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ÖFB: Der Erfolgsjahrgang 1996

Fehlstart- & Happy-End-Spezialisten. Youngsters können Einzigartiges schaffen.

ÖFB: Der Erfolgsjahrgang 1996 Foto: © GEPA

Die Slowakei schien meilenweit entfernt, die Arabischen Emirate waren noch überhaupt kein Thema und von Griechenland und Italien wussten sie noch gar nichts.

Präsent war vor allem ein Gefühl: Enttäuschung. Als die ÖFB-U17 Mitte Oktober 2012 im Tiroler Schwaz gegen Zypern nur 0:0 spielte, ärgerte sie sich über sich selbst. Rund eine halbe Stunde lang hatte sie einen Mann mehr am Platz, dennoch konnte nur ein Punkt verbucht werden.

Nach seinem ersten Bewerbsspiel stand der Jahrgang 1996 mit dem Rücken zur Wand. Was damals niemand ahnen konnte: Diese Situation sollte sich wiederholen und wiederholen und wiederholen…

Am Dienstag, um 19 Uhr, kann sich dieser Jahrgang mit dem Playoff-Aufstieg gegen Griechenland nicht nur als erstes österreichisches Team für eine U21-EM qualifizieren, er kann gleichzeitig seinem Ruf als Erfolgs-Jahrgang ein letztes Mal gerecht werden.

Zusammengestellt von Hermann Stadler

Denn Sascha Horvath, Alexander Schlager und Co. haben sich bisher für jede Großveranstaltung qualifiziert, für die sie sich qualifizieren konnten. Eine nahezu einzigartige Serie in Österreichs Fußball-Geschichte. Und gleichzeitig eine Serie, die sich wie ein Krimi liest, die den Spielern vor Augen geführt hat, dass immer noch alles möglich ist.

Zusammengestellt wurde die Auswahl der 1996er von Hermann Stadler. Er durfte mitansehen, wie sich seine Truppe im Oktober 2012 mit einem 6:0 gegen die Färöer und seinem 1:1 gegen die Schweiz letztlich doch noch recht souverän aus der Affäre zog und als Gruppenzweiter in die Eliterunde der EM-Quali aufstieg.

VIDEO: ÖFB-Team will Fans zurückholen!

(Artikel wird unter dem Video fortgesetzt)


Ende März 2013 war es bitterkalt in Schwechat. Ein paar Familienmitglieder und Freude der Kicker, eine Handvoll Scouts, zwei, drei Journalisten und einige Schaulustige bekamen nichts Herzerwärmendes geboten. 0:1 gegen Irland, ein verschossener Elfmeter von Adrian Grbic in der Schlussminute. Ein Albtraum-Start in eine Vierer-Gruppe, die man gewinnen musste, um es zur U17-EM zu schaffen.

Wahrscheinlichkeits-Rechnung

„Die Wahrscheinlichkeit ist verschwindend gering“, stellte Teamchef Stadler fest, als er auf die Chancen einer erfolgreichen Quali angesprochen wurde. Verschwindend gering ist aber eben nicht gleich Null. Und so durften seine Schützlinge wenige Tage später am FAC-Platz jubeln. Ein verdienter, aber knapper 1:0-Sieg gegen Serbien und ein 2:1-Zittersieg gegen Georgien reichten, weil sich Serbien und Irland im Parallelspiel mit 1:1 trennten.

„Ich bin um ein paar Jahre gealtert“, stöhnte Stadler damals. Heute ist er übrigens 57 Jahre alt. Und der Jahrgang 1996 hatte eine wichtige Lektion gelernt: Solange es rechnerisch möglich ist, ist es auch praktisch möglich.

Wo ein Glas halbvoll, kann es aber freilich auch halbleer gesehen werden. Wenngleich der Jahrgang 1996 darauf spezialisiert ist, in Drucksituationen zu funktionieren, macht er folglich zu Beginn wenig richtig, sonst würde er erst gar nicht in solche Situationen kommen.

Jubel bei der U17-EM in der Slowakei
Foto: © GEPA

Also, die Tradition fortsetzend, gab es einen Fehlstart in die U17-EM zu beklagen – 0:1 gegen Gastgeber Slowakei. Danach ein 1:1 gegen Schweden. Im finalen Gruppenspiel jubelten Valentino Lazaro und Co. vor den Augen von Teamchef Marcel Koller über einen 2:1-Sieg gegen die Schweiz. Für den Einzug ins Halbfinale reichte der Erfolg nicht, aber für Gruppenplatz drei, der ein Ticket für die U17-WM bedeutete.

Der Auftritt in den Vereinigten Arabischen Emiraten verlief enttäuschend. 2:2 gegen Kanada, 2:3 gegen Argentinien und im „Alles-oder-Nichts“-Spiel gegen den Iran setzte es eine 0:1-Niederlage. Diesmal konnte sich das Team mit dem Rücken zur Wand nicht befreien.

