So könnte das ÖFB-Team noch zur WM fahren

So könnte das ÖFB-Team noch zur WM fahren Foto: © GEPA
 

Trotz einer katastrophalen Gruppenphase in der WM-Qualifikation, die das ÖFB-Team hinter Dänemark, Schottland und Israel nur als Vierter abschloss, haben Franco Foda und seine Spieler über die Playoffs noch die Möglichkeit, das Ticket für Katar zu lösen.

Das ÖFB-Team qualifiziert sich über die Nations-League-Wertung der besten Gruppensieger, die nicht für die Weltmeisterschaft oder die Playoffs qualifziert sind. Neben der österreichischen Nationalmannschaft macht sich auch Tschechien dieses Auswegs zu nutze.

Die Nations-League-Teilnehmer gehen ungesetzt in die Playoffs, nicht dass sich das ÖFB-Team mehr verdient hätte. LAOLA1 erklärt, worauf es bei der Auslosung am Freitag (17 Uhr) ankommt.


Der Modus

Die zwölf teilnehmenden Mannschaften spielen die letzten drei WM-Tickets in drei Playoff-Wegen aus.

Da es in der Qualifikation fünf Fünfer- und fünf Sechsergruppen gab, werden alle Zweitplatzierten in einer eigenen Tabelle gereiht, wo die Ergebnisse der Zweiten der Sechsergruppen um die Spiele gegen die jeweiligen Gruppenletzten bereinigt wurden. Die Top sechs dieser Tabelle sind gesetzt, die vier Schlechstesten plus die Nations-League-Qualifikanten ungesetzt.

Die Playoff-Wege bestehen aus je vier Teams, die sich im K.o.-System in Halbfinale und Finale gegenüberstehen. In den Halbfinali treffen je ein gesetztes und ein ungesetztes Team aufeinander. Alle Paarungen werden in nur einem Spiel absolviert.

Bei der Auslosung werden zuerst die gesetzen Teams in die sechs zu füllenden Paarungen gelost, diese Teams haben im Halbfinale Heimrecht. Im Anschluss werden die sechs ungesetzten Teams als Gastmannschaften zugelost. Die gesetzten Russen und die ungesetze Ukraine können nicht in denselben Playoff-Weg gelost werden.

Die Spiele 1 und 2 bilden Playoff-Weg A, die Spiele 3 und 4 den Weg B, 5 und 6 komplettieren Weg C. Im Anschluss wird ausgelost, welcher Halbfinalsieger im Endspiel über das Heimrecht verfügt. So kann es dazu kommen, dass der ungesetzte Sieger aus dem ersten Halbfinale eines Weges Heimrecht gegen einen gesetzten Gewinner des zweiten Semifinales genießt.

Sämtliche Halbfinalspiele werden am 24. März 2022 ausgetragen, die Finalduelle am 29. März 2022.

Die Teams

Bei den 12 qualifizierten Teams ist von Hochkarätern bis Außenseitern alles dabei. Als top-gesetztes Team geht Portugal in die Jagd nach einem Playoff-Ticket. Cristiano Ronaldo und Co. vergaben am letzten Spieltag durch eine 1:2-Niederlage gegen Serbien die Chance auf einen Fixplatz.

Österreichs Gruppengegner Schottland findet sich ebenfalls unter den gesetzten Teams wieder. Das Team von Steve Clarke will die erste WM-Teilnahme seit 1998 in Frankreich.

Europameister Italien hat wie Portugal am letzten Spieltag den Fixplatz beim 0:0-Remis in Nordirland aus der Hand gegeben, da die Schweiz zeitgleich Bulgarien mit 4:0 aus der Swissporarena geschossen hat.

Vor dem Zielstrich hat auch Russland versagt: Die Truppe von Valeri Karpin verlor das entscheidende letzte Gruppenspiel nach einem Eigentor 0:1 in Kroatien, wodurch der Vizeweltmeister am Gastgeber von 2018 vorbeiziehen konnte.

Schweden wurde in Gruppe B hinter Spanien Zweiter. Die Skandinavier hatten zwei Spieltage vor dem Ende sogar die Tabellenführung inne. Niederlagen in Georgien und Spanien zwingen die Schweden in die Playoffs.

Als letztes Team ist Wales gesetzt. Die "Drachen" beendeten Gruppe E mit 15 Punkten hinter Belgien. Wäre das Team von Interimstrainer Rob Page auf Rang drei zurückgefallen, wäre die Qualifikation über die Nations League sicher gewesen.

Polen und Türkei wie ÖFB-Team ungesetzt

Ungesetzt ist unter anderem die Türkei des deutschen Trainers Stefan Kuntz. Durch einen Sieg am letzten Spieltag gegen Montenegro nahm der EM-Teilnehmer noch Rang zwei ein.

Polen musste sich in Gruppe I hinter England mit Rang zwei begnügen, Nordmazedonien sicherte sich den zweiten Platz in Gruppe J, neun Punkte hinter Deutschland.

In Gruppe D überholte die Ukraine Finnland dank eines 2:0-Sieges in Bosnien-Herzegowina.

Als Nations-League-Teilnehmer dürfen auch Österreich und Tschechien an den Playoffs teilnehmen. Das ÖFB-Team beendete Gruppe F als Vierter, weist von allen Qualiteilnehmern aus Sechsergruppen die schlechteste sportliche Bilanz auf.

