Fels in der Brandung
Der Youngster bildet gemeinsam mit Routinier Aymeric Laporte eines der besten Innenverteidiger-Duos bei dieser Weltmeisterschaft. Auf dem Weg ins zweite Halbfinale seit 2010 kassierte das Team nur ein Gegentor.
Wie auch schon beim Weltmeistertitel 2010 ist die Defensive der Schlüssel zum Erfolg. Damals marschierte man mit vier 1:0-Siegen durch die gesamte K.o.-Phase.
Cubarsí überzeugt bei dieser Weltmeisterschaft auf ganzer Linie und ist auf dem besten Wege, einer der absoluten Shootingstars zu werden. Im Schnitt hat der Spanier 99 Ballkontakte pro Spiel und eine Passquote von 96 Prozent.
Sein Stellungsspiel, seine Ruhe am Ball und sein Zweikampfverhalten machen ihn zu einer wichtigen Säule. Und obwohl er in der Endgeschwindigkeit nicht der schnellste Spieler ist, gleicht er das mit seiner hohen taktischen Intelligenz wieder aus.
Wie einst Puyol oder Pique
Der Teenager ist der nächste Superstar aus der legendären Talenteschmiede La Masia. In Barcelona sind alle überzeugt davon, dass er der legitime Nachfolger von Carles Puyol und Gerard Pique ist, der eine neue Ära in Katalonien prägen wird.
Dieser Spieler wird eine neue Ära einleiten.
Ausbildung in La Masia
Dass er nicht ständig im Mittelpunkt steht, hat auch mit seiner Persönlichkeit zu tun. Pau Cubarsí Paredes wurde am 22. Jänner 2007 in Estanyol, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Bescanó bei Girona geboren.
100 Kilometer nördlich von Barcelona wuchs er in einem Umfeld auf, in dem zuhause fast ausschließlich Katalanisch gesprochen wurde. Bei den Olympischen Spielen 2024 gab er offen zu, dass er lange nur ungern Interviews auf Spanisch führte.
Während andere Talente früh lernen, mit Kameras und Schlagzeilen umzugehen, wirkte Cubarsí eher wie der stille Junge aus dem Dorf. Er wird von vielen immer wieder als ruhig und bodenständig beschrieben.
Nachdem er seine Karriere beim FC Girona startete, wechselte er bereits früh mit elf Jahren in die Jugendakademie von Barca. Dort durchlief er gemeinsam mit Lamine Yamal sämtliche Altersstufen und überzeugte schließlich in der UEFA Youth League 2023.
Stammspieler mit 17
Xavi holte den damals 16-Jährigen zu den Profis. Nach seinem Debüt in der Copa del Rey im Jänner 2024 spielte sich Cubarsí rasch in die Startelf und etablierte sich dauerhaft in der Innenverteidigung.
"Dieser Spieler wird eine neue Ära einleiten. Wenn wir mit hohem Pressing unter Druck gesetzt werden, wählt er die beste Option. Und er weiß, wann er Linien überspielen muss. Er bügelt Fehler aus, gewinnt Zweikämpfe und wirkt nicht, als wäre er erst 17 Jahre alt", sagte Xavi nach seinem ersten Einsatz.
Im März 2024 wurde er bei seinem Champions-League-Debüt direkt zum Spieler des Spiels gekürt. Mit 17 Jahren und 50 Tagen brach er zugleich den Rekord von ÖFB-Star David Alaba als jüngster Spieler, der sein Debüt in der K.o.-Phase der Champions League feierte.
Im Zuge seiner rasanten Entwicklung wurde sein Vertrag bis 2029 verlängert – inklusive einer Ausstiegsklausel in Höhe von 500 Millionen Euro.
Abwehrchef unter Flick
Seit seinem Debüt ist Cubarsí bei "Blaugrana" gesetzt. Auch wenn seine Partner in der Innenverteidigung wechselten, der Youngster blieb immer. Unter Xavi-Nachfolger Hansi Flick ist der Katalane eine tragende Säule.
Und das, obwohl die Position des Innenverteidigers im "System-Flick" eine der schwierigsten ist. Aufgrund der enorm hohen Abwehrlinie gibt es kaum Absicherung, viel Risikobereitschaft im Ballbesitz und es wird eine enorme Ruhe unter Druck erfordert.
Für einen Teenager könnte diese Verantwortung leicht überfordernd werden. Doch Cubarsí lässt es so aussehen, als sei es ganz normal.
"Es ist großartig, ihn im Team zu haben, vor allem wenn man bedenkt, wie lange er in diesem Alter schon auf so hohem Niveau spielt", lobte ihn Flick einst.
Bereits über 100 Pflichtspiele für Barca
Es gab eine kurze Phase zu Beginn der vergangenen Saison und gegen Ende der vorherigen Saison, in der man den Eindruck hatte, dass Cubarsís Leistungsniveau etwas nachgelassen hat.
Doch solche Schwankungen sind natürlich, insbesondere für einen so jungen Spieler, der Woche für Woche auf Spitzenniveau spielt. Im Laufe der Saison hat er sich weiter stabilisiert und sich so in den WM-Kader gespielt.
Trotz seines jungen Alters kommt Cubarsí bereits auf 128 Pflichtspiele für den FC Barcelona, darunter 85 in La Liga und 26 in der Champions League. In dieser Zeit gewann er zwei Meistertitel und einen Pokalsieg.
Olympiasieger 2024
Für Spanien machte er bisher 18 Länderspiele. Kurz nach seinem Champions-League-Debüt wurde er von Luis de la Fuente erstmals für die A-Nationalmannschaft nominiert. Damit wurde er zum drittjüngsten Debütanten nach seinen Klubkollegen Lamine Yamal und Gavi.
Bei der EURO 2024 schaffte er es nicht in den Kader, stattdessen durfte er bei den Olympischen Spielen für Spanien auflaufen und gewann dort die Goldmedaille.
Die Krönung in den USA?
Cubarsí hat sich im Schatten von Lamine Yamal zu einem der besten Innenverteidiger der Welt entwickelt und überzeugt Woche für Woche auf der ganz großen Bühne.
In den USA könnte er nun in die Fußstapfen von Pique und Puyol treten und gemeinsam mit der "Furia Roja" den zweiten WM-Titel nach 2010 bejubeln.
Lamine Yamal wird zwar weiter die Schlagzeilen beherrschen, doch wenn Spanien tatsächlich Weltmeister werden sollte, könnte am Ende jener Spieler den größten Anteil daran haben, der am seltensten auf den Titelseiten steht: Pau Cubarsí.