Liga der Auslaufmodelle?

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Kommentar: Liga der Auslaufmodelle?

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FC Barcelona, FC Bayern München, Inter Mailand, Paris St. Germain  - und Leicester City.

Die Liste der aktuellen Tabellenführer der europäischen Top-Ligen liest sich wie ein „Who is Who“ des internationalen Fußballs. Nur ein Verein passt nicht dazu: Leicester. Es ist schon erstaunlich, dass die „Füchse“ zu Weihnachten noch immer an der Spitze der Premier League stehen.

Der Klub aus den East Midlands begeistert ganz England. Dabei setzt Trainer-Fuchs Claudio Ranieri auf ein simples Erfolgsrezept. Hinten mit zwei Viererketten die Räume dicht machen und im Konter erledigen Jamie Vardy sowie Riyad Mahrez den Rest. Die beiden zeichnen für 80 Prozent der Leicester-Treffer verantwortlich.

Gleichzeitig zeigt der Klub von Christian Fuchs die aktuelle Krise der Premier League auf. Besser gesagt: Die Krise der Top-Klubs. Borussia Dortmund, in Deutschland abgeschlagener Zweiter, würde mit der momentanen Punktzahl die Tabelle der angeblich besten Liga der Welt anführen. Noch nie war es so einfach, englischer Meister zu werden. Und doch zieren sich die üblichen Verdächtigen.

Chelsea, Manchester United, Manchester City, Liverpool und Arsenal hinken den eigenen Erwartungen hinterher. Auch international macht sich dies bemerkbar. Arsenal und Chelsea schafften erst am letzten Spieltag den Aufstieg ins CL-Achtelfinale, ManUnited musste gar die Segel streichen. Letzte Saison gingen die Viertelfinali der europäischen Klub-Bewerbe ohne einen einzigen englischen Klub über die Bühne.

Diese Krise kommt nicht von ungefähr. Am Geld liegt es nicht. Das wäre zu genüge vorhanden. Aber strategisch und taktisch können die englischen Vereine mit ihren Pendants aus Deutschland oder Spanien nicht mithalten. Defensiv fehlt bei vielen Teams die Kompaktheit. Auch ein Angriffspressing a la Roger Schmidt sucht man vergeblich und im Offensiv-Spiel mangelt es an Variabilität.

Bezeichnend, dass Leicester ein biederer Konterfußball reicht, um den Rest der Liga in Staunen zu versetzen. Inszeniert von einem 64-jährigen Italiener, dessen letzte Karriere-Station mit einem 0:1 gegen die Färöer zu Ende ging.

Tabelle der letzten fünf Spiele

Platz

Klub Spiele Tordifferenz Punkte
1 Leicester City 5 +8 13
2 FC Watford 5 +6 12
3 AFC Bournemouth 5 +3 11
4 Crystal Palace 5 +5 10
5 FC Arsenal 5 +4 10

Da stellt sich die Frage, ob die in England tätigen Trainer überhaupt noch am Puls der Zeit agieren? Zweifellos sind bei Arsenal, Manchester United und Co. klingende Namen am Werk, doch die genauere Betrachtung zeigt Probleme auf: Jose Mourinho hätte zwar die nötige Qualität mitgebracht, hat bei Titelverteidiger Chelsea aber ein menschliches Chaos hinterlassen. Jürgen Klopp braucht noch Zeit, bis die Liverpool-Profis seine Ideen perfekt verinnerlicht haben. Kritik an ihm wäre verfrüht. 

Bei den drei anderen Top-Vereinen sieht die Situation anders aus. Dort sitzen mit Manuel Pellegrini (62), Louis van Gaal (64) und Arsene Wenger (66) drei Auslaufmodelle auf der Betreuerbank, die eine Menge Kompetenz mitbringen, deren Methoden aber eben nicht mehr zur absoluten Weltspitze gehören.

Der Modernste dieses Trios darf sich aktuell noch die größten Hoffnungen auf den Meistertitel machen. Arsenal-Boss Wenger könnte sein Lebenswerk mit der ersten Meisterschaft seit 2004 krönen. Nicht etwa, weil seine Mannschaft brillanten Fußball zeigen würde – die Entwicklung bei den „Gunners“ stagniert seit Jahren - sondern einfach aus dem Grund, dass die anderen Teams noch schwächer sind.

Vardy schießt momentan alle ab

Vielleicht eignet sich jedoch auch einfach nur das englische „Manager“-Modell nicht mehr für den komplexen Fußball von heute. Ein einzelner Trainer kann sich nicht mehr um Kaderplanung und Spielvorbereitung gleichzeitig kümmern. Es scheint Sinn zu machen, diese Agenden aufzuteilen. So wie das bei den Bayern mit Sportvorstand Matthias Sammer und Noch-Coach Pep Guardiola der Fall ist.

Wechselt der Katalane im Sommer tatsächlich zu Manchester City, könnte er eine Art Hoffnungsträger werden. Neue ausländische Innovationen würden sowohl der Premier League als auch der ebenfalls in der Krise steckenden britischen Trainergilde gut tun. Das zeigen schon alleine die wenigen Monate, in denen Klopp bei Liverpool für Aufregung sorgte.

Geld alleine spielt keinen Fußball. Sonst würden englische Vereine die internationalen Wettbewerbe dominieren. Konzentrierte Arbeit mit einem Plan im Hintergrund bleibt das Wichtigste. Leicester ist das beste Beispiel dafür. Die Füchse haben ihre Hausaufgaben erledigt und profitieren vom Erfolgslauf eines Offensiv-Duos. Das reicht in England momentan für die Tabellenführung.

 

Ein Kommentar von Jakob Faber

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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