Polster & Krankl: Arnautovic auf Legenden-Jagd

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Ja, die Überschrift, dass sich Marko Arnautovic auf Legenden-Jagd befindet, ist durchaus doppeldeutig gemeint.

Einerseits, wir alle haben es bereits die ganze Woche über mitbekommen, lässt der 30-Jährige derzeit kaum eine Gelegenheit aus, um namentlich nicht genannten "Experten" verbal eine mitzugeben - oder sie "ruhig zu stellen", wie er es nach Kritik an seinem China-Wechsel selbst nennt.

Sein jeweiliger Torjubel bei seinem Doppelpack beim 6:0 gegen Lettland enthielt eine unmissverständliche Botschaft. Sowohl im Vorfeld, als auch nach der Partie fand "Arnie" eindeutige Worte.

Da Toni Polster und Hans Krankl zu jenen Experten gehören, die sich negativ über den Transfer ins Reich der Mitte äußerten, dürfen sie sich mutmaßlich von diesen Rügen angesprochen fühlen, womit wir beim zweiten Aspekt der Legenden-Jagd wären.

Arnautovic hat offiziell verkündet, dass er Österreichs Rekordtorschütze werden will. Dies geht logischerweise nur, wenn er die beiden besten Goalgetter der ÖFB-Geschichte vom Thron stößt. Die Jagd ist also eröffnet!

Peter Schöttel zaubert alleine der Gedanke daran, ein spitzbübisches Grinsen ins Gesicht: "D-A-S würde den beiden natürlich wirklich weh tun! Also sollte es bei seiner Kritik um die beiden gehen, könnte er sich damit wirklich revanchieren."

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Krankl-"Intervention" bei Prohaska?

Aufgrund gemeinsamer Vergangenheit beziehungsweise Gegenwart ist der ÖFB-Sportdirektor allen drei Protagonisten eng verbunden.

"Für Stürmer ist das eine wichtige Geschichte", weiß der 52-Jährige, der als damaliger Nationalteam-Kollege Zeitzeuge jener Phase war, als Polster im Jahr 1996 den damaligen Rekordhalter Krankl erst ein- und später überholte.

"Michael Hatz hat Polster das Tor in Ungarn aufgelegt, mit dem er Krankl eingeholt hat", kann sich Schöttel gut erinnern.

Den Hinweis eines Journalisten-Kollegen, dass Krankl im Vorfeld den damaligen Teamchef Herbert Prohaska angerufen und gebeten habe, Polster nicht aufzustellen, kommentiert der frühere Verteidiger köstlich amüsiert wiefolgt:

"Das weißt du natürlich als Insider, aber auch wenn es diese Gerüchte gibt, kann und will ich das so nicht bestätigen."

ÖSTERREICHS REKORDTORSCHÜTZEN:

Platz Name Länderspiel-Tore
1. Toni Polster 44
2. Hans Krankl 34
3. Johann Horvath 29
4. Erich Hof 28
. Marc Janko 28
6. Anton Schall 27
7. Matthias Sindelar 26
. Andreas Herzog 26
. MARKO ARNAUTOVIC 26
10. Karl Zischek 24

Schöttel: "Offenbar lässt ihn das nicht kalt"

Bei allem Spaß über Eitelkeiten von Stürmern und ihren Rekorden gilt es für den ÖFB jedoch derzeit, das Thema Arnautovic vs. Kritiker im Auge zu behalten. Schließlich scheint der Ärger über diese Angelegenheit tief im ÖFB-Star drinnenzustecken, so oft wie er es selbst zum Thema macht.

"Intern beobachten wir das und sehen auch, dass er das macht. Es ist aber bei uns überhaupt kein Thema. Das ist ein Thema für Fans, Medien und Öffentlichkeit", betont Schöttel und meint weiter:

"Es kann schon sein, dass ihn die Kritik ärgert. Es ist offenbar etwas, das ihn beschäftigt und nicht kalt lässt. Er hat ja auch nicht so oft die Möglichkeit, dass er darauf antworten kann. Also nützt er eben die Bühne, die er bei Pressekonferenzen hat. Ich denke jedoch, es ist alles im Rahmen. Wir haben im Moment eine Riesen-Freude mit ihm."