Im Jahr darauf, dann schon als U19, betrieb die Stadler-Elf Wiedergutmachung und marschierte erstaunlich souverän durch die erste Quali-Phase. Ein 1:0 gegen Gastgeber Lettland, ein 1:0 gegen Kasachstan und ein fulminanter 5:1-Triumph gegen eine deutsche Auswahl mit Spielern wie Timo Werner, Leroy Sane und Mahmoud Dahoud sorgten für den Aufstieg.

In der Eliterunde zeigte der Jahrgang 1996 dann aber wieder ein bekanntes Gesicht, schrieb die nächsten Kapitel seines Quali-Krimis. Ein 1:2 zum Start gegen Schottland, bei dem zwei ÖFB-Kicker mit Rot vom Feld mussten, sorgte für schlechte Stimmung. „Keine Ahnung, warum wir die erste Partie immer vergeigen“, war Stadler ratlos.

"Wir haben starke Nerven!"

Sascha Horvath

Ein 2:0-Sieg gegen Kroatien ließ die Hoffnung dann wieder aufleben. Und am Ende war wieder großer Jubel – Horvath sorgte mit seinem späten 2:1 für den Sieg über Italien, Schottland kam gleichzeitig nicht über ein 1:1 gegen Kroatien hinaus und so war das Ticket für die U19-EM in Griechenland erstaunlicherweise doch noch fixiert. „Wir haben starke Nerven“, grinste Horvath.

Enttäuschung in Griechenland

Bei der Endrunde in Griechenland konnte das jedoch nicht unter Beweis gestellt werden. Auf den traditionellen Fehlstart, ein 0:1 gegen Frankreich, folgten ein torloses Remis gegen Griechenland und ein 2:2 gegen die Ukraine, in diesem Spiel hätte ein Sieg den Aufstieg bedeutet.

Mit Niederlagen gegen Russland und Serbien in einer frühen Phase der Qualifikation zur U21-EM schien das EM-Ticket für den Jahrgang 1996, der diesmal von jüngeren Spielern verstärkt wird, schon wieder passé. Doch ein tolles Finish rettete die Mannschaft, nunmehr von Teamchef Werner Gregoritsch betreut, ins Playoff.

Mit dabei sind einige Kicker, die in der U17 und U19 stets bzw. oft Leistungsträger waren – Sascha Horvath, Adrian Grbic, Dominik Baumgartner, Alexander Schlager, Marko Kvasina, Mathias Honsak (aktuell verletzt) sowie die auf Abruf befindlichen Manuel Haas, Stefan Peric und Michael Lercher. Philipp Lienhart stieß erst ein wenig später zur Mannschaft, war in der U17 noch nicht dabei.

Nur Lazaro hat es "geschafft"

Einige von ihnen haben jede Menge Turniererfahrung aufzuweisen. Horvath etwa spielte auch als „jüngerer“ 2014 schon bei der U19-EM und wie beispielsweise Kvasina 2014 mit der Wiener Austria in der UEFA Youth League.

Andere wiederum haben sich längst aus dem Umfeld des ÖFB verabschiedet, den Sprung in den Profi-Fußball nicht geschafft, wie etwa Daniel Ripic, Marcel Probst, Raphael Mathis und David Domej.

Fixer Bestandteil des A-Teams ist nur einer, nämlich Valentino Lazaro. Lienhart klopft laut an.

"In diesem Jahrgang steckt ein eigener Geist"

Christoph Baumgartner

Sollte der Jahrgang 1996 sein letztes Qualifikationsspiel im Nachwuchs-Fußball erfolgreich bestreiten und auf den Zug zur U21-EM aufspringen, würde er jedenfalls den bislang erfolgreichsten Jahrgang übertrumpfen. Die Truppe Jahrgang 1987 rund um Zlatko Junuzovic, Sebastian Prödl, Martin Harnik und Markus Suttner war auch bei jedem Turnier dabei, hat allerdings die Hürde U21-EM-Quali nicht genommen.

Die Leader-Typen

„Diese Jungs haben eine klasse Mentalität“, schwärmt Gregoritsch von seinen Schützlingen.

Eine besondere Beziehung zum Jahrgang 1996 hat Christoph Baumgartner. Er ist der drei Jahre jüngere Bruder von Dominik, spielt mittlerweile gemeinsam mit ihm in der U21. „Ich war durch meinen Bruder oft bei den Spielen dabei. Als sie sich damals in der Slowakei für die WM qualifiziert haben, bin ich im Stadion gesessen. Es freut mich, dass ich jetzt mit diesen Spielern auf dem Platz stehen darf“, erzählt der Hoffenheim-Legionär.

„In diesem Jahrgang ist der ein oder andere echte Leader dabei, der so eine Endrunde schon mal erlebt hat. Ich kann mich erinnern, dass sie oftmals das erste Spiel auch verloren haben und es dann trotzdem immer wieder geschafft haben, sich zu qualifizieren. In diesem Jahrgang steckt ein eigener Geist. Die aktuelle U21-Mannschaft wird genau von diesen Spielern geführt“, sagt Baumgartner.

Der krönende Abschluss steht noch bevor.

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