monegasse zeigte zwar in seinem Debütjahr bei Sauber durchaus auf - über Rang 6 kam er in einem unterlegenen Auto freilich nie hinaus. Bei Ferrari fand er jedoch schnell in die Erfolgsspur, feierte im ersten Jahr bei den Roten zwei Siege und stand weitere acht Mal am Podest.

Und auch bei Carlos Sainz sind die Top-Ergebnisse bisher dünn gesät: Rang 3 in Brasilien 2019 ist sein bisher einziger Podestplatz in der Formel 1. Rang 6 in der WM-Wertung 2019 zeigt aber seine Konstanz über die Saison.

"Herausforderungen anders angehen"

Auf einen schnellen Erfolg setzt Ferrari nun auch nicht. "Es wird eine lange Reise werden", mahnt Binotto. "Nicht ohne Herausforderungen, besonders angesichts der derzeitigen finanziellen und regulativen Situation, in der sich plötzlich so viel verändert. Das ist eine Herausforderung, die wir anders angehen müssen als in der Vergangenheit."

Für den Italiener ist die Fahrerpaarung "mit dem Talent und der Persönlichkeit von Charles und Carlos die bestmögliche Kombination, um die Ziele zu erreichen, die wir uns selbst gesetzt haben."

Von Neuzugang Sainz ist Binotto jedenfalls überzeugt: "Carlos hat bereits fünf Jahre (in der Formel 1, Anm.) hinter sich und hat sich als sehr talentiert erwiesen. Er hat gezeigt, dass er über die technischen Fähigkeiten und die richtigen Eigenschaften verfügt, um perfekt in unsere Familie zu passen."

Durststrecke seit 2007

Seit 2007, als der Finne Kimi Räikkönen Champion wurde, wartet Ferrari nun schon auf einen Fahrertitel. Der bisher letzte von insgesamt 16 Konstrukteurstiteln der Italiener datiert aus dem Jahr 2008.

Und seit 2014 dominiert Mercedes die Königsklasse mit Superstar Lewis Hamilton, der mit Ausnahme von 2016, als er sich seinem deutschen Teamkollegen Nico Rosberg beugen musste, bereits fünf WM-Titel mit den "Silberpfeilen" gewonnen hat.

Ricciardo wäre mehr "Star" gewesen

Der 25-jährige Hoffnungsträger Sainz oder der 30-jährige Routinier Ricciardo? Die Anzahl an Kandidaten als zukünftiger Teamkollege des 22-jährigen Monegassen Charles Leclerc hatten sie bei Ferrari klein gehalten.

Dass die Wahl auf den derzeit noch bei McLaren angestellten Sainz gefallen ist, macht Sinn. Der Madrilene bietet eher als Ricciardo Gewähr, nach den in der vergangenen Saison sich häufenden Querelen und Grabenkämpfen wieder Ruhe in die Scuderia aus Maranello zu bringen.

Die Bereitschaft, eigene Interessen zum Wohle des Teams zurückzustecken beziehungsweise sich in den Dienst des zum Leader aufgestiegenen Jungstars Leclerc zu stellen, dürfte bei Sainz ausgeprägter sein als bei Ricciardo, der alle seine sieben Grand-Prix-Siege während seiner Zeit bei Red Bull Racing (2014 bis 2018) feierte.

"Freie Fahrt" für Sainz?

Die Verantwortlichen von Ferrari werden sich allerdings hüten, die Hierarchie unter den beiden Fahrern offiziell in Stein zu meißeln.

Vor allem in der ersten WM-Phase werden sie auch dem ehemaligen Toro-Rosso-Piloten Sainz, der mit einem Vertrag über zwei Jahre ausgestattet worden ist, "freie Fahrt" gewähren und ihm die Möglichkeit zur Bewährung bieten.

Sein Talent bewies der Spanier vor allem in der Vorsaison, die er dank durchwegs starker Leistungen sowie seinem ersten Podestplatz unmittelbar hinter seinem Vorgänger Vettel auf Platz sechs der WM-Gesamtwertung abschloss.

Vor fünf Jahren debütierte der Sohn des gleichnamigen zweifachen Rallye-Weltmeisters im Zweierteam von Österreichs Getränkemilliardär Dietrich Mateschitz.

Ferrari wird für Sainz somit nach Toro Rosso (2015 bis 2017), Renault (2017 bis 2018) und McLaren (seit 2019) bereits der vierte Arbeitgeber in der Motorsport-Königsklasse sein.

Textquelle: © LAOLA1.at

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