"Ich weiß nicht, ob es ihn nervt, aber von mir aus können sie ihn weiterkritisieren, wenn er dann noch mehr Doppelpacks schießt."

Valentino Lazaro

So lange es Arnautovic gelingt, seinen Ärger in Motivation umzumünzen, lässt man es im ÖFB wohl laufen. So sehen es auch die Mitspieler. Valentino Lazaro kann sich das Lachen nicht verkneifen, als er zugibt:

"Ich weiß nicht, ob es ihn nervt, aber von mir aus können sie ihn weiterkritisieren, wenn er dann noch mehr Doppelpacks schießt. In letzter Zeit macht er das ja gerne. Aber das ist eben Marko. Das geht ja nicht erst seit kurzem so, dieses Hin und Her mit den Medien geht bei ihm schon seit Jahren so. Aus meiner Sicht löst er das ganz gut - das ganze Team steht hinter ihm, er steht hinter dem Team. Seien wir doch froh, dass wir so einen Spieler haben."

Schützenliste als zusätzliche Motivation

Um genau zu sein, hat Arnautovic im Rahmen der laufenden EM-Qualifikation in fünf Partien bereits drei Doppelpacks erzielt, wodurch das Thema ewige Schützenliste wieder präsenter wird.

Den mit 44 Treffern unangefochtenen Spitzenreiter Polster tatsächlich zu überholen, könnte schwierig werden. Auf Krankl fehlen inzwischen jedoch "nur" noch acht Tore. Für die Marke von 30 Toren, die in der ÖFB-Geschichte bislang nur Polster und Krankl geknackt haben, braucht der 30-Jährige noch vier Tore - das sollte auf jeden Fall machbar sein.

Arnautovic ist jedoch nicht der Typ, der sich von vornherein mit Rang drei zufrieden gibt. Er peilt den ersten Platz an. Auch in diesem Fall hat man im ÖFB nichts dagegen, wenn der Offensivspieler zusätzliche Motivation aus dieser Thematik schöpft.

ÖSTERREICHS REKORDNATIONALSPIELER:

Platz Name Länderspiele
1. Andreas Herzog 103
2. Toni Polster 95
3. Gerhard Hanappi 93
4. Karl Koller 86
5. Friedl Koncilia 84
. Bruno Pezzey 84
7. Herbert Prohaska 83
8. MARKO ARNAUTOVIC 82
9. Christian Fuchs 78
10. Aleksandar Dragovic 75
11. Sebastian Prödl 73
12. Marc Janko 70
. David Alaba 70
14. Hans Krankl 69
. Andreas Ivanschitz 69
. Julian Baumgartlinger 69

"Er will Rekordspieler werden und die meisten Tore schießen. Das Selbstvertrauen hat er, dass er sich das zutraut", meint Schöttel, der den Körper als "limitierenden Faktor" sieht:

"Er sagt ja selbst: Sofern es seine Fitness und seine Gesundheit erlauben. Er ist im Moment für uns sehr wertvoll. Er passt auch sehr gut zu seinen schnellen und aggressiven Mitspielern. Deswegen kann ich mir schon vorstellen, dass er noch sehr viele Spiele für das Nationalteam bestreitet. Dass er in jedem Spiel zwei Tore schießt, würden wir uns wünschen, kann ich aber nicht garantieren. Aber bei solchen Leistungen kann er ganz sicher noch viele Spiele bestreiten. Dann wird man am Schluss halt zusammenzählen, wie viele es sind."

Gedanken zu den Arnautovic-Statistiken

Auch das Thema Rekordnationalspieler ist ein interessantes. Damit lassen sich einige Gedanken zur bisherigen statistischen Ausbeute von Arnautovic im ÖFB-Dress bestens eröffnen.

  • In Polen bestreitet Arnautovic nämlich sein 83. Länderspiel, womit er auch in dieser Wertung auf den siebenten Platz nach vorne rückt und mit einer anderen Legende gleichzieht, nämlich Herbert Prohaska.

  • Arnautovic ist der erste Spieler aus der aktuellen ÖFB-Generation, der die Marke von 80 Länderspielen überschritten hat. Eigentlich war Christian Fuchs diesbezüglich auf dem besten Weg, der Linksverteidiger beendete jedoch 2016 nach 78 Länderspielen seine Nationalteam-Laufbahn.