Nation Spiele/Punkte (Tordifferenz) letztes Gruppen-Spiel
Portugal 8/17 (+11) 1:2 vs. Serbien
Schottland 8/17 (+7) 2:0 vs. Dänemark
Italien 8/16 (+11) 0:0 vs. Nordirland
Russland 8/16 (+9) 0:1 vs. Kroatien
Schweden 8/15 (+9) 0:1 vs. Spanien
Wales 8/15 (+5) 1:1 vs. Belgien
- - -
Türkei 8/15 (+2) 2:1 vs. Montenegro
Polen 8/14 (+8) 1:2 vs. Ungarn
Nordmazedonien 8/12 (+3) 3:1 vs. Island
Ukraine 8/12 (+3) 2:0 vs. Bosnien-Herzegowina
ÖSTERREICH (NL-18) - 4:1 vs. Republik Moldau
Tschechien (NL-19) - 2:0 vs. Estland

Eine Gruppe von Fortunas Gnaden

Sagen wir es so, das ÖFB-Team ist nach einer schlechten zweiten Jahreshälfte laut Papierform in keiner Konstellation Favorit. Dennoch gibt es gleich mehrere Möglichkeiten, in machbare Playoff-Wege zu rutschen.

Ein solcher würde aus Schottland, Wales, Österreich und Nordmazedonien bestehen. Zwar musste sich das ÖFB-Team Schottland in der WM-Qualifikation geschlagen geben, spielerisch reißen die Kicker von den britischen Inseln aber keine Bäume aus.

Eine Leistungssteigerung von David Alaba und Co. sollte ausreichen, um Andy Robertson und Co. vor gröbere Probleme zu stellen. Auch Wales ist trotz teilweise ansprechender Ergebnisse in der WM-Qualifikation und bei der EM kein unüberwindbares Kaliber für das österreichische Nationalteam.

Sollten in diesem von rot-weiß-roter Fortune getränkten Playoff-Weg beide gesetzten Teams ausscheiden, wäre das Finale um die WM-Teilnahme Österreich gegen Nordmazedonien. Die Kicker vom Balkan haben in der WM-Quali zwar Deutschland geschlagen, gegen Österreich gab es für Goran Pandev und Co. in drei Spielen aber nichts zu holen.

Die Todesgruppe

Zugegeben, das oben angeführte Szenario entspringt zu großem Teil dem Wunsch nach einem bewältigbaren Playoff-Weg für das ÖFB-Team. Möglich ist er natürlich, bei einer Auslosung entscheidet der Zufall. Genauso möglich ist allerdings eine Hammergruppe für Franco Foda und Co.

Österreich könnte in einer solchen als ungesetztes Team auf Portugal, Italien und die ebenso ungesetzten Türken treffen. Dass Österreich gegen eines der gesetzten Teams weiterkommt, erscheint schwer. Heldentaten wie die Achtelfinal-Niederlage nach Verlängerung bei der EM 2020 gegen den späteren Sieger Italien und ein 0:0-Remis bei der EURO 2016 gegen den späteren Europameister Portugal kommen aber schnell in den Sinn.

Ebenfalls möglich ist ein modifizierter Reboot der Qualifikationsgruppe für die EM 2016. Als gesetzte Gegner wären Russland und Schweden in diesem Playoff-Pfad vertreten, komplettiert wird das Quartett von Österreich und Nordmazedonien, damals nicht in der ÖFB-Gruppe vertreten.

Gegen diese Gegner absolvierte Österreich in der Foda-Ära insgesamt fünf Länderspiele. Schweden und Russland wurden 2018 in Freundschaftsspielen besiegt. Alle Duelle gegen Nordmazedonien fielen in die Amtszeit des Deutschen.

Positive Auswärtsbilanz unter Foda

Da das ÖFB-Team auf jeden Fall ein Auswärtsspiel im Halbfinale hat, lohnt es sich die Bilanz von Franco Fodas 19 Auswärtsspielen an der Seitenlinie des ÖFB-Teams zu durchleuchten.

Diese ist mit zehn Siegen, zwei Remis und sieben Niederlagen klar positiv. Wenn man in dieser Bilanz lediglich Pflichtspiele berücksichtigt, bleiben immerhin noch acht Siege, zwei Unentschieden und fünf Niederlagen übrig.

Von den elf Siegen in allen Foda-Spielen gab es zwei in Luxemburg, zwei in Nordirland und je einen in Moldawien, Nordmazedonien, Norwegen, Rumänien, Slowenien und auf den Färöer.

Verloren hat das ÖFB-Team zweimal in Dänemark und Israel sowie je einmal in Bosnien-Herzegowina, England und Lettland. Remis gab es je eines in Polen und Schottland.

Teamchef Franco Foda, Sportdirektor Peter Schöttel und Präsident Gerhard Milletich gehen, zumindest in der Öffentlichkeit, davon aus, dass sich das ÖFB-Team für die WM 2022 in Katar qualifiziert. Ein schwieriges Unterfangen, das mit einer Portion Glück und einer erheblichen Leistungssteigerung des Teams allerdings im Rahmen des Möglichen ist.

Sollte das nach außen hin kommunizierte Ziel nicht erreicht werden, wäre zumindest Foda wohl seinen Job los. Schon das Halbfinale kann also eine Richtungsentscheidung für die nächsten Jahre sein.


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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