Neue Aufstiegs-Hoffnungen der Vienna

Neue Aufstiegs-Hoffnungen der Vienna Foto: © GEPA
 

Die Frage, wie im Falle eines Ligen-Abbruchs mit der Auf- und Abstiegs-Thematik umgegangen werden soll, sorgt in den Amateur-Ligen Österreichs derzeit für Grübeln.

Während der Wiener Fußball-Verband vor kurzem festlegte, eine fertig gespielte Hinrunde als Voraussetzung für Auf- und Abstieg festzulegen (HIER nachlesen>>>), geht der Süden Österreichs einen anderen Weg.

Dass im Kärntner Fußball-Verband die Frühjahrsmeisterschaft von der Landesliga bis zur zweiten Klasse abgesagt wurde, es dennoch Aufsteiger geben wird, ist im Hinblick auf den First Vienna FC 1894 interessant, der momentan die Führung in der Wiener Liga inne hat und den Aufstieg in die Regionalliga Ost anstrebt.

Die abweichende Interpretation der ÖFB-Bestimmungen durch den KFV soll die Tür für die Wiener wieder öffnen.

Ein Schreiben gegenüber LAOLA1 drückt das Unverständnis von Vienna-Sympathisanten angesichts der neuen Entscheidung in Kärnten aus und appelliert erneut an den WFV:

In Kärnten und in der Steiermark gibt es bei Meisterschaftsabbruch Aufsteiger. Wenn das Beispiel auch im Osten Österreichs Schule macht, könnte die Regionalliga problemlos auf sechzehn Vereine aufgestockt werden

Im Kärntner Amateurfußball wird von der Landesliga bis zur Zweiten Klasse die Frühjahrsmeisterschaft abgesagt. Das hat der Vorstand des Kärntner Fußballverbandes Donnerstagabend in einer außerordentlichen Sitzung beschlossen. Beschlossen wurde darüber hinaus, dass es in der aktuellen Saison Aufsteiger, aber keine Absteiger gibt.

Dieselbe Entscheidung hat der Steirische Fußballverband vor zwei Wochen getroffen. "Wir wollen zumindest Aufsteiger haben, damit ein Anreiz geboten wird", begründete Wolfgang Bartosch, Präsident des Steirischen Fußballverbandes, den einstimmigen Umlaufbeschluss.

Das Kärntner und Steirische Beispiel, dem zum Zeitpunkt des Abbruchs führenden Verein als Aufsteiger zu küren, könnte in Österreich Schule machen. Vor allem macht es den Vereinen im Osten des Landes wieder Hoffnung, allen voran dem ältesten Fußballverein Österreichs.

Der First Vienna Football Club 1894 liegt zum zweiten Jahr hintereinander auf Platz 1 der Wiener Stadtliga. Der Viertligist, der zuletzt im Österreichischen Cup für Furore gesorgt hat und erst im Viertelfinale an Sturm Graz gescheitert war, hat ambitionierte Ziele. Vom Budget und vom Kader her könnte der sechsfache österreichische Meister wahrscheinlich schon jetzt in der zweiten Liga mithalten.

Letzten Sommer hatten sich die Landesverbände Wien, Niederösterreich und Burgenland bei Abbruch der Amateurmeisterschaft auf keine Aufsteiger in die Regionalliga Ost einigen können. Das Argument damals: ob der fehlenden Rechtssicherheit drohen Klagen.

Die Regionalligisten stiegen auf die Barrikaden. Sogar ein Boykott stand kurzfristig im Raum. Wochenlang wurde diskutiert. Auf Eigeninitiative hatten die Regionalligisten sogar Klagsverzichts-Erklärungen von allen betroffenen Vereinen organisiert. Doch schon damals hatten sich die Landesverbände nicht bewegt. "Die Enttäuschung ist riesengroß", gestand Adi Solly, Vorsitzender des Ligaausschusses der Regionalliga, und sprach von einer "Saison, die wir uns so nicht gewünscht haben."

Dieses Jahr hingegen ist die Sachlage anders. Seit 30. Juli 2020 gelten neue Spielregeln. Aufgrund einer Novelle kann jeder Verband fortan unabhängig und autark entscheiden. Das ist nicht nur eine große Chance für den Fußball. Das besagt der Paragraph 13a der ÖFB Meisterschaftsregeln betreffend Abbruch und Wertung von abgebrochenen Meisterschaftsbewerben.

Wortwörtlich heißt es in Punkt (1): Kann ein Meisterschaftsbewerb (Liga, Gruppe) nicht wie vom Verband festgelegt regulär fortgesetzt werden, entscheidet der jeweils für diesen Meisterschaftsbewerb zuständige Verband über dessen Unterbrechung und spätere Fortsetzung bzw. dessen Abbruch und Wertung sowie über den Auf- und Abstieg.

Nur: Traut sich das der Wiener Verband? Und hat der niederösterreichische Verband den Mut dazu? Und, wie, bitte schön, wird der Fußballverband in Burgenland diesmal reagieren?

