NEWS

So bietet die Formel 1 nur unehrliches Racing und ist gefährlich

Die Motorsport-Welt hat nun einen Monat Zeit, sich von den ersten Eindrücken der neuen Königsklasse zu erholen. Was auffiel:

So bietet die Formel 1 nur unehrliches Racing und ist gefährlich Foto: © GETTY

Die neue Formel 1 hat ihre ersten drei Rennen hinter sich und bekommt nun eine dringend notwendige Verschnaufpause: Durch die Absage der Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien bleiben die Motoren im gesamten April still.

Viel Staub hat das neue Reglement aufgewirbelt, so schnell wird er sich nicht legen. Die Gegebenheiten polarisieren.

LAOLA1 hat vier zentrale Erkenntnisse abgesteckt, die sich schon einmal festhalten lassen - und für Diskussionsstoff sorgen.

1. Mercedes werden die WM-Titel heuer nur schwer zu nehmen sein

Neue Regularien haben fast immer einen klaren Nutznießer im ersten Jahr hervorgebracht, und die radikalste Revolution der Formel-1-Geschichte ist da keine Ausnahme.

Mercedes hat ein überlegenes Gesamtpaket auf die Beine gestellt. Trickserei beim Motor hin oder her, das Werksteam ist ja nicht der einzige Rennstall mit dem Aggregat: Auch der Abstand zu den Kundenteams ist eindeutig, selbst wenn McLaren in der Riege der ersten Verfolger dabei ist - wenn Papaya denn einmal ins Fahren kommt.

Auf das genutzte Regel-Schlupfloch beim Kraftstoff-Mischverhältnis wird ohnehin erst zur Mitte der Saison reagiert. Vielleicht rücken die Kräfteverhältnisse dann näher zusammen, der Vorsprung wird bis dahin beachtlich sein. Und selbst danach werden George Russell und Kimi Antonelli ein sehr brauchbares Gefährt unter dem Hintern haben.


2. Der Fahrer macht weniger Unterschied als zuvor

Taktische Kämpfe um den richtigen Einsatz des Overtake-Modus wurden uns versprochen, in der Realität geht den Fahrern immer im falschen Moment der Saft aus.

Er fühlt sich als Passagier seines eigenen Autos, monierte Weltmeister Lando Norris in Suzuka. Er habe etwa Lewis Hamilton in einem bestimmten Moment gar nicht überholen wollen, doch die Batterie gab ihre Energie ab, während der Ferrari am Ende der Akkuladung angekommen war.

Der Fahrer macht in der Formel 1 einen Unterschied, wenn sich die Autos permanent am Limit bewegen und die Leistungsunterschiede zwischen den Teams nicht zu groß sind. Beides trifft nicht zu. Und Taktieren gibt es auch keines, wenn die Energie ohnehin bei niemandem bis ans Ende der Geraden ausreicht.

Dass die Sache kein gutes Produkt für den Zuseher abgibt und den Fahrern gar keinen Spaß macht, kommt da nur obendrauf.

Die Fahrer mit den meisten F1-Rennsiegen

3. Das Racing ist nicht nur unehrlich, sondern auch gefährlicher

Die PR-Abteilung der Formel 1 arbeitet derzeit auf Hochtouren, das Reglement hinsichtlich des Racings schönzureden: Viel mehr Überholmanöver gäbe es nun! Dass ein Großteil der Action aus zu früh geleerten Batterien entsteht und herzlich wenig mit einem "erarbeiteten" Move zu tun hat, wird schön ausgeklammert - und dass es sich oft genug um Yoyo-Kämpfe handelt.

Welches Gefahrenpotenzial große Geschwindigkeitsunterschiede zwischen zwei Fahrzeugen haben können, wäre schon im dritten Rennen beinahe von einem theoretischen zu einem realen Problem geworden. Wirklich glimpflich ist Oliver Bearman bei seinem Ausweichmanöver zwar nicht davongekommen, ein Auffahrunfall hätte aber noch schlimmere Folgen gehabt.

Es wird allerdings nur eine Frage der Zeit sein, bis ein solcher passiert, wenn nicht schleunigst der Hebel angesetzt wird.

"Überholen ist aktuell bloßer Zufall. Plötzlich hast du mehr Batterie als dein Vordermann, und entweder fährst du ihm rein, oder überholst - es ist ein Ausweich-, kein Überholmanöver", sagte auch Fernando Alonso - und zwar schon vor dem Japan-GP und dem Bearman-Zwischenfall.

4. Der angekündigte Downfall von Red Bull Racing findet statt

Hinsichtlich der Kräfteverhältnisse hat sich zwar einiges getan, der allergrößte Verlierer ist aber augenscheinlich: Red Bull Racing und damit auch Max Verstappen sind vorerst ins Mittelfeld zurückgerutscht. Mit Siegen hat der Niederländer aktuell nichts zu tun.

Es ist die Folge einer Entwicklung, die sich ein wenig angekündigt hatte: Der Tod von Didi Mateschitz war eine erste Zäsur, die mit dem Abgang von Christian Horner so richtig Fahrt aufnahm - so notwendig der Schritt durch die bekannte Causa um den Ex-Teamchef auch wurde. Ähnliches gilt für die "Pension" von Helmut Marko. Dazu kommt die neue Partnerschaft mit Ford, die sich erst einschleifen muss.

Vielleicht werden hier mittelfristig die richtigen Korrektive bemüht, bis dahin könnte es aber zu spät sein und der größte Trumpf aus den Fingern gleiten: Max Verstappen. Was der Niederländer von den neuen Regeln einerseits, vom Hinterherfahren andererseits hält, ist bekannt. Er wird nicht lange bei Laune zu halten sein, schon nach dem dritten Rennen wird der Abschied aus der "Königsklasse" sehr deutlich in den Mund genommen (News: Frustrierter Verstappen denkt an Karriereende>>>).

Die F1-Teamkollegen mit den meisten Doppelsiegen

Kommentare