Doch um es dann wirklich ganz an die Spitze zu schaffen, darf man sich eben keine Schwächen erlauben. „Wir hatten 20 schlechte Minuten gegen Dänemark“, weiß Teamchef Werner Gregoritsch. Ansonsten sieht auch er Österreich als „würdigen Vertreter bei dieser EM“.
Die mangelnde Effizienz
Einerseits war es der Umstand, dass man sich von den Dänen taktisch überraschen hat lassen und 45 Minuten benötigte, um die richtige Antwort zu finden, andererseits war es die mangelnde Effizienz vor dem gegnerischen Tor, die ein Weiterkommen verhindert hat.
„Wir haben unsere Chancen leider wieder nicht gemacht. Das war über das gesamte Turnier ein Problem“, sagt Kapitän Philipp Lienhart. Vor allem gegen Serbien und Deutschland wurden insgesamt mehr als ein halbes Dutzend Sitzer ausgelassen.
„Wären wir effizienter gewesen, hätten wir die Möglichkeit zum Aufstieg gehabt“, ist sich auch Gregoritsch sicher. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass mit Hannes Wolf ein potenzieller Scorer nach seiner schweren Verletzung im Auftaktspiel gefehlt hat. Auch was das Pressing und den Speed beim schnellen Umschalten betrifft.
Wolf und der Teamgeist
Überhaupt war das Turnier-Aus des künftigen Leipzig-Spielers eines der bestimmenden ÖFB-Themen während des Turniers. „Ich bin sehr stolz, wie die Spieler mit Wolf umgegangen sind, wie sie miteinander umgegangen sind. Da ist schon eine Kameradschaft entstanden“, sagt der Coach.
Der Teamgeist war insgesamt das große Plus der Mannschaft. Jeder Spieler schwärmte vom tollen Miteinander. „Lagerkoller ist in den drei Wochen nie aufgekommen“, weiß Gregoritsch. „Es hat Spaß gemacht“, berichtet Keeper Alexander Schlager.
Abgesehen vom guten Umgang miteinander streicht der Teamchef auch den Arbeitswillen seiner Truppe heraus: „Wir haben erstmals bei einem Lehrgang drei Morgenläufe um 8 Uhr in der Früh gemacht. Es hat kein einziger gejammert. Das Wichtigste ist die Mentalität. Ohne Mentalität kommst du nicht weiter.“
Fast alle dabei
Für den Teamgeist und die Mentalität spricht auch, dass es sich – abgesehen von Valentino Lazaro – kein spielberechtigter A-Teamspieler nehmen lassen wollte, beim Turnier in Italien mit dabei zu sein. Konrad Laimer musste bekanntlich auf Wunsch seines Arbeitgebers RB Leipzig absagen.
„Wenn Wöber, der verletzt war, Laimer und Wolf noch dabei gewesen wären, müsste man abschätzen, was noch alles möglich gewesen wäre. Das ist schon ein sehr, sehr talentierter Jahrgang. Wenn sich die Spieler weiter so entwickeln, wird es in den nächsten Jahren im Nationalteam noch sehr, sehr viel Freude geben“, so Gregoritsch.
Die Zukunft
Auf den Steirer selbst wartet nun schon die nächste EM-Quali. England, Türkei, Kosovo, Albanien und Andorra sind die Gegner, ab Anfang September steigt die ÖFB-U21 in die Gruppe 3 ein. Spieler wie Danso, Friedl, Wolf und Baumgartner sind weiterhin spielberechtigt. Talente wie Matthäus Taferner, Dominik Fitz und Marko Raguz kommen nach.
„Ich glaube schon, dass wir in den nächsten Jahren immer wieder die Chance haben, in der Quali-Gruppe unter die besten Zwei zu kommen. Selbstläufer ist das in der U21 aber sicher keiner“, zeigt sich Gregoritsch durchaus zuversichtlich.
Und einen großen Wunsch hat der Teamchef nach der EM auch noch: „Die Zuschauer waren beim Turnier unglaublich, das hat mir so imponiert. Das war phänomenal. Ich hoffe, wir kriegen jetzt diese Wertschätzung, dass wir in der Quali nicht immer vor 500 Leuten spielen müssen. 2000 Leute bei den Spielen sollten schon möglich sein.“