So sauer ist Fußball-Österreich nach Israel

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Bei einem kann sich ein österreichischer Teamchef in schwierigen beruflichen Situationen gewiss sein: An guten Ratschlägen aus allen Lagern wird es im Krisen-Fall keinen Mangel geben.

Auch Franco Foda wird nach dem blamablen 2:4-Debakel in Israel mit zahlreichen Wortmeldungen mehr oder weniger befähigter Experten bedacht.

„Am Feld war eine Überheblichkeit zu erkennen, die Arroganz war zu groß“, kritisierte beispielweise Rapid-Legende Hans Krankl auf ServusTV in der Sendung „Sport und Talk aus dem Hangar7“ die mangelhafte Einstellung der ÖFB-Kicker, die zudem – laut Krankl – nicht gerade mit Selbstkritik überzeugen konnten. „Der Arnautović hat geredet, dass ich geglaubt habe, wir haben gewonnen.“

Zudem vermisste der ehemalige Teamchef einen Knipser im Nationalteam. „Uns fehlt ein Mann im Strafraum, ein Goalgetter, ein Mittelstürmer. Marc Janko ist weit über seinem Zenit.“

Wohlfahrt: "Teamchef-Diskussion zu früh"

Franz Wohlfahrt, der ehemalige Tormann-Trainer der österreichischen Nationalmannschaft , pflichtete Krankl in derselben Sendung bei: „Wenn die Spieler glauben, dass 80 Prozent ausreichen, wird es gegen die anderen Mannschaften auch nicht gut aussehen.“

Möglicherweise hätte es mit dem dichten Terminkalender der Kicker zu tun: „Der Zeitaufwand für die Nationalmannschaft ist schon ein Thema. Ich habe den Eindruck, dass es für den ein oder anderen Spieler zu viel wird“, erkennt Wohlfahrt bei manchen Akteuren eine Überbelastung.

Aber auch die Erwartungshaltung in der Heimat sei einfach zu hoch: „Aus welchem Grund soll Österreich über Polen, das einen der weltbesten Stürmer hat, drüberfahren?“ Deshalb solle man auch keine überstürzten Entscheidungen treffen: „Ich würde eine Teamchef-Diskussion für zu früh erachten.“

Konsel: "Klassischer Selbstfaller"

Krone-Experte Michael Konsel schüttelte den Kopf über die dargebotene Leistung in Haifa: „Was ich nach dem Führungstreffer sah, machte mich sprachlos. Ein klassischer Selbstfaller. Anstatt Druck auszuüben, wurde Österreich nachlässig, nutzte seine Chancen nicht. In dieser Verfassung ist die EM kein Thema, vorbei ist es aber noch nicht.“

Krone-Kollege Herbert Prohaska stimmt zu: „Die EM-Qualifikation ist zwar nicht außer Reichweite, denn bei zehn Spielen kannst du dir zwei Ausrutscher leisten. Nur hast du die jetzt schon beide verbraucht. Und es warten noch einige schwierige Spiele. Man hat sich selbst den allergrößten Druck gemacht.“

Auch „Schneckerl“ kritisierte das teilweise arrogante Auftreten der ÖFB-Kicker: „Das war nicht nur eine der bittersten Niederlagen, sondern eine, die wir uns ganz allein selbst zuzuschreiben haben. Es kann dir nichts Besseres als ein frühes 1:0 passieren. Aber dann spielte unser Team nicht auf das 2:0, sondern wurde überheblich, spielte nach dem Motto „Uns kann nichts passieren“.“

Regionalblätter fordern LASK- und Salzburg-Spieler

Einen interessanten Lösungs-Ansatz hätte OÖN-Redakteur Harald Bartl in seiner Kolumne parat: „Das Mentalitätsproblem in dieser Mannschaft ist eigentlich nicht zu lösen. Viele Fußballer von heute leben in einer anderen Welt. Wie soll ich als junger Mensch denn nicht abheben, wenn ich über Nacht plötzlich 200.000 Euro und mehr pro Woche auf den Tisch geknallt bekomme? Viele Teams gleichen das mit routinierten, intelligenten Führungsspielern aus. Es ist berechtigt zu sagen: ‚Bevor wir so spielen wie gegen Israel, da hole ich mir lieber einen Gernot Trauner oder Thomas Goiginger vom LASK ins Team. Die haben wenigstens diese Bodenständigkeit, die wir von einem Nationalteamspieler erwarten.‘“

Personelle Vorschläge hätte auch sein SN-Widerpart Alexander Bischof: „Dem ÖFB-Team fehlte die Bullen-Aggressivität, der Siegeswillen der Salzburger, über sich hinauswachsen zu wollen. Franco Foda wird seine Gründe gehabt haben, warum er das Salzburger Mentalitätsmonster, Stefan Lainer, nicht nominiert hat. Dabei bringt Lainer genau all diese Qualitäten mit, die Foda nach dem Spiel bei seinen Auserwählten vermisste.“

ÖFB-Krise ähnlich wie der Brexit

Für Kleine-Zeitung-Journalist Hubert Gigler war Marko Arnautovic der einzige ÖFB-Spieler, der nicht vom „Virus der Überheblichkeit“ befallen war. „Der Rest muss sich den Vowurf gefallen lassen, nicht mehr als mittlerer Durchschnitt zu sein. Die Gedanken, sich in den Bereich der Weltklasse hineingespielt zu haben, müssen sie rasch fallen lassen. Die Besonderheit eines Auftritts in der Nationalmannschaft scheint – entgegen den Beteuerungen – doch nicht so in die Köpfe eingebrannt zu sein, wie er sein sollte.“



90-Minuten-Kolumnist Jürgen Pucher sieht weniger die Spieler als vielmehr das Präsidium um Leo Windtner in der Schuld: "Ein bisschen erinnert die ganze Szenerie an eines der präsentesten Medienthemen dieser Tage, den Brexit. Alles diskutiert über das Versagen der operativ handelnden Personen und dass diese keine Lösungen zustande bringen. Nach dem Urheber der Misere fragt kaum noch jemand."