  • Auf Rekordnationalspieler Andreas Herzog (103 Länderspiele) fehlen Arnautovic ab Montag 20 Matches, womit er derzeit die besten Karten hat, eventuell neue Nummer eins zu werden. Ab dem zehntplatzierten Aleksandar Dragovic (75 Länderspiele) hat er jedoch den einen oder anderen aktuellen Kollegen im Nacken. So bestritt etwa David Alaba gegen Lettland sein 70. Länderspiel. Der Bayern-Star ist drei Jahre jünger als Arnautovic.

  • Bemerkenswert ist bei Arnautovic, dass er wirklich nur ganz selten ein ÖFB-Spiel verpasst. Seit September 2011 fehlte der Wiener lediglich in vier Länderspielen - zwei Mal gesperrt, zwei Mal ließ er angeschlagen Testspiele aus. Einen besseren Beweis dafür, dass das Nationalteam eine Herzensangelegenheit für ihn ist, gibt es kaum.

  • Dafür verpasste Arnautovic in der Ära von Ex-Teamchef Didi Constantini gleich 14 Länderspiele - entweder verletzt, nicht nominiert oder zwischenzeitlich aus disziplinären Gründen. Rechnet man dies hoch, würde er inzwischen schon laut am Hunderter anklopfen. Läuft in diesem Länderspiel-Herbst alles nach Plan, wird Arnautovic als Vierter ins Jahr 2020 gehen.

  • Bezüglich seiner Torausbeute ist festzuhalten, dass Arnautovic den überwiegenden Teil seiner 82 Länderspiele nicht im Angriffszentrum, sondern am linken Flügel absolviert hat. Gerade in den Koller-Jahren war zumeist Marc Janko als zentrale Spitze gesetzt.

  • Unter Foda läuft die Offensivkraft seit einem Jahr nur noch an vorderster Front auf. In der Ära des Deutschen hat Arnautovic bereits zehn Länderspiel-Tore erzielt.

  • Manche werden sich noch erinnern: Zwischen Juni 2012 und März 2015 plagte Arnautovic eine zwischenzeitlich fast schon unheimliche Torsperre im Nationalteam, die erst in der 90. Minute des 5:0-Kantersiegs in Liechtenstein im Rahmen der erfolgreichen Quali für die EURO 2016 ihr Ende nahm - und das, obwohl er fast immer auf dem Platz stand, in diesem Zeitraum nur zwei Begegnungen verpasste. Ohne diese Durststrecke wäre Arnautovic im Ranking schon um einiges weiter vorne.

  • Nach dem Lettland-Spiel ärgerte sich der Stürmer, dass ihm sein erster Nationalteam-Hattrick verwehrt blieb. In der Tat gelangen ihm bereits sieben Mal zwei Tore in einem Spiel, aber noch nie mehr. Aber: Auch Doppelpacks sind keine schlechte Voraussetzung für die Jagd auf "Toni Doppelpack" Polster.

ALLE ARNAUTOVIC-TORE IM NATIONALTEAM:

Datum Gegner Ergebnis Anzahl Arnautovic-Tore
08.10.2010 Aserbaidschan (h) 3:0 2
12.10.2010 Belgien (a) 4:4 1
09.02.2011 Niederlande (a) 1:3 1
02.09.2011 Deutschland (a) 2:6 1
01.06.2012 Ukraine (h) 3:2 2
27.03.2015 Liechtenstein (a) 5:0 1
09.10.2015 Montenegro (a) 3:2 1
12.10.2015 Liechtenstein (h) 3:0 1
31.05.2016 Malta (h) 2:1 1
06.10.2016 Wales (h) 2:2 2
24.03.2017 Moldawien (h) 2:0 1
28.03.2017 Finnland (h) 1:1 1
06.10.2017 Serbien (h) 3:2 1
23.03.2018 Slowenien (h) 3:0 2
27.03.2018 Luxemburg (a) 4:0 1
12.10.2018 Nordirland (h) 1:0 1
24.03.2019 Israel (a) 2:4 2
10.06.2019 Nordmazedonien (a) 4:1 2
06.09.2019 Lettland (h) 6:0 2

Tore, Tore, Tore! Die Highlights des Kantersiegs gegen Lettland im VIDEO:

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Textquelle: © LAOLA1.at

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