Noch halten sich die Ost-Verbände an dem theoretischen Strohhalm fest und hoffen die verbleibenden Meisterschaftsspiele der Hinrunde in irgendeiner Form über die Bühne zu bringen. So sehr sich das alle wünschen - angesichts der kontinuierlich steigenden Covid-Zahlen wird diese Option täglich unrealistischer.

Bereits vor einem Monat hatten sich deshalb die Wiener Stadtliga-Vereine an WFV-Präsident Robert Sedlacek gewandt. In einer gemeinsamen Stellungnahme plädieren die Klubs dafür, den Verein, der bei einem Abbruch an der Spitze steht, in die Regionalliga Ost aufsteigen zu lassen. Ein entsprechender Beschluss der Vereine wurde bei einem Treffen am 22. Februar gefasst. Am 1. März erging ein Schreiben an den Wiener Fußballverband. Eine Woche später ein zweites.

Doch der Verband stieß die Vereine einmal mehr vor den Kopf. In der Vorstandssitzung vom WFL am 9. März wurde festgelegt, dass die Hinrunde unbedingt fertiggespielt werden muss. Bei Meisterschaftsabbruch gibt es keine Wertung und keinen Auf- und Absteiger. Das war insofern erstaunlich, da die unmissverständliche Willenserklärung von allen Vereinen unterschrieben worden ist.

In der Wiener Stadtliga führt die Vienna nach zehn Runden punktegleich, mit einem Spiel weniger und besserem Torverhältnis vor Wienerberg und Mauer die Tabelle an. Zur Wertung der Hinrunde fehlen Vienna fünf Spiele. In der 1. Landesliga Niederösterreich führt Krems nach 11 Spielen mit fünf Punkten Vorsprung auf USV Scheiblingkirchen-Warth, die jedoch zwei Spiele weniger haben. Zur kompletten Hinrunde fehlen Krems drei Spiele. In der Burgenlandliga ist Deutschkreuz nach neun Runden Tabellenführer, mit drei Punkten Vorsprung auf Pinkafeld, die ein Spiel weniger haben. Hier fehlen theoretisch ebenfalls fünf Spiele.

Bereits im Herbst mussten viele Spiele im Amateurbereich pandemiebedingt abgesagt werden. Dadurch hat jeder Klub unterschiedliche viele Partien absolviert. Das Kuriose bei der Entscheidung des WFV: Wenn beispielsweise die ersten fünf Vereine fünfzehn Spiele gemacht und damit die Hinrunde absolviert haben, aber zwei Klubs nur vierzehn Partien, kommt es trotzdem zu keiner Wertung der Meisterschaft und zu keinem Aufsteiger. Noch kurioser: wenn nach fünfzehn Runden ein Verein Erster ist und beispielsweise dieser Verein nach 20 Runden nur mehr Vierter ist, steigt trotzdem derjenige auf, der nach fünfzehn Runden Erster war. Und nicht derjenige, der nach 20 Runden Erster war.

Alles klar? Hinzu kommt, dass die Regionalliga Ost in seltener Einigkeit und hilfeschreiend um statutenkonforme Aufstockung bittet. Derzeit spielen nur dreizehn Vereine in der dritthöchsten Spielklasse im Osten Österreichs, wiewohl die Statuten eine Regionalliga mit sechzehn Klubs vorschreiben. In der Vorwoche führten die Regionalligisten mit den Landesverbandspräsidenten Gerhard Militich, Burgenland, Johann Gartner, Niederösterreich, Robert Sedlacek, Wien und ÖFB-Geschäftsführer Thomas Hollerer Gespräche. Noch hofft man auf eine sportliche Entscheidung und will die Hinrunde im Juni oder sogar Anfang Juli fertigspielen.

Allein: Diese Entscheidung werden höchstwahrscheinlich nicht mehr die Vereine treffen, sondern die Politik. In der BVZ sagt Draßburg Obmann Ernst Wild: "Man muss danach trachten, dass diese wenig optimale Situation mit 13 Vereinen nicht bestehen bleibt. Wenn man jetzt sportlich die Saison nicht beenden kann, dann müssen die Verbände an einer Lösung arbeiten. Es muss meiner Ansicht nach auf 16 Vereine aufgestockt werden, alles andere wäre ein Armutszeugnis für eine dritthöchste Spielklasse." Auch Werner Trost sagt: "Es kann nicht sein, dass es eine Regionalliga mit nur dreizehn Vereinen gibt. Das wäre Wahnsinn, wenn das aufgrund von fehlenden Aufsteigern ein zweites Mal passiert und drastisch für alle Vereine."

"Wenn Sie eine Lösung haben, können Sie mich jederzeit anrufen", hatte der niederösterreichische Landesverbandspräsident Johann Gartner im letzten August zur aktuellen Situation rund um die Aufstockung der Regionalliga Ost zu 90minuten.at gesagt.

Jetzt liegt die Lösung am Tisch. Die Aufstockung der Regionalliga auf sechzehn Vereinen wird von allen Vereinen gewünscht. Die Entscheidung ist rechtlich abgesichert. Der Amateurfußball, die so wichtige Basis des Fußballs, würde als Sieger aussteigen. Die Verbandspräsidenten ebenfalls Ein aufgelegter Elfer, würde man meinen. Die Frage ist nur: worauf warten die Herren noch?

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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