"Dasselbe Bild zeigt die Landschaft Fußballösterreichs. Lustlose Kicker ohne Mentalität stehen am Pranger, ein bisschen der überforderte Trainer und gar nicht der Chef. Der Erfinder des Trainers, der außerdem nur das macht, was er immer schon gemacht hat. Alles egal. Je höher man in der Verantwortungsleiter nach oben steigt, desto weniger wird diese wahrgenommen. Und desto weniger wird sie medial ebendiesen Leuten zugeschrieben", so Pucher, der allerdings auch "Verständnis" für das aktuelle Spieler-Bashing zeigt.

"Macht sich auch nicht so gut wie überbezahlte und sensible Kicker zu bashen, die in ihren Sportwagen herumfahren und teure Jogginghosen tragen. Den neureichen Emporkömmlingen die Leidenschaft für Österreich abzusprechen kommt besser an und mit dem Wahrnehmen von Verantwortung hat man es in Österreich ja generell nicht so."

Hoch gehen die Wogen auch bei den User-Kommentaren auf LAOLA1. Wir haben einige Auszüge der besten Aussagen für euch zusammengestellt:

"Mir fehlen nach der Heimniederlage gegen Polen die richtigen Konsequenzen. Warum wurde der LASK Spieler Goiginger (13 Tore) nicht berücksichtigt. Der Junge spielt in Hochform und gibt bei jedem Spiel alles was in ihm steckt. Janko hat seinen Zenit überschritten Da könnte ich auch Rene Gartler (11 Tore) oder Hannes Aigner (5 Tore) spielen lassen"
paparoli

In anderen Ländern hätte der Trainer Hausverbot beim nationalen Fussballverband bekommen, der Präsident wäre zurückgetreten und die Medien würden ganz anders aufgeschriehen haben. Was wollen die alle noch? Von Veränderung reden und dann traditionell weiterrucheln?
TaureauRouge

Es ist aber auch kein wirkliches Spielsystem zu erkennen. Er will defensiver spielen, variabler als das sture 4-2-3-1 unter Koller, will schneller umschalten, aber da braucht es Flügel und vor allem eine Mitte, die mit Speed nach vorne marschiert - aber vor allem braucht es Spieler, die sich in diesem "System" zurechtfinden.
intervista

Wir sind sicher mehr als gut genug um uns in dieser Gruppe zu qualifizieren. Die Niederlage gegen Israel hat mit spielerischer Qualität nichts zutun. Das war pure Überheblichkeit und das kannst du dir gegen niemanden leisten. Das ist auch der Unterschied zur "Koller EM Quali". Damals ist jeder die "extra Meile" gegangen. Heute halten die Herren das scheinbar nicht mehr für notwendig. Mit der Einstellung reicht es dann auch für niemanden. Den Biss, den wir damals hatten, haben heute andere!
bertolus2016

diese resultate sind fuer mich kein spiegelbild der kaderqualitaet sondern auf die einstellung bzw die taktik zurueckzufuehren. bis auf den sturm und den torwart haben wir eigentlich ein sehr stakes team.
votan999

Das die Quali für die EM so gut wie auch schon wieder vorbei ist, sollte keinen überraschen. Peter Schöttel ist zwar nett aber das wars auch schon wieder. Hätte man Foda bei Sturm weiter arbeiten lassen, hätte man den Grazern und dem ÖFB einen großen Gefallen getan. Diese Fehlbesetzungen hat man den ahnungslosen sowie selbstherrlichen Landespräsidenten zu verdanken.
f.a.k. 67

Was mich besonders noch zusätzlich ärgert (es wurde eh schon alles gesagt) Israel mit verlaub war ja eigentlich soooo schwach... so viele Fehlpässe... spielerisch und technisch teilweise sehr limitiert...Nein, aber wir sind nicht einmal dazu fähig, hier unsere spielerische Note einzubringen und dies für uns zu nützen...... Schwach, ganz schwach...... Jetzt nur Foda die Schuld zu geben ist zu einfach bei dieser Überheblichkeit
frenchman

Foda hat als Teamchef nichts verloren! Mit diesem Spielermaterial darf so eine Niederlage nie passieren! Die Aufstellung war schon hinterfragenswert, allerdings die Einwechslungen waren ein Desaster! Baumgartlinger hat massiv abgebaut...... vor allem an der Passqualität! Zujl hat das Niveau nicht in der Nationalmannschaft zu spielen! Auch Lindner ist kein leader im Tor!
Natürlich fehlt ein Knipser, aber gegen Israel reicht es auch ohne!
StefanM


Textquelle: © LAOLA1.at

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