Ziege: Ich mag es, wenn man sich große Ziele setzt

 

Aus der Regionalliga im Eiltempo in den Europacup?

Dass dies in Österreich alles andere als unmöglich ist, beweisen der LASK, der Wolfsberger AC und der TSV Hartberg, die drei der fünf rot-weiß-roten Europacup-Tickets für die kommende Saison gelöst haben.

Ihre Zeit in der Drittklassigkeit liegt jeweils noch nicht allzu weit zurück, danach ging es relativ flott nach oben.

Das weiß man auch beim FC Pinzgau Saalfelden.

Der Verein aus der Regionalliga Salzburg verfolgt ähnlich große Ziele. Der erste Schritt wäre der Aufstieg in die 2. Liga, den Auftakt zum Kampf darum stellt der Liga-Start bei Wals-Grünau (Samstag, 8. August, 19 Uhr bei LAOLA1 im LIVESTREAM) dar.

Als "Fan Owned Club" setzt der FC Pinzgau auf Investments von Fußball-Begeisterten weltweit. Quasi als Botschafter dient mit seinem berühmten Namen Trainer Christian Ziege.

Der Europameister von 1996 stand in seiner aktiven Karriere beim FC Bayern, AC Milan, Middlesbrough, FC Liverpool, Tottenham und Borussia Mönchengladbach unter Vertrag.

Als sportlich Verantwortlicher in Saalfelden mahnt der Deutsche ein, dass man die gesetzten Ziele nur Schritt für Schritt erreichen könne, steht aber voll hinter den großen Ambitionen, wie er im LAOLA1-Interview betont: "Man muss sich ja Ziele setzen, um Ziele zu erreichen. Wenn ich kein Ziel habe, bin ich planlos."

LAOLA1: "Ziege is awesome" beziehungsweise "Ziege is like the best dude ever". Das sind Zitate von Geschäftsführer Mark Ciociola. Was macht Sie so awesome?

Christian Ziege (grinst): Das muss Mark selbst erklären. Ich persönlich mag es überhaupt nicht, über mich zu sprechen, sondern versuche lieber meine Arbeit so gut wie möglich zu machen und den Jungs zu helfen, Schritte nach vorne zu machen. Dann können wir insgesamt die richtigen Schritte machen. Das ist genügend Arbeit.

LAOLA1: Neben all dem Lob betont Ciociola, dass es für das Projekt eines Fan Owned Clubs einen Trainer braucht, der bereit ist, sich darauf einzulassen. Was macht das Projekt in Ihren Augen so speziell?

Ziege: Ich mag Sachen, bei denen Ambitionen dahinter sind. Diese Ziele versuchen wir zu verwirklichen – und das sind ja zum Teil sehr große Ziele. Auf dem Weg zu großen Zielen muss man viele kleinere Hürden nehmen. Genau das ist das Spannende, dass man mehrere Puzzleteile zusammenführen muss. Man kann einmal eine Hürde nicht schaffen und hinfallen, darf jedoch nicht liegen bleiben, sondern muss aufstehen und das Ziel weiterverfolgen. Diese Situation hatten wir bereits.

LAOLA1: Durch den Verzicht auf den Aufstieg in die 2. Liga?

Ziege: Insgesamt war das ein richtiger Schritt. Der Verein muss auf einer vernünftigen Basis stehen, bevor man seine Ziele auch wirklich verfolgen kann. Dadurch hatten wir sicher ein bisschen einen Rückschritt, und dann kam auch noch das leidige Thema, das alle Menschen auf der Welt beschäftigt, dazwischen. Es werden uns mit Sicherheit immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, aber da müssen wir drüber. Man darf die Ambitionen nie aus den Augen verlieren. Wenn man irgendetwas nicht geschafft hat, muss man sich Gedanken machen warum und dann muss man es ändern. Das Projekt macht aus, dass man wirklich etwas erreichen will und man genau weiß, was man erreichen will. Das ist spannend.

"Man spricht ja mit vielen Leuten, die dann sagen: Jetzt sind sie in der dritten Liga und reden von der Champions League. Aber man muss sich ja Ziele setzen, um Ziele zu erreichen. Wenn ich kein Ziel habe, bin ich planlos."

LAOLA1: Dass der FC Pinzgau europäisch spielen möchte, ist kein Geheimnis. Auch der Begriff Champions League ist bereits gefallen. Muss man als Trainer die Erwartungen manchmal bremsen oder muss solch ein Projekt von Anfang an solche Visionen haben?

Ziege: Bremsen muss man gar nichts! Man muss es nur richtig einschätzen. Man spricht ja mit vielen Leuten, die dann sagen: "Jetzt sind sie in der dritten Liga und reden von der Champions League." Aber letztlich ist es genau das Thema, das ich gerade gemeint habe: Man muss sich ja Ziele setzen, um Ziele zu erreichen. Wenn ich kein Ziel habe, bin ich planlos. Auf diesem Weg muss man gewisse Hürden erst mal nehmen. Das heißt: Das erste Ziel ist zu versuchen, die nächsthöhere Liga zu erreichen. Wenn man das geschafft hat, muss man in dieser Liga zurechtkommen, dort Erfahrungen sammeln. Es warten also ganz viele Schritte, bei denen alle im Boot sein müssen – es geht ja nicht nur um den Sport, sondern auch um das Drumherum. Wir werden auf unserem Weg mit Sicherheit auch noch viele Fehler machen. Dennoch: Ich mag es, wenn man sich große Ziele setzt. Das habe ich als Spieler nicht anders gemacht. Ich hatte Ziele und Träume, die ich gerne erreichen wollte und zu meinem Glück durfte ich sie auch erreichen. Da steckte jedoch auch eine Menge Arbeit und viel Verzicht dahinter.

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LAOLA1: Wenn man sich beispielsweise an RB Leipzig erinnert, ist nach dem Start des Projekts nicht im ersten Anlauf der Aufstieg gelungen, ehe man richtig durchgestartet ist. Wie groß ist so gesehen die Herausforderung, die auf den FC Pinzgau in dieser Regionalliga-Saison zukommt?

Ziege: In dieser Saison gibt es mit Sicherheit einen großen Unterschied. Letztes Jahr hat man gesagt, der FC Pinzgau Saalfelden will große Dinge erreichen, aber da wir die Jahre davor eher im unteren Tabellendrittel gespielt haben, haben das mit Sicherheit viele belächelt. Dann waren wir mit dem SAK die stärkste Mannschaft der Liga und zurecht da oben. Also wird es jetzt mit Sicherheit anders sein. Jetzt haben wir jedes Wochenende einen Gegner, der um unsere Ambitionen weiß. Das ist für den jeweiligen Gegner natürlich eine super Motivation, uns auf unserem Weg ein Bein stellen zu wollen. Den Vergleich mit RB Leipzig würde ich in diesem Zusammenhang nicht wählen, denn die Voraussetzungen, die sie damals hatten, sind zu weit von dem entfernt, was hier gerade beginnt. Aber es gibt andere gute Beispiele.

"Vor Jahren hat es der SV Grödig von der dritten in die erste Liga geschafft, genauso der WAC und der LASK. Auch Hartberg spielt jetzt im europäischen Fußball. Das sind alles Beispiele, die zeigen: Es ist möglich."

LAOLA1: Auch in Österreich.

Ziege: Genau. Vor Jahren hat es der SV Grödig von der dritten in die erste Liga geschafft, genauso der WAC und der LASK. Auch Hartberg spielt jetzt im europäischen Fußball. Das sind alles Beispiele, die zeigen: Es ist möglich. Man muss sich die Ziele stecken und auch dazu stehen. Dazu gehört auch, wenn man gewisse Dinge nicht gleich erreicht, dass manche Leute dann sagen: "Große Klappe, nichts dahinter!" Darauf warten einige nur. Das muss uns alles egal sein! Wir müssen das Ziel vor Augen haben und alles dafür tun.

LAOLA1: Kommen wir zurück zu Mark Ciociola. Was zeichnet ihn aus?

Ziege: Eines weiß ich aus meiner Erfahrung als Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach ganz sicher: Damals haben wir uns nach dem Abstieg zusammengesetzt und gesagt: Du kannst deine Ziele nur erreichen, wenn alle im Verein – und da gehört jeder dazu – in die richtige und in die gleiche Richtung arbeiten. Das ist das Wichtigste. Du brauchst jeden Mann, der hier für den Verein etwas tut. Jeder hat seinen Aufgabenbereich. Ich kann nur betonen, dass ich richtig froh und glücklich bin, dass ich hier sein darf, weil es einfach Spaß macht, in diesem Verein zu arbeiten. Weil wir wirklich zusammen arbeiten, weil das Vertrauen da ist, weil es gute Gespräche gibt und man immer für einander da ist. Dazu gehört die gesamte Chefetage, einschließlich Mark, dass es harmonisch ist, aber auch diskutiert wird und Dinge auch mal nicht gehen. Wenn ich sage, das würde ich so machen und der Verein meint, das machen wir im Moment aus diesem oder jenen Grund aber anders, ist das in Ordnung. Das meine ich mit zusammen arbeiten. Man muss ehrlich miteinander diskutieren können. Wir brauchen all diese guten Leute, damit wir etwas erreichen können.

LAOLA1: Zum Abschluss – natürlich mit Augenzwinkern: Was wäre Ihre Wunschgruppe in der Champions League – Ihre Ex-Klubs FC Bayern, AC Milan und FC Liverpool?

Ziege (lacht): Doch, die nehmen wir alle! Wir müssten ja nur Zweiter werden – kein Problem...! Also wenn wir wirklich einmal da sein sollten, ist alles realistisch, dann haben wir uns qualifiziert. Alles ist möglich im Fußball